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Lottozero

Luca Vanello, Generous Images Unable to Reach, Lottozero textile laboratories, 2018. ©Marina Arienzale

Das Atelierhaus des Museion zeigt drei Projekte von Lottozero. Luca Vanello eröffnet die Ausstellungsreihe mit Tired Eyes Dislike the Young

 Das Atelierhaus des Museion zeigt eine neue Ausstellungsreihe und gibt damit der jungen und dynamischen Szene in Südtirol sowie Südtiroler Künstlerinnen und Künstlern, die im italienischen oder internationalen Kunstbetrieb Fuß gefasst haben – gemäß seinem Auftrag – Raum. Ein Beispiel dafür ist das von den Boznerinnen Arianna und Tessa Moroder in Prato gegründete Zentrum für Kunst, Design und Textilkultur Lottozero. Lottozero ist 2019 mit drei von Alessandra Tempesti kuratierten ortsspezifischen Projekten im Atelierhaus vertreten, die der Bezug zum Element Textilie verbindet. Die drei extrem voneinander abweichenden Positionen ermöglichen das Nachdenken über die Rolle von Textilien – als technisch und konzeptuell vielseitig einsetzbares Arbeitsmaterial – in der zeitgenössischen Kunst.

Am 21. März um 18.30 Uhr eröffnet der Künstler Luca Vanello (Triest, 1986, lebt und arbeitet in Berlin) die Reihe mit Tired Eyes Dislike the Young. Diese für das Atelierhaus konzipierte Installation befasst sich mit der Beziehung von Mensch und Materieim Trauerprozess, in der Phase der Verarbeitung und Hinnahme von Schmerz. In diesem Zustand emotioneller Unruhe erhalten die materiellen Objekte einer Person, die es nicht mehr gibt, ein Gewicht und eine besondere Bedeutung.

Ausgangspunkt der Arbeit ist der Anthropomorphismus oder die Vermenschlichung lebloser Dinge, die auch in der Trauerarbeit eine Rolle spielen kann. Dann erweitert der Künstler sein Blickfeld bis zur Sondierung der neuesten digitalen Technologien, die heute zum Einsatz kommen, wenn versucht wird, mit immer extremeren und abwegigeren Systemenein ewiges Leben zu erreichen.

Vanellos aus mehreren plastischen Gruppen bestehende Installation stellt sich als ein in seine materiellen Komponenten zerfallendes Ökosystem dar. Dieses entzieht sich der anthropozentrischen Sichtweise, indem es durch diese Fragmentierung die Klarheit eines mikroskopischen Blicks auf die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit der Existenz wiedererlangt. Die auf dem Boden verstreuten Materialien verdichten sich um große Oberflächen aus Silikon. Auf diesen befinden sich Abdrücke von Falten und Kräuselungen von Stoffen, die zur Kleidung eines verstorbenen Menschen gehörenund von seinem Gefährten jahrelang aufbewahrt wurden. Der Künstler hat diese Kleidung mit einem Recyclingverfahren in Textilfasern zerlegt, das auch bei der Herstellung des „Cardato“angewandt wird. Der „Cardato“ – ein traditionelles Produkt der Textilindustrie in Prato – besteht aus gebrauchter Kleidung und Produktionsabfällen, die zu neuem Garn verarbeitet wurden. Die Zeitachse der Materialien im Ausstellungsraum– von den recycelten Stofffasern über die aufgrund des Entzugs von Chlorophyll weißen Pflanzen bis zum Objekt aus Metall, das einem beschleunigten Prozess der Oxydation ausgesetzt ist – wurde manipuliert, deren Lebenszyklus beschleunigt, umgekehrt oder ausgesetzt. Diese Prozesse reflektieren damit den Versuch des Menschen, die Zeit zu kontrollieren– und dessen unvermeidliches Scheitern.

Tired Eyes Dislike the Youngist das Ergebnis eines 2017 und 2018 erfolgten Residency-Aufenthalts bei Lottozero in Prato mit der technischen Mitarbeit von einigen der dort angesiedelten Textilunternehmen. Im Oktober 2018 wurde das Projekt in Turin vorgestellt, im November bei Lottozero in Prato. Für den Standort Bozen wurde die Gestaltung der Ausstellung neu konzipiert.

Luca Vanello (Trieste, 1986) schloss sein Studium an der Universität der Künste in Berlin bei Gregor Scheider ab. Danach absolvierte an der Slade School of Fine Arts in London einen Master-Studiengang. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine Werke wurden in zahlreichen kulturellen und musealen Räumen gezeigt. Auswahl: KW Institute for Contemporary Art, Berlin; Sodų 4, Vilnius, Litauen; Qalandiya Internation, BZUM, Ramallah; Fondazione Ratti, Como; Banff Centre for the Arts, Kanada; MAAD, Adria; Städtische Galerie, Wolfsburg; Museum für Fotografie, Berlin; OUTPOST, Norwich; Another Space, Kopenhagen; Ostrale, Dresden.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (1)

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  • gestiefelterkater

    Ein Handwerker muss für seinen eigenen Betrieb, Gebäude Miete in Form von Gebäudesteuer bezahlen. Im Gegenzug bekommen diese angeblichen „Künstler“, Gaukler und Tagediebe, Räume und Hallen vom Steuerzahler bezahlt zur Verfügung gestellt, um dort ihren Müll der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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