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Da lontano era un’isola

Katinka Bock, Population (low culture), 2018. Photo Johannes Schwartz Mudam Luxembourg. Courtesy the artist and Galerie Jocelyn Wolff

Unter dem Titel Da lontano era un’isola (Von weitem war es eine Insel) vereint Kunst Meran drei Einzelpräsentationen von Katinka Bock, Giulia Cenci und Philipp Messner.

1938 besuchte Bruno Munari (1907 – 1998 in Mailand), der italienische Künstler und Designer den futuristischen Keramiker Tullio Mazzotti im ligurischen Albissola, „um sich auszuruhen und um Keramiken zu machen.“ In diese Zeit sammelte Munari am Meer einige Steine, die er anschliessend zu Hause untersuchte. Diese Untersuchungen veröffentlichte er 1971 in einem Buch: Seite für Seite macht Munari da die verborgenen Welten in den Steinen sichtbar: „Der Stein, der wie eine Insel erscheint, ohne die Wolken und ohne das Meer“oder der Stein, der wie eine Bergflanke erscheint:„auf einem der Pfade sieht man (wenn gerade eine Wolke die Sonne verdeckt), eine Gruppe von Schweizertouristen, einer davon barfuss (kaum zu glauben!)“.

Die Untersuchungen ihres eigenen Arbeitsmaterials, das Experimentieren damit und die Aufforderung an das Publikum, die eigene Wahrnehmung immer wieder zu hinterfragen, kann als eine Gemeinsamkeit der drei eingeladenen Künstler*innen gesehen werden. Ebenso entstehen alle Werke in engem Dialog mit dem Ausstellungsraum: Sie passen sich der Umgebung an oder setzen sich ihr entgegen, bestehende Objekte und Installationen werden dem Raum entsprechend umformuliert oder können neu kombiniert werden.

So sind etwa die Visualisierung von Prozessen und zeitlichen Abläufen, die Anregung zur bewussten Wahrnehmung von Räumen und das Nachdenken über in der Natur vorhandene Kräfte die Grundgedanken der Arbeiten von Katinka Bock (*1976 in Frankfurt am Main, lebt in Paris). In ihren Keramik- und Bronzeobjekten nimmt sie häufig charakteristische Formen und Dinge aus der Umgebung des Ausstellungsortes auf: Teile von Pflanzen etwa, die sie in ihrem ganz eigenen Giessverfahren in die Bronzeobjekten einschliesst und so die Natur Teil ihrer Skulpturen werden lässt. Auch in ihren Installationen, bei denen sie häufig mit prekären Materialien wie (ungebranntem) Ton, Wasser, Sand oder Holz arbeitet, gelingt es ihr, die Außenwelt in den Ausstellungsraum hinein zu lassen.

Die Skulpturen von Giulia Cenci (*1988 Cortona, lebt in Amsterdam) breiten sich oft wie eine vergessene Landschaft im Ausstellungsraum aus. Formen und Strukturen – aus industriellen und organischen Materialien wie Kabel, Plastik, Metallreste, Asphalt – gruppieren und verlieren sich im Raum. Sie lösen vielseitige Assoziationen aus, lassen sich aber nie auf eine einzige Definition festlegen. Die Arbeiten von Cenci vermitteln den Eindruck von einer provisorischen, fliessenden, sich ständig im Wandel befindenden Anordnung, in der sich die Besucher*innen bewegen und stets ihre Betrachtungsweise anpassen und ändern müssen. Tatsächlich entwickelt und adaptiert Giulia Cenci auch ihre Arbeiten je nach Ausstellungssituation wieder neu, schafft neue Abfolgen und Narrationen zwischen Objekten und Raum.

Philipp Messner(*1975 in Bozen, lebt in München) untersucht in seinen Arbeiten unsere Wahrnehmung und die Beziehung zwischen Objekt, Betrachter*innen und Raum. In seiner Aktion „Clouds“– liess Messner 2016 die Südwiese der Alte Pinakothek in München mit eingefärbtem Kunstschnee beschneien. So thematisiert er nicht nur eindrücklich unsere Vorstellungen von Künstlichkeit und Natur, sondern schafft gleichzeitig ein malerisches, begehbares Feld. Ähnlich fordert Philipp Messner in seinen jüngsten Arbeiten unsere Sehgewohnheiten heraus, in dem er Marmorfragmente mit Farbpigmenten bearbeitet und so irritierend- faszinierende Kompositionen entstehen lässt, die sich irgendwo zwischen Malerei und Skulptur definieren und über Materialität nachdenken lassen.

Termin: Eröffnung, 15. März um 19.00 Uhr bei Kunst Meran

 

 

 

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