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Die Porno-Rache

„Porno-Rache“ wird bald zum Straftatbestand. Täter riskieren bis zu 6 Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu 15.000 Euro.

Die Abgeordnetenkammer hat sich im Zuge der Behandlung des sogenannten „Codice rosso“ gegen Gewalt an Frauen dafür ausgesprochen, das Teilen und Verbreiten von intimen Fotos und Videos als Straftatbestand einzuführen. Die SVP/PATT-Vertreter haben dabei für den Gesetzentwurf zur „Porno-Rache“ gestimmt.

„Es ist bereits vorgekommen, dass sich Frauen und Mädchen in der Folge einer solchen Schmutzkampagne das Leben genommen haben“, erinnert die SVP-Kammerabgeordnete und Landesfrauenreferentin Renate Gebhard im Zuge der Endabstimmung zum sog. „Codice rosso“, der auch die Einführung der sogenannten „Porno-Rache“ als Straftatbestand beinhaltet.

Damit soll das Teilen und Verbreiten von intimen Fotos und Videos ohne Zustimmung unter Strafe gestellt werden. Im Zuge der Artikeldebatte zum vorgenannten Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen hatten die weiblichen Abgeordneten der Opposition, darunter auch Gebhard selbst, erst vergangene Woche eine gemeinsame Protestaktion organisiert, welche die Regierungsmehrheit diese Woche zu einem Umdenken bewogen hat. „Wer für Porno-Rache verantwortlich ist, soll zukünftig mit einer Geldstrafe von 5.000 bis 15.000 Euro und einer Haftstrafe von einem bis sechs Jahren rechnen müssen“, erklärt Gebhard.

Renate Gebhard

Renate Gebhard weist in diesem Zusammenhang auf die weiteren Eckpunkte des sogenannten „Codice rosso“ hin. Das Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sieht höhere Strafen für Misshandlungen in der Familie, für sexuelle Gewalt und für Stalking vor. Auch die Gesichtsverstümmelung z.B. durch einen Säureangriff wird neu als Straftatbestand definiert, mit Höchststrafen bis zu 14 Jahren. Zudem soll es eine Vorzugsschiene für Strafanzeigen und Voruntersuchungen im Zusammenhang mit Geschlechtergewalt geben: Betroffene müssen innerhalb von drei Tagen angehört werden.

„Die harten Strafen sollen in erster Line eine abschreckende Wirkung haben“, begrüßt die Südtiroler Parlamentarierin Gebhard die vorgesehenen Maßnahmen. „Wir müssen uns aber dessen bewusst sein, dass Geschlechtergewalt ein kulturelles Problem ist“, pocht die SVP-Landesfrauenreferentin auf ein gesellschaftliches Umdenken. „Da ist mehr denn je eine gute Sensibilisierungsarbeit, bereits an unseren Schulen,  gefragt“, so Gebhard.

Nach der positiven Abstimmung am Mittwoch Abend in der Abgeordnetenkammer muss das Gesetz nun vom Senat ohne weitere Abänderungen genehmigt werden, um in Kraft zu treten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (4)

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  • paul1

    Wo beginnt dieser „Codice rosso“ und wo hört er auf, wieder ein Gesetz Männer zu erpressen und abkassieren zu können!!

  • wisoiundnetderfranz

    Es wird hier immer vom „Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen“ gesprochen.
    Gilt das dann auch, wenn eine Ex Pornorache an ihrem Ex nimmt?

  • drago

    So sinnvoll ein derartiges Gesetz sein mag, so handelt es sich a) wieder einmal um eine Anlassgesetzgebung (was nicht unbedingt für sich genommen schlecht sein muss, aber bei der damit verbundenen Eile sehr oft nicht wirklich durchdacht) und b) ist auffallend dass es erst so eilig verabschiedet wurde, als eine hohe Politikerin betroffen war.
    Was jetzt nichts mit dem Gesetz zu tun hat, aber für mich ist es unverständlich, warum so viele Menschen darauf versessen sind, sich beim Sex zu filmen? Mag schon sein, dass die Smartphones dies stark vereinfacht haben, aber trotzdem für mich unverständlich. Was aber, um es ausdrücklich festzuhalten, nichts daran ändert, dass derartiges nicht ohne Einverständnis der Betroffenen veröffentlicht werden darf.

  • yannis

    Wer sich wissentlich beim Vögeln Filmen lässt, dem ist. Grunde nicht zu helfen, und sollte sich über den ein oder anderen Bumerang nicht wundern.

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