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„Unnötiger Luxus“

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Die Verbraucherzentrale bezeichnet den Kauf von Mineralwasser als unnötigen Luxus. In Italien verbraucht eine Person 243 Liter pro Tag.

Wasser ist eine Lebensgrundlage für den Menschen und zugleich eine begrenzte Ressource. Darauf macht jedes Jahr am 22. März der Weltwassertag aufmerksam. Die Verbraucherzentrale Südtirol informiert über den Stellenwert des Leitungswassers in der EU und empfiehlt das Trinken von Leitungswasser.

Für Wasser für den menschlichen Gebrauch (Wasser zum Trinken und für andere häusliche Zwecke) gelten in der Europäischen Union Mindeststandards. Diese sind in der EU-Trinkwasserrichtlinie (98/83/EG) festgeschrieben. Die EU-Kommission und das Europäische Parlament arbeiten an einer Aktualisierung dieser Richtlinie.

Der neue Entwurf sieht vor, dass die Mitgliedstaaten den Zugang zu sicherem und sauberem Trinkwasser für alle Menschen, insbesondere für schutzbedürftige und ausgegrenzte Bevölkerungsgruppen, weiter verbessern müssen. Schätzungen der europäischen Bürgerinitiative „Right2Water“ zufolge haben in Europa sechs bis acht Millionen Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser oder zu geeigneten Sanitäranlagen. Probleme mit der Qualität des Trinkwassers würden 20 Millionen Menschen in Europa betreffen.

Konkret sollen im öffentlichen Raum, in öffentlichen Anlagen sowie in Einkaufszentren und auf Flughäfen frei zugängliche Trinkbrunnen installiert und so der Bevölkerung der Zugang zu Trinkwasser ermöglicht werden. Die Mitgliedstaaten sollen auch die Bereitstellung von Leitungswasser, kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr, in der Gastronomie und in Kantinen fördern. Für Schadstoffe wie Blei oder gesundheitsschädliche Bakterien werden die zulässigen Höchstwerte verschärft und für hormonwirksame Stoffe (endokrine Disruptoren) Grenzwerte neu eingeführt. Auch wird der Gehalt an Mikroplastik im Wasser zukünftig überwacht. Die Verbraucher und Verbraucherinnen sollen zudem mehr und bessere Informationen über die Qualität des Leitungswassers erhalten. Diese vertrauensbildenden Maßnahmen werden, so hofft man, eine verstärkte Nutzung von Leitungswasser als Getränk und eine Verringerung des Konsums von Flaschenwasser bewirken. Bevor die neuen Vorschriften in Kraft treten können, müssen sich noch das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten einigen.

Derzeit verbraucht ein Europäer oder eine Europäerin im Durchschnitt 120 Liter Leitungswasser täglich (Quelle: Europäische Kommission, Daten aus 2014 und 2015). Trauriger Spitzenreiter ist Italien mit täglich 243 Litern pro Person.

Deutlich geringer ist der Verbrauch mit teils unter 90 Litern pro Person und Tag in mehreren osteuropäischen und in den baltischen Ländern. Am wenigsten Wasser verbrauchen die Menschen in Malta, dort sind es 50 Liter pro Person und Tag. Zusätzlich konsumieren die Bürger und Bürgerinnen der EU schätzungsweise bis zu 106 Liter Flaschenwasser pro Person und Jahr.

Laut einer Berechnung der EU-Kommission könnte durch einen besseren Zugang zu Wasser mit gesicherter Qualität der Konsum von Flaschenwasser um rund 17 Prozent gesenkt werden. Die europäischen Haushalte könnten dadurch bis zu 600 Millionen Euro jährlich einsparen. Zudem könnten die Treibhausgasemissionen und die Menge an Plastikabfällen verringert werden. An den europäischen Stränden gehören Kunststoffflaschen zu den am häufigsten gefundenen Einwegprodukten aus Kunststoff.

„Leitungswasser ist ein echtes 0-km-Lebensmittel, das in jedem Haushalt zu geringen Kosten und ganz ohne Verpackung jederzeit zur Verfügung steht“, meint Walther Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol. „Im Vergleich zum Leitungswasser kostet Mineralwasser ein Vielfaches. Es belastet auch die Umwelt viel stärker, nämlich durch die Produktion von Verpackungsmaterialien, die Transporte und die Abfallentsorgung. Für die Südtiroler Haushalte, die über ein qualitativ gutes und schmackhaftes Trinkwasser verfügen, ist der Kauf von Mineralwasser wirklich ein unnötiger Luxus.“

Die Ernährungsexpertin der VZS Silke Raffeiner ergänzt: „Gesunde Personen, die sich ausgewogen ernähren, können ihren Bedarf an Mineralstoffen in der Regel über die Nahrung decken und sind dafür nicht auf teures Mineralwasser angewiesen.“ Wer trotzdem Mineralwasser bevorzuge, so die Verbraucherzentrale, solle ausschließlich Wasser in der Mehrwegflasche und aus der Region kaufen.

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Kommentare (6)

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  • prof

    Totaler Blödsinn!! Sollte es nicht etwa 243 Liter pro Jahr heißen?

  • prof

    Ich meinte natürlich Mineralwasser!
    Aber auch 243 Liter Leitungswasser ist Blödsinn.Bei dieser Menge würde sich jede Gemeinde ins Fäustchen lachen,auch weil zu dieser Menge auch das Abwasser in Rechnung gestellt wird.

    • wisoiundnetderfranz

      Das stimmt schon. Aber natürlich sind da alle Abnehmer eingerechnet.
      So wird z.B. der Wasserverbrauch der Touristen zusätzliche zu jenem der Einwohner auch nur durch die Einwohnerzahl dividiert.
      Deshalb ist die Zahl an sich nicht sehr aussagekräftig.
      Was allerdings stimmt ist, dass das Leitungssystem in Italien vielfach überaltet und verlustanfällig ist. Die Wasserverluste in der Leitungen werden nämlich auch in den Wasserverbrauch je Einwohner eingerechnet.

  • flizzer

    243L wären schon einiges….Aber wichtig ist erstmal eine Zahl zu haben… 😉

    SodaStream ist für Pizzlwasserliebhaber wie mich die perfekte, nachhaltige Alternative! – kann man wirklich empfehlen!°

  • gestiefelterkater

    Ein noch größerer und unnötigerer Luxus ist die Verbraucherzentrale.

  • ahaa

    Mit Garten kommt man da nicht aus.Ich brauche dort nur 1000l am Tag bei langen schòhnen Tagen.Jede Klospùhlung frisst auch um die 8l.Zudem rinnt es òffentlich ja andauernd.Am meisten werden wohl die Bauern verschwenden.Denn die spritzen bei uns wàhrend es Regnet. Schwimmbàder in den Hotels ect.
    In Palestina dùrfen die Menschen nicht mehr als 20 Liter Wasser gebrauchen,dank ihren Nachbaren.Aber denen geht es noch relativ gut.Anderswo lassen sie sie verdursten!

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