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ESSERE CORPO

Petrus Gonsalvus von Josef Rainer

Die seit immer dem Zeitgenössischen verpflichtet und auf eine akkurate Wahl der künstlerischen Positionen bedachte Kunsthalle West präsentiert die Ausstellung “ESSERE CORPO” mit Werken von Michele Bubacco, Paolo Maggis und Josef Rainer.

In der auf die Körperlichkeit ausgerichteten Gruppenausstellung stehen ortsspezifische Projekte von zwei Malern und einem Bildhauer in Dialog zueinander. Kuratiert ist die, in Kooperation mit der Alessandro Casciaro art gallery entstandene Ausstellung von Francesca Baboni und Stefano Taddei.

Malerei von Michele Bubacco

Die Ausgangsmaterialien der Werke von Michele Bubacco stammen aus unterschiedlichen Erfahrungen und verschiedenen materiellen Kontexten, so können es Fotographien,  Gemälde, Keramikfragmente, oder Fotos aus dem persönlichen Archiv sein, die anschließend modifiziert werden. Diese Materialen haben die Funktion von Ansatzpunkten, welche den Künstler zu malerischen Improvisationen veranlassen, mit denen er Körperlichkeit konstruiert, die allerdings nie vorsätzlich ist. Auf der immerwährenden Suche nach Auswegen untergräbt er die aktualistische Bildsprachen und setzt das Subjekt aufs Spiel.

Mit Hilfe der Ölmalerei, verbindet er die verschiedenen Techniken. Der Körper ist sein Ziel, das er – ausgehend von unterschiedlichen Elementen – wie Auslöschungen, möglichen Narrativen, Intentionen und Intuitionen, anvisiert. Der Körper kann ihm sowohl Ausgangspunkt als auch Ankunftspunkt sein und dazwischen geschieht jeweils ein Kursänderung, eine Art Entführung und Veränderung der Spur, ähnlich einer  Insel auf der es immer wieder zu landen gilt.

Das Werk von Paolo Maggis umfasst Installationen und großformatige Arbeiten. Die Recherche zu den neuen Arbeitsserie entstand aus einer Reflexion über den Körper als Essenz des Seins (Ich bin Körper) im Gegensatz zum Körper als Hülle (Ich habe einen Körper). Wie die Himmelskörper trägt die Materie in ihrer Präsenz die eigene Bedeutung in sich. Die Körperlichkeit ist somit eine übergeordnete Intelligenz, die sich selbst kennt und absorbiert, sich des Kosmos und der eigenen Ewigkeit erinnert und diese synthetisiert; Sie ist ein Katalysator der Gefühle, Gedanken und des Bewusstsein der gesamten Menschheit. Die Kunst von Paolo Maggis bewegt sich im Kontext der gestisch-abstrakten Recherche, welche die Wirklichkeit als Quelle der eigenen Entwicklung nutzt. Obwohl er von einer Akademie stammt, die viel Wert auf die realistische Darstellung des Subjekts legt, fällt bei Maggis von Beginn an die Notwendigkeit einer Überschreitung der konkreten Subjektform auf, mit der er in die Welt des Abstrakten vordringt und zwischen Introversion und Extroversion oszilliert. Die Werke sind das Ergebnis von Auseinandersetzungen mit dem malerischen Material, das sich von den Begrenzungen des Subjekts befreit. Die stark expressive und autonome Entladungen – oft an der Grenze zur Gewalt – sind so unabhängig, dass sie die Äußerlichkeiten der Realität untergraben um sie mit neuen Formen zurück zu geben. Jeder Pinselstrich und jede Farbe spielen eine bestimmende Rolle in der Zusammensetzung des Werks. Die Kommunikation geschieht als Hautkontakt, noch bevor sie gedanklich wird. Der Aufbau des Werks zeigt oft die malerische Geste, die in ihrer rohen Energie, Zähigkeit und Intention das Zentrum des Ausdrucks bildet.

Malerei von Paolo Maggis

 Josef Rainer beschäftigt sich in seinen Installationen mit dem menschlichen Körper in all seinen Formen und aus verschiedenen Blickrichtungen. Manchmal zeigt sich die menschliche Figur als mythologisches Mensch-Tierwesen, wie etwa der durch seine Verletzlichkeit niedergeschlagene Minotaurus; andere Male hingegen umgibt er alten Drucke mit menschlichen Silhouetten, die dann Drucke von Heinrich Büntgens oder Sebastian Münsters wie Königin und König aussehen lassen. Die Gipsbüste mit Bezug zu Petrus Gonsalvus, dem für seine Vollkörperbehaarung bekannten spanischen Adiligen am Hof von Heinrich II. von Frankreich, scheint zu leben, sobald sie die Augen bewegt. Es handelt sich also um Werke, die von der Schönheit, aber auch von der Unvollkommenheit, also einer “Ästhetik der Verschiedenheit” in Bezug auf den Körper erzählen.

Termin: Eröffnung am Freitag, 5. April um 19.30 Uhr in der Kunsthalle West, Lana. Bis 21. April Donnerstag bis Sonntag 17 bis 20 Uhr www.kunsthalle-west.org

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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