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Richard Huldschiner

Andreas Micheli in der Synagoge Meran

Ende Februar  präsentierte der Historiker und Germanist Andreas Micheli seine Biografie über den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen deutsch-jüdischen Schriftsteller, Arzt und Journalisten Richard Huldschiner (1872-1931). Joachim Innerhofer fordert, die Frontkämpferstraße nach ihm umzubenennen.

Die Meraner Synagoge, in der bekannte Rabbiner wie Aron Tänzer und Adolf Abraham Altmann wirkten und sich hier auch immer gegen Antisemitismus engagierten – beide Zeitgenossen Richard Huldschiners – war  ein passender Ort für die Präsentation der Biografie Richard Huldschiners. Seine Wiederentdeckung verdient in der Tat besondere Aufmerksamkeit. Seine Auseinandersetzung mit Tirol und das Bemühen, seine Wahlheimat mit jüdischen Themen zu verbinden, waren einzigartig.
Univ.-Prof. Dr. Sigurd Paul Scheichl unternahm in seiner wie immer kompetenten und beeindruckenden Einführung die literaturgeschichtliche Einordnung Huldschiners und bot einen Überblick über sein Schaffen.

Richard Huldschiner (1899) Sammlung Richard Huldschiner, Forschungsinstitut Brenner-Archiv

Andreas Micheli streute in seinen Vortrag über Richard Huldschiners Biografie wiederholt Zitate aus Romanen und Erzählungen ein, um den Anwesenden das Werk des Schriftstellers näherzubringen. Micheli betonte den starken Tirolbezug, den viele von Huldschiners Texten aufweisen würden, sodass er, obwohl er die meiste Zeit im Deutschen Reich lebte, als Tiroler Schriftsteller angesehen werden kann. Er
verbachte seine Kindheit in Bozen und stand im Ersten Weltkrieg als Regimentsarzt der Standschützenkompanie Bozen an der Gebirgsfront im Einsatz. Nach der Rückkehr aus der italienischen Kriegsgefangenschaft lebte Huldschiner erneut mehrere Jahre in Bozen und setzte sich als Journalist publizistisch für die Rechte der Südtiroler unter der italienischen Besatzung ein.
Auch thematisierte Micheli Huldschiners Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und stellte seinen Bozner Roman „Die stille Stadt“ näher vor, in dem sich der Schriftsteller mit dem Antisemitismus in Tirol um die Jahrhundertwende kritisch auseinandersetzt.

Abschließend erinnerte Joachim Innerhofer an die Initiative, in Bozen eine Straße, und zwar bevorzugt die Frontkämpferstraße, nach Richard Huldschiner umzubenennen. Der Vorschlag wurde vor einem Jahr im Büro von Bürgermeister Caramaschi deponiert. Die Stadt Bozen sollte über ihren Schatten springen und einen deutschsprachigen, jüdischen Südtiroler Schriftsteller würdigen, der bis in die Gegenwart hinein vergessen war. Richard Huldschiner wuchs in Bozen auf, als Nachfahre der Familien Schwarz und Lehmann, die sich um die Entwicklung der Stadt verdient gemacht hatten. Bozen lässt er in mehreren Romanen und Erzählungen vorkommen. Nicht zuletzt hatte Huldschiner als freiwillig gemeldeter Regimentsarzt die Bozner Standschützenkompanie verarztet und nach dem Ersten Weltkrieg über das den Südtirolern durch den Faschismus angetane Unrecht im Ausland berichtet.

Das Buch

Andreas Micheli: „…Heimat, die doch meine Heimat nicht ist…“ Der deutsch-jüdische Schriftsteller und Arzt Richard Huldschiner. Reihe: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Germanistik, Bd. 9. 1. Auflage 2018

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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