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Der Milch-Krieg

Bei den Südtiroler Milchhöfen gehen die Wogen hoch. Die Bergmilch Südtirol hat beschlossen, dass Maisbauern vier anstatt 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar halten dürfen. Ein Beschluss, der allen bisherigen Vereinbarungen widerspricht.

von Erna Egger

„Dieser Beschluss hat sehr viel Staub aufgewirbelt und bei den anderen Milchhöfen großes Unverständnis hervorgerufen“, bestätigt Martin Pazeller, Direktor in der Abteilung Landwirtschaft. Und auch für ihn ist dieser „Beschluss nicht nachvollziehbar.“

Was ist geschehen?

Die Bergmilch Südtirol hat entgegen der bisherigen gemeinsamen Vorgehensweise der Südtiroler Milchhöfe einen umstrittenen Alleingang unternommen: Am 20. Februar hat der Vorstand der Genossenschaft unter Obmann Joachim Reinalter eine „Abänderung des Koeffizienten der Kulturart Mais“ genehmigt. Im Beschluss heißt es: „Die Kulturart ‚Mais’ wird im Lafis-Bogen mit 1,2 bewertet. Aufgrund des höheren Grundfutterertrages wird der Koeffizient mit 1. Jänner 2019 auf 1,6 erhöht. Die Berechnung wird von uns anhand der Lafis-Daten automatisch vorgenommen.“

Zum besseren Verständnis: Bauern mit Maisfeldern dürfen künftig vier anstatt 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar halten. Maisbauern sind vor allem im Pustertal und im Wipptal zu finden.

Bei den anderen Südtiroler Milchhöfen gehen nun die Wogen hoch.

Dass gerade die Bergmilch Südtirol unter Joachim Reinalter, der gleichzeitig Obmann im Sennereiverband ist, diesen Vorstoß gewagt hat, sorgt für großen Unmut.

Seit Jahren peilen nämlich die Südtiroler Politik und an vorderster Front der Sennereiverband eine flächenbezogene Landwirtschaft an. Es gehe um das Image, um Nachhaltigkeit, um die Reduzierung von Gülle und um die Einhaltung von EU-Richtlinien, wird argumentiert.

Bei den Vollversammlungen im Mai 2018 gaben die Milchhöfe dem Druck nach, die Genossenschaften haben mit zumeist großer Mehrheit entsprechende Beschlüsse gefasst und sich selbst Reglementierungen auferlegt – trotz des Widerstandes vieler Großbauern, die nun um ihre Existenz fürchten.

Laut den Beschlüssen darf ein Bauer nun künftig nur mehr 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar halten. Die Regelungen treten mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Bis dahin müssen die Milchbauern, die zu viele Kühe halten, den Viehbestand reduzieren oder Flächen dazukaufen bzw. pachten. Sofern der Landwirt die Anpassung nicht vorgenommen hat, wird nach Ablauf einer dreijährigen bzw. fünfjährigen Übergangsfrist – je nachdem welchen Zeitraum die einzelnen Genossenschaften festgelegt haben – die Milch dieses Mitgliedes vom Milchhof nicht mehr angenommen.

Einige Bauern haben mittlerweile eine gerichtliche Klage gegen die Beschlüsse der Milchhöfe eingereicht. Die Klage hängt beim Gericht in Mailand. Damit wollen sie die Mehrheitsbeschlüsse zu Fall bringen.

Der Vorstandbeschluss der Bergmilch Südtirol widerspricht nun allen bisherigen Argumentationen und der gemeinsamen Vorgehensweise der Milchhöfe. „Es handelt sich um eine gravierende Ungleichbehandlung. Warum werden die bisherigen Beschlüsse nur von der Bergmilch aufgeweicht? Wie sieht es bei den anderen Milchöfen aus?“, wird nun von Bauern angeprangert.

Die Abteilung Landwirtschaft hat auf diesen Alleingang mit großer Verwunderung reagiert. Pazeller hat mit Reinalter ein Telefongespräch geführt. Er hofft auf ein Umdenken. Auch die anderen Milchhöfe machen Druck. Sie drängen darauf, dass die Bergmilch den Beschluss zurücknimmt oder abändert, bzw. eine Lösung sucht (siehe Kasten).

Der unter Beschuss geratene Obmann der Bergmilch, Joachim Reinalter, war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Der Geschäftsführer Robert Zampieri hingegen ließ ausrichten, dass die Bergmilch zur Polemik keine Stellungnahme abgeben will.

„Eine ungute Geschichte“

Bei Südtirols Milchhöfen ist Feuer am Dach. Der Vorstandsbeschluss der Bergmilch Südtirol hat die Vertreter der anderen Genossenschaften vor den Kopf gestoßen.

Adalbert Braunhofer wehrt kategorisch ab: „Ich möchte dazu nichts sagen.“ Der Obmann des Sterzinger Milchhofes will nicht Öl ins Feuer gießen und die Diskussion weiter einheizen. Er sagt nur soviel: „Ich hoffe nur, dass er es wieder geradebiegt.“

Mit „er“ meint Braunhofer Joachim Reinalter, Obmann der Südtiroler Bergmilch und Obmann im Sennereiverband.

Im Gegensatz zum Obmann des Sterzinger Milchhofes sagt Klaus Faller seine Meinung offen heraus.

Der Vorstandsbeschluss der Bergmilch Südtirol stößt auch im Brixner Milchhof auf viel Kritik. Der Obmann der Brimi kommentiert: „Es ist unverständlich, dass in dieser Sache Alleingänge gemacht werden. Das ist eine ungute Geschichte. Die 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar sind gesetzlich verankert und wir haben uns bei den vorherigen Beschlüssen immer auf das Gesetz gestützt. Daher geht es nicht gut, wenn nun eine Ausnahme gemacht wird. Das sorgt nur für Verwirrung“, so Faller.

Die Aufforderung seitens der Brimi: „Wir haben gesagt, dass die Bergmilch den Beschluss überdenken und Lösungen suchen soll, damit wir klare Regelungen haben“, kommentiert Faller.

Im Meraner Milchhof hat man sich mit dem Beschluss der Bergmilch noch nicht auseinandergesetzt. „Weil wir in unserem Gebiet nur sehr wenige Bauern haben, die Mais anbauen. Daher betrifft uns das nicht“, so Obmann Georg Egger.

Er bezweifelt jedoch, dass ein Vorstandsbeschluss in diesem Fall Gültigkeit hat: „Die bisherigen Beschlüsse zur flächenbezogenen Milchwirtschaft wurden von der Vollversammlung gefasst. Wir haben ein Konzept erarbeitet und die Statuten dahingehend abgeändert. Eine Statutenänderung kann meines Erachtens nur die Vollversammlung beschließen. Daher glaube ich nicht, dass ein Verwaltungsrat diesbezüglich Änderungen vornehmen darf.“

„Nicht gesetzeskonform“

„Wir waren sehr erfreut, als die Milchhöfe vergangenes Jahr die Beschlüsse zur flächenbezogenen Milchwirtschaft gefasst haben und sich somit selbst die Begrenzungen auferlegt haben“, nimmt Elmar Stimpfl vom Amt für Gewässerschutz vorweg. „Diese Neuregelung ist zukunftsweisend in Hinblick auf eine umweltgerechte Landwirtschaft.“

Die Ausbringungsmengen der Dünger werden in Südtirol über den Artikel 16 der Durchführungsverordnung zum Landesgesetz vom 18. Juni 2002 betreffend die „Bestimmungen über die Gewässer“ im Bereich Gewässerschutz geregelt.

Es ist festgelegt, dass eine Großvieheinheit 85 Kilogramm Stickstoff ausscheidet. Für Futterflächen bis zu 1.250 Metern Meereshöhe dürfen daher pro Hektar 2,5 Großvieheinheiten gehalten werden.

Da Maisflächen mehr Stickstoff aufnehmen können, gilt dort die Regelung von maximal drei Großvieheinheiten pro Hektar. „Vier Großvieheinheiten pro Hektar sind jedoch nicht gesetzeskonform“, unterstreicht Stimpfl in Anspielung auf den Beschluss der Bergmilch Südtirol.

Er gibt zu bedenken: „Die meisten Förderungen haben die Einhaltung der Gewässerschutzbestimmungen zur Auflage.“

Mit der Entscheidung der Bergmilch hat man im Amt gar keine Freude. „Denn dieser neue Beschluss geht leider wieder in die falsche Richtung“, so Stimpfl.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (19)

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  • besserwisser

    der Rainalter schnallts einfach nicht. mit masse wird er die sterzinger und die brimi nie einholen. mit großen bauten und fürstlichen gehältern auch nicht.
    mit der verdelungsquote macht mans …. klasse statt masse wie beim wein vielleicht?

  • erich

    Herr Reinalter macht alles damit er alle Ämter vorzeitig abgibt und mit Ablauf der Bürgermeisterzeit im nächsten Jahr endgültig in Pensionen geht.

  • rota

    Das Problem bei Milchzucker und D- Glucose ist, dass der Dünndarm nur eine bestimmte Menge auf einmal verdauen kann – der Rest flutet den Dickdarm und steht Polypen und möglichen Tumoren zur freien Verfügung.

    https://www.novartis.ch/sites/www.novartis.ch/files/novartis-schullabor-was-steckt-in-der-milch.pdf

    Wissen wir wirklich worum es geht, oder geht es wiederum nur alleine ums Liebe Geld?

  • bettina75

    Erhalten jetzt die Maisbauern einen doppelten Bonus?
    1) Einmal Beitrag vom Land für den Anbau von Mais.
    2) Milchquote GVE 4 anstatt 2,5.
    Anscheinend ein Südtiroler Beitragsproblem eines preveligierten und zum Abwinken geförderten Standes. Wieviel erwirtschaftet dieser Wirtschaftszweig nochmal ohne Subvenbtionen ?

    • einereiner

      @bettina
      Reinalter hat Angst, dass er das nächste Jahr nicht mehr zum Sennereiobmann gewählt würde. Landtag nicht gewählt, Bürgermeister muss er aufhören…..dann ist er nur noch ein einfaches Bäuerlein.

  • wollpertinger

    Die Qualität des Südtiroler Milch wird immer miserabler.

  • perikles

    Jaja, da hat wohl einige Bauern die Gier gepackt; und die Nitratbelastung unseres Grundwassers steigt und steigt. Also muss es der Konsument richten…weniger Südtiroler Milchprodukte kaufen, das schont die Südtiroler Umwelt.

    • einereiner

      @perikles
      die Nitratbelastung des Südtiroler Grundwassers ist in Ordnung. Informier dich auf der Homepage des Landesamtes. Ausserdem kommt das Trinkwasser in Südtirol nicht aus dem Grundwasser, sondern direkt von den Quellen. Also keine Angst, du kannst noch weiterleben.

      • meintag

        Allein wenn ich lese „Hompage des Landes“. Ich würde mich darauf nicht verlassen. Was den Obst und Weinbauer ihre Giftkollen sind, sind den Kuhbauern ihre Milch und deren Turbokühe. In ganz Europa ist beim Milchpreis wenig mehr zu holen, ausser in Südtirol da wird ein Preis ausbezahlt dass Anderen die Augen herausfallen.

        • einereiner

          @meintag
          Du kannst dein Kind gerne von Industriescheisse ernähren. Meines bekommt Milch, Käse, Joghurt vom Südtiroler Bauern, Obst und Gemüse vom Südtiroler Bauern und Wasser von den Südtiroler Quellen.

  • franz1

    @ bettina75,

    eigentlich müßte der Bauernbund endlich mal die Rechnung auf den Tisch legen,
    wir kennen Tiefenthaler, den abgewatschten Reinalter (von seinen Bauern) und zu guter Letzt die SVP Politik des Sarner Milchbauern Locher.
    Über den Daumen gepeilt, zahlen die Bauern Südtirolweit ca.12-15% der Lohnabhängigen, kassiern – man Staune – Beiträge eines VIELFACHEN, Gerätehalle 50% Kubaturbonus (!) …. 60% im Verhältnis zum Lohnanhängigen.

    Den einzigen Bergbauern stehen alle diese Zlagen und Beiträge ohne WENN und ABER zu, nicht den Talbauern (kaum sind sie imstande eigenständig eine Heugabel zu halten.

  • perikles

    @einereiner da liegst nicht ganz richtig, in vielen Gemeinden kommt das Wasser zumindest in Trockenzeiten aus Tiefbrunnen; die Schüttung der Quellen geht überall zurück. Mehr Grossvieheinheiten pro Hektar heisst automatisch mehr Gülle; wollen wir das?

    • einereiner

      @perikles
      in welchen Gemeinden kommt bei Trockenzeiten das Wasser aus dem Tiefbrunnen?
      Und nochmal: Südtirol hat KEINE zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers.
      Also: du kannst beruhigt leben und musst dich nicht um die Anzahl der GVE pro Hektar kümmern.

      • meintag

        Habt ihr bei euren Gemeinden mal nachgefragt wie und was sie übers Jahr für die Kontrolle des Trinkwassers ausgeben. Und welche Massnahmen dafür unter Zugaben von verschiedenen „Mittelchen“ in den Speicherbecken gemacht werden.

        • einereiner

          @meintag
          das kannst du alles in den Gemeindebilanzen nachlesen. Das Trinkwasser muss kontrolliert werden, keine Frage. Wir in Südtirol haben das Glück, so viel Quellwasser zu haben. Welche Mittelchen sie brachen, um das unbelastete Quellwasser zu verbessern, kannst du uns gerne mal erzählen. Aber keine Märchen bitte!

          • tald

            @meinereiner, schon mal was von Chlorierung gehört? Wird nicht nur sporadisch verwendet, um belastetes bzw. verschmutztes Trinkwasser gesundheitlich unbedenklich zu machen.

          • einereiner

            @tald
            Ja, kenn ich. Macht man, da z. B. Rehe in der Nähe der Quelle ihre Notdurft verrichten. Und was willst du damit bei dem obigen Thema?

  • rota

    Zum Thema Nitratbelastung im Trinkwasser.
    Einige Gemeinden wollten vorsorgend die Ausbringung von Gülle und Trockendung auf bestimmten Wiesen verhindern um ein größeres Quelleneinzugsgebiet zu schonen und schützen.
    Als die betroffenen Landwirte begannen Ausgleichszahlungen für verringerte Erntemengen einzufordern, machten die betroffenen Gemeindeverwaltungen sofort Kehrtwende. Und so dürfen viele Quelleinzugsgebiete immer noch völlig frei landwirtschaftlich genutzt werden.

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