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„Wollen Leistung belohnen“

Federico Giudiceandrea

Der Südtiroler Unternehmerverband ist offen für eine sachliche Lohndiskussion. Die Mitarbeiter seien das größte Kapital der Unternehmen.

Der Südtiroler Unternehmerverband ist offen für eine sachliche Lohndiskussion Das unterstreicht der Präsident des Unternehmerverbandes Federico Giudiceandrea in einer Aussendung und bestätigt seine Bereitschaft für einen konstruktiven Dialog.

Die Aussendung im Wortlaut:

Unsere Unternehmen wissen den großen Wert ihrer MitarbeiterInnen zu
schätzen und die Leistung zu belohnen: wir sind daher offen für  eine
sachliche Diskussion über Löhne. Diese sollte aber die  Sozialpartner in
den Mittelpunkt stellen und auf objektive Daten aufbauen.

Unsere MitarbeiterInnen sind das größte Kapital unserer Unternehmen.
Südtirol weist italienweit das höchste Lohnniveau auf. Mit
Personalkosten von durchschnittlichen 56.394 Euro je MitarbeiterIn
garantieren die Mitgliedsbetriebe des Unternehmerverbandes zudem eine
Entlohnung, die um 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt.
 Der Lohn ist an die Produktivität gebunden. Daher zahlen
Industrieunternehmen und besonders jene, die auf Innovation und Export
setzen, generell höhere Löhne aus.

Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der  Unternehmen, ihrer Innovationskraft und ihrer Internationalisierung  führt zu höheren Löhnen und zur Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze.

Einen Mindestlohn haben wir bereits: er wird durch die jeweiligen
nationalen Kollektivverträge festgelegt. Das nationale Institut für
Sozialfürsorge INPS-NISF belegt, dass die Kollektivverträge italienweit
heute schon 90 Prozent der Arbeitnehmer in der Industrie einen
Mindestlohn garantieren, der über der Grenze liegt, die gerade angedacht
wird (9 Euro pro Stunde). In Südtirol dürfte dieser Prozentsatz noch
weit höher sein.

 Kollektivverträge garantieren neben der Entlohnung zusätzliche
Leistungen und Rechte, wie beispielsweise Welfareleistungen oder Aus-
und Weiterbildungsstunden, die bei einer gesetzlichen Festlegung des
Mindestlohnes wohl nicht mehr vertraglich verankert wären.
Industrieunternehmen entlohnen qualifizierte Arbeiter in Südtirol
größtenteils übertariflich.

Die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist für viele unserer MitarbeiterInnen
ein zusätzlicher Mehrwert. In der Südtiroler Industrie sind 87,1% der
Arbeitsverträge unbefristet: das ist der höchste Wert unter allen
Wirtschaftssektoren. Im öffentlichen Sektor liegt dieser Wert bei 78,1
Prozent, der Landesdurchschnitt beträgt 70,6 Prozent.
Vertragsverhandlungen obliegen ausschließlich den Sozialpartnern.

Die Politik hat aber durchaus auch Gestaltungsmöglichkeiten, vor allem indem
sie die Schere zwischen Nettolohn und Lohnkosten reduziert. 100 Euro
Nettolohn verursachen heute weitere 120 Euro an Sozial- und
Steuerabgaben. Gelingt es ihr durch Einsparungen und effiziente
Verwaltung die Lohnnebenkosten zu senken, so bleibt unseren
MitarbeiterInnen mehr Netto vom Brutto.

Die Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleistungen
übernehmen  Verantwortung für ihre MitarbeiterInnen. Wir wünschen uns aber,
dass die Diskussion auf Grundlage des objektiven Sachverhaltes  geführt
wird.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (2)

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  • checker

    Und sofort kommt die Retourkutsche:
    Ja wir haben die höchsten Löhne aber auch die höchsten Lebenshaltungskosten Italiens und das mit Abstand! Heisst, wir haben die geringsten Reallöhne Italiens, also das Geld das mir unterm Strich am Ende des Monats übrigbleibt (wenn was übrigbleibt). Wir haben die höchste Inflation Italiens (erst kürzlich bestätigt) und wir sind die Region Italiens, die die höchste Abwanderungsrate von jungen gut ausgebildeten Arbeitskräften aufweist, weit vor Süditalien. Dies sind Daten die in Südtirol nicht gerne genannt werden, aber Realität sind. Es ist ja klar, dass Microtec gerne billige Arbeitskräfte hat und teilweise muss man ihm ja auch Recht geben, denn wenn die Firma zu teuer produziert, ist sie eben nicht mehr wettbewerbsfähig und muss schliessen oder wo anders hin. Die Diskussion offenbart ein Problem, das uns in Südtirol immer mehr auf den Kopf fallen wird: Wir sind zu teuer, weil wir zu hohe Lebenshaltungskosten haben und die nach unten zu bringen ist kaum möglich. Wir riskieren also ein zweites Venedig zu werden, wo die Leute nicht mehr leben, sonder nur mehr als Tourist vorbeikommen. Und die Firmen natürlich auch zu teuer produzieren. Trient kostet die Hälfte und hat halb so viel Arroganz;-)

  • sougeatsnet

    Das Hauptproblem tragen derzeit unsere Jungen. Die Ferienjobs werden äußerst schlecht bezahlt (400 bzw. 600€); vergleicht man diese mit Nordtirol dann liegen Welten dazwischen. Während wir um 2005 mit den Gehältern etwa gleich mit den nördlichen Nachbaren waren, haben diese uns letzthin weit überholt. Die Arbeitsplätze im Tourismus werden auch vorwiegend nur mehr von Ausländern angenommen, da man als Einheimischer einfach zu wenig verdient. Gerade für Studienabgänger ist ein Job im nördlichen Ausland erheblich attraktiver. Und natürlich fehlen bei uns dann die wirklich guten und kreativen Kräfte. Langfristig wird sich dies auf unsere Entwicklung auswirken.

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