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Gerettetes Projekt

Jahrelang musste der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze um seine finanzielle Situation bangen: Dank vereinter Hilfe von Landespolitik und Privaten kommt er nun endlich in ruhigere Fahrwasser und kann sich auf seine Kernarbeit – die Vermittlung von Freiwilligen auf Bergbauernhöfe – konzentrieren.

Wenn der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) in den vergangenen Jahren seine Vollversammlung abhielt, dominierte neben der großen Dankbarkeit immer auch die Sorge um das finanzielle Überleben. Zwar hielten dem Verein kleine und größere Spender die Stange, darunter immer wieder die Stiftung Sparkasse und die ASPIAG, letztere mit Sammelaktionen in ihren Despar-Geschäften.

Vergangenes Jahr hatte sich die Landespolitik einen Ruck gegeben: Landeshauptmann Arno Kompatscher und die zuständige Landesrätin Martha Stocker hatten die finanzielle Unterstützung deutlich in die Höhe geschraubt.

Somit konnte der Verein 2018 erstmals ein positives Jahresergebnis aufweisen. Auch wenn das negative Eigenkapital noch immer bei 34.000 Euro liegt: Der Verein schöpft Zuversicht – zumal Stockers Nachfolgerin, Landesrätin Waltraud Deeg nun zusicherte, die Unterstützung in den nächsten Jahren beizubehalten. Eine positive Überraschung lieferte auch ASPIAG. Neben den bereits zugesicherten 2000 Leibchen mit den Logos von VFA und Despar wartete das Lebenshandel-Unternehmen bei der Versammlung mit einem 9000-Euro-Spendenscheck auf!

VFA-Obmann Georg Mayr versicherte den Unterstützern, dass das Geld effizient eingesetzt wird: „Mit 19.000 Einsatztagen und 2000 Helfern generieren wir einen umgerechneten Umsatz von 1,8 Millionen Euro: Die Verwaltungskosten von zehn Euro pro Tag sind da mehr als verträglich!“

Freiwilligensuche auf Facebook

2018 haben 1900 Freiwillige den Weg auf die Höfe der mehr als 300 Bergbauernfamilien gefunden, die jährlich um Helferinnen und Helfer ansuchen. „Mit 19.048 Einsatztagen lagen wir leider unter dem Schnitt der Vorjahre,“ sagte Mayr, „aber wir versuchen, dem möglichst entgegenzuwirken.“ So hat der Verein seit 2018 einen Auftritt auf Facebook, verteilte Prospekte, veranstaltete eine Tagung mit und für Bauern und setzt auch weiterhin auf starke Medienarbeit. Das scheint Früchte zu tragen: Heuer verzeichnet der Verein wieder einen Aufwärtstrend.

Großteil aus Deutschland

Die Medienarbeit spricht besonders in Deutschland viele Freiwillige an: Insgesamt 74 Prozent kommen von dort. In Südtirol melden sich vor allem Menschen aus städtischen Gebieten und dem Pustertal, darunter viele Junge, „aber erstaunlicherweise stehen die meisten unserer Helferinnen und Helfer voll im Berufsleben“, berichtete Mayr. Männer und Frauen halten sich die Waage.

Große Anerkennung zollten dem Verein die Vertreter der vier Trägerorganisationen – Bauernbund, Caritas, Jugendring und Lebenshilfe – und die vielen Ehrengäste. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler verwies auf die Verbindung aus Solidarität und Lerneffekt: „Viele Leute aus dem Tal sehen, unter welchen Bedingungen Bauern hier Lebensmittel produzieren.“ Caritas-Direktor Paolo Valente sieht zusätzlich auch „den Gedanken der Europäischen Union gestärkt“ und Wolfgang Obwexer von der Lebenshilfe verwies darauf, dass auf einem Viertel aller Höfe Menschen mit Beeinträchtigung leben: „Sie werden durch die Hilfe mit unterstützt.“ Jugendring-Vertreter Michael Kaun staunt immer wieder darüber, wie der Verein den Bauernfamilien Hoffnung schenkt und dankte, dass „junge Menschen die bereichernde Möglichkeit haben, sich für andere zu engagieren.“

Leuchtturm und Brücke in einem

Dickes Lob kam auch von zwei Landesrätinnen: Waltraud Deeg nannte den Verein ein „Leuchtturmprojekt, dem ich meine 1000-prozentige Unterstützung zusichere. Eine Gesellschaft ohne Freiwillige wäre eine arme Gesellschaft.“ Für Maria Hochgruber Kuenzer ist der Verein „eine Brücke zwischen Bergbauern und dem Rest der Bevölkerung.“ Auch der L.-Abg. Franz Locher sprach von einem Bindeglied, das in der Gesellschaft Verständnis für die Sorgen der Bergbauern weckt.

Hochgruber Kuenzer wurde aber auch nachdenklich: „Denn wir können auf diese Freiwilligen gar nicht mehr verzichten! Ohne sie würde die Landschaft ganz anders aussehen. Das muss auch uns Politiker zum Nachdenken anregen.“

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