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Der letzte Primar

Das Krankenhaus in Innichen

Im August geht Walter Pörnbacher in Rente. Einen Nachfolger für den Primar für Kinderheilkunde am Krankenhaus Innichen wird es nicht geben. Die Pädiatrie wird mit Bruneck zusammengelegt. Das sorgt für jede Menge Ärger.

von Silke Hinterwaldner

Es geschah fast auf den Tag genau vor vier Jahren: In der Geburtshilfe in Innichen kamen Ende März die letzten Babys zur Welt, am 1. April 2015 gingen dann die Lichter aus. Diesem drastischen Schritt war ein langes Hick-Hack  um die Zukunft und die Aufgaben der Kleinspitäler vorausgegangen. Als Chefgynäkologe Cristiano Mazzi dann seine Kündigung einreichte, sperrte man die Abteilung kurzerhand zu.  Die endgültige Schließung der Geburtshilfe sorgte damals für großes Bedauern, und noch immer ist die Sorge um die Zukunft des gesamten Krankenhauses und der medizinisches Versorgung im  Hochpustertal deutlich zu spüren.

Jetzt wieder verstärkt. Mit gutem Grund. Denn: Im August dieses Jahres wird Primar Walter Pörnbacher  in den Ruhestand treten. Bis zum Tag seiner Pensionierung wird das Krankenhaus Innichen noch ein Primariat für Pädiatrie haben, danach nicht mehr. Dazu kommt noch: Derzeit wird die Abteilung für Kinderheilkunde am Krankenhaus praktisch rund um die Uhr von einem Arzt geleitet und geführt, der im Dauereinsatz ist. Neben Pörnbacher gibt es an der Pädiatrie noch fünf weitere Kinderärzte, allesamt jedoch lediglich mit einem Werkvertrag angestellt.

Aber auch auf anderer Ebene ist die Situation im gesamten Pustertal prekär: Bereits seit Jahren fehlt es an niedergelassenen Kinderärzten auf dem Territorium. Das Hochpustertal ist lediglich über das Krankenhaus versorgt, das Gadertal wird vom Krankenhaus Bruneck mitbetreut, weil es auch dort keinen Kinderarzt gibt und im Raum Bruneck oder Tauferer Tal fehlt es auch an allen Ecken und Enden. Insgesamt würde das Gebiet fünf bis sechs neue Kinderärzte benötigen. Und nicht zuletzt: Auch die Pädiatrie im Krankenhaus von Bruneck ist unterbesetzt.

Deshalb ist es alles andere als verwunderlich, dass bei vielen Eltern im Hochpustertal jetzt die Alarmglocken schrillen. Dort hat man die berechtigte Sorge, dass die Primarstelle von Pärnbacher nicht nachbesetzt wird und die gesamte Abteilung für Kinderheilkunde nach und nach ausgehöhlt wird. In der Geburtshilfe hat  man dies genauso erlebt.

„Es geht um die Versorgung der Kinder“, sagt Maria Elisabeth Rieder, „dabei ist völlig klar, dass dieses Thema die Menschen verunsichert. Man ist besorgt, dass die Primarstelle in Innichen nicht neu ausgeschrieben wird.“ Die Abgeordnete vom Team Köllensperger im Landtag kennt den Sanitätsbetrieb Bruneck wie ihre Westentasche, hat sie doch viele Jahre dort gearbeitet. Umso mehr liegt ihr die Zukunft der Krankenhäuser und insbesondere die medizinische Versorgung der Menschen am Herzen. Für Donnerstag hat ihre Partei eine Pressekonferenz anberaumt, bei der die Zukunft der Kleinspitäler und insbesondere die schwierige Situation in Innichen genauer unter die Lupe genommen werden soll. „Es reicht einfach nicht“, sagt Rieder, „wenn man sich immer nur auf den Ärztemangel hinausredet. Es muss etwas unternommen werden.“

Dass die Angst vor dem Verlust eines weiteren Primariats in Innichen berechtigt ist, bestätigen die Aussagen von Walter Amhof. Der Verwaltungsdirektor des Sanitätsbetriebes Bruneck sagt: „Die Landesregierung gibt klare Vorgaben. Wir müssen diese umsetzen und dies bedeutet, dass das Primariat in Innichen nicht verlängert wird.“ Das heißt: Geht Walter Pörnbacher im August in Pension, dann wird seinem Nachfolger keine attraktive Primarstelle angeboten. Die  Pädiatrie in Innichen wird mit jener in Bruneck zusammengelegt, in der Außenstelle wird dann nur mehr ein so genannter „kleiner Primar“, also ein Arzt in leitender Position, anwesend sein. Dieser Leiter der Pädiatrie hat zwar weitgehend freie Hand, um die Station in Innichen gut zu organisieren – aber nach der Pensionierung von Pörnbacher wird dort ein anderer Wind wehen. Walter Amhof versucht zu beruhigen, wenn er sagt: „Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen dies kaum zu spüren bekommen werden.“

Er macht sich eher Gedanken darüber, wo er in so kurzer Zeit einen passenden Arzt herbekommen soll. „Es laufen intensive Gespräche“, sagt er, „deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden werden – aber es ist nicht ganz einfach.“ Er schiebt dann auch sofort eine gute Nachricht hinterher: Im Raum Bruneck sollen in den kommenden Wochen zwei oder vielleicht sogar drei neue Kinderärzte ihren Dienst antreten. „Insofern“, sagt Amhof, „schaut es gar nicht so schlecht aus. Es sollte sogar langsam wieder aufwärts gehen.“

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