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Oper zwischen Gut und Böse

Lohengrin von Salvatore Sciarrino (Foto: Sabine Burger)

OPER.A 20.21, das Opernprogramm der Stiftung Haydn von Bozen und Trient, startet unter dem Motto Angel or Demonin seine fünfte Auflage. Unter der künstlerischen Leitung von Matthias Lošek stellt die neue Spielzeit den Konflikt zwischen „Gut“ und „Böse“ – Engel oder Dämon – in den Mittelpunkt.

 OPER.A 20.21 stellt in seiner fünften Spielzeit „Angel or Demon“ die Frage in den Raum, was „gut“ und was „böse“ ist. „In einer immer komplexeren Welt wäre es bequem, könnte man diese Frage, leicht klären. Doch hat der Mensch überhaupt die Möglichkeit zu wählen, ob er Engel oder Dämon sein möchte? Und wenn ja, warum trifft er diese Entscheidung?“, so der künstlerische Leiter Matthias Lošek. Zentral bleibt auch in dieser Saison die Frage, wie frei der Mensch seinem Handeln und seinen Entscheidungen ist.

 

Eröffnet wird die Opernsaison im Stadttheater Bozenam Samstag, 18. Januar 2020 mit einem Doppelabend des Theater Orchester Biel Solothurn: Mit Radames des ungarischen Komponisten Péter Eötvös’ und Lohengrin von Salvatore Sciarrino werden zwei der berühmtesten Stoffe der Opernliteratur neu gedeutet. Die Verknüpfung der beiden Kammeropern basiert auf einem wesentlichen Element: In beiden Werken steht der Hauptdarsteller alleine, ohne Partner, auf der Bühne. Radames handelt von einer Opernprobe von Verdis Aidain einem von Sparzwang gezeichneten Opernhaus: Da das ganze Ensemble entlassen worden ist, muss die Produktion mit einem einzigen Sänger auskommen, einem Countertenor, der sowohl den Part des Radames als auch der Aida übernimmt. Ein skurril komisches Stück, das als Kritik am Theaterbetrieb zu verstehen ist.

Lohengrin wurde als „Azione invisibile per solista, strumenti e voci“ 1984 in Catanzaro uraufgeführt. Die Bühnenhandlung orientiert sich an einer Vorlage des Dichters Jules Laforgue. Der titelgebende Held der Oper fehlt; erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Elsa, der zu Unrecht angeklagten Jungfrau. Diese singt im imaginären Dialog auch die Antworten des abwesenden Lohengrins und verfällt zwischen Kindheitsvisionen, Angst und erwachender Erotik immer mehr ihren Wahnvorstellungen.

Jenseits von Gut und Böse steht Don Giovanni im gleichnamigen Opernklassiker von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte. Die Koproduktion mit dem Teatro di Pisa ist am 8. Februar 2020 im Teatro Sociale in Trient zu sehen. Don Giovanni, der skrupellose Frauenverführer aus Sevilla verkörpert eine Naturgewalt ohne Empfinden für Moral und Verantwortung, stets im Begriff das nächste Frauenherz, wenn auch nur für ein paar Stunden, zu erobern. Sein Gegenpart in der Oper ist Komtur, der Inbegriff von Sitte und Gerechtigkeit. Don Giovanni ist nicht bereit, seinen Lebensstil zu ändern und so kommt es, wie es kommen muss: Die Flammen der Hölle verschlingen ihn. „So ergeht es dem, der Böses tut“ wird auf der Bühne moralisiert.

In Trient wird am Samstag, den 29. Februar 2020 mit Alice eine Familienoper gezeigt. Matteo Franceschini, der 2019 mit dem Silbernen Löwen auf der Biennale von Venedig auszeichnet wurde und 2020 auch Artist in Residence der Stiftung Haydn ist, hat die Musik im Auftrag des Orchestre national d’Ile-de-France und der Philharmonie de Paris komponiert. Für das Teatro Regio di Parma und OPER.A 20.21 erarbeitet der Trientner Komponist eine neue, italienische Bühnenfassung. Alice ist eine moderne Version von „Alice im Wunderland“. Die Protagonistin Aly, zu Hause und in der Schule unglücklich, zieht sich am liebsten in das virtuelle „wonder.land“ zurück, ein Online-Spiel, in dem jeder Spieler einen Avatar erstellt. Darin wird Aly zu Alice, einer schönen und mutigen Teenagerin, die sie gerne auch im wirklichen Leben sein möchte.

Curon/Graun des Theaterkollektivs OHT – Office for Human Theatre

Das Siegerprojektder zweiten Ausgabe von OPER.A 20.21 FRINGEwird am 21. Februar 2020in Bozen uraufgeführt. Der thematische Schwerpunkt des Wettbewerbs, der in Zusammenarbeit mit dem Arnold Schönberg Center in Wien ausgeschrieben wurde, liegt auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem kammermusikalischen Werk Arnold Schönbergs, einem der wohl einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das Siegerprojekt wird im Mai 2019 bekanntgegeben.

Mit der Uraufführung von Toteis, einer Auftragsarbeit der Komponistin Manuela Kererund des Librettisten Martin Plattner, beendet OPER.A 20.21 am 13. März im Stadttheater Bozendie Spielzeit. Toteis, eine Koproduktion der Stiftung Haydn, der Neuen Oper Wien und der Vereinigten Bühnen Bozen, setzt sich mit Viktoria Savs (geb. 1899 in Meran) auseinander. Als Soldat Viktor diente die damals 16-Jährige im Ersten Weltkrieg an der Dolomitenfront und verlor dabei ein Bein. Von den Medien zum „Heldenmädchen von den Drei Zinnen“ stilisiert, trat sie 1933 der NSDAP bei. Zahlreiche zweifelhafte Mythen rankten sich um die Frau, die sich bis zum Tod 1979 als Heldin feiern ließ, und deren Biografie doch so fragmentarisch bleibt. „Die Farben dieses vielschichtigen Charakters bringen Klangfarben hervor, die – wie Viktoria selbst – oft zwischen den Zeilen schwingen“, so Manuela Kerer. Toteis rollt die ambivalente Geschichte der Viktoria Savs neu auf und spannt dabei immer wieder den Bogen ins Heute. Gelebter Nationalismus, kultivierte Kälte, salonfähig gewordener Hass: die Gespenster von damals scheinen an Aktualität nichts verloren zu haben und begegnen uns auf der Bühne des gegenwärtigen Weltgeschehens wieder.

Nach dem großen Publikumszuspruch wird 2020 auch das Siegerprojekt der ersten Ausgabe des Musiktheaterwettbewerbs OPER.A 20.21 wiederaufgenommen: Die MusikinstallationCuron/Graundes Theaterkollektivs OHT – Office for Human Theatre wird am 23. März 2020in Schlanderszu sehen sein. Nach der Uraufführung in Trient im Rahmen der Opernsaison 2017/18, gastierte das Stück zunächst beimPerforming Art FestivalDrodesera und anschließendbeim renommierten Festival Romaeuropa. Curon/Graun erzählt vom Schicksal des gleichnamigen Dorfes Graun im Vinschgau, das einem Staubecken weichen musste. Ausgehend von den Bildern des Kirchturmes entwickelte Regisseur Filippo Andreatta den Spannungsbogen zur suggestiven Musik von Arvo Pärt.

TICKETS: Der Vorverkauf startet am 8. Mai 2019 an den Kassen des Stadttheater Bozen und des Centro Culturale Santa Chiara in Trient.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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