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„Blanker Hohn“

Philipp Moser

Der Kaufleuteverband hds bezeichnet den neuen Vorschlag für eine Regelung der Sonn- und Feiertagsöffnungen als blanken Hohn. Der Wilde Westen bleibe bestehen.

Geschlossene Geschäfte an den zwölf staatsweiten Feiertagen und zusätzlich an vier weiteren Feiertagen, die die Regionen autonom festlegen können – allerdings nur für Handelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern. Alle anderen Geschäfte, die weniger als 400 Quadratmeter haben, können immer, und somit auch an diesen Tagen offen halten, auch in den Nachtstunden rund um die Uhr.

Und zu guter Letzt: Der Sonntag bleibt grundsätzlich für alle ein verkaufsoffener Tag. Diese Regelungen sieht ein neuer, gemeinsamer Vorschlag der wichtigsten Verbände der Großverteilung und anderer gesamtstaatlicher Handelsverbände – auch des Dachverbandes Confcommercio – vor. Dieser Vorschlag soll nun der italienischen Regierung vorgelegt werden.

Für den Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol (hds) ist dieser Vorschlag nicht akzeptabel. Dafür gibt es verschiedene Gründe, wie hds-Präsident Philipp Moser argumentiert, der sich auch von Confcommercio distanziert: „Hier von einer Regelung der Geschäftsöffnungszeiten der Sonn- und Feiertage zu sprechen, ist blanker Hohn, wenn am Ende mehr oder weniger alles beim Alten bleibt. Denn für alle Sonntage und für alle Geschäfte bis zu 400 Quadratmetern herrscht weiterhin die totale Liberalisierung rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr.“

Noch größer greife diese getarnte Liberalisierung durch, werde diese Regelung in Südtirol angewandt: „In Südtirol sind viele Geschäfte Klein- und familiengeführte Betriebe, die somit in die Kategorie bis 400 Quadratmeter fallen. Hier würde somit der Wilde Westen weiter bestehen“, so Moser.

Für den hds stellt dieser Vorstoß ein Beweis mehr dar, dass Südtirol eine lokale Bestimmung und eine auf die Bedürfnisse Südtirols zugeschnittene Lösung brauche.

„Voraussetzung für eine eigene Landesregelung ist, dass auch für die Öffnungszeiten die Zuständigkeit aufgrund unserer Besonderheit vom Staat an das Land übergeht und die Materie wieder autonom geregelt wird. Eine entsprechende Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut hat das Land bereits in Rom eingebracht. Darauf aufbauend kann dann eine eigene Südtiroler Regelung verabschiedet werden“, erklärt der hds-Präsident.

Zur Erinnerung: Bereits vor einigen Monaten hat der hds ein neues Konzept für ein entsprechendes Landesgesetz ausgearbeitet. Dieses sieht vor, dass in Südtirol großteils (83 Gemeinden) bis zu acht Sonn- und Feiertagsöffnungen im Jahr erlaubt sind. Vier Tage werden von der jeweiligen Gemeinde festgelegt, die anderen vier auf Landesebene von der Handelskammer jeweils in Absprache mit den repräsentativsten Verbänden. Ausnahmen zu dieser Regelung gibt es für zwei Kategorien von Tourismusorten sowie für Nahversorgungs- und Traditionsbetriebe.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • paul1

    Ja, ja Herr Moser sie haben leicht reden, sie haben ja ihren freien Wochenendtage inkl. Freitag Nachmittag und Ende des Monats einen fetten Gehalt. Auch der HDS macht nichts gratis und jede Kleinigkeit wird anständig in Rechnung gestellt. Glauben sie wirklich wir lassen die Geschäfte als Spass oder zur Unterhaltung offen? Ende des Monats fragt mich niemand wie ich die Löhne und Steuern bezahlen kann, ob ich das Geld habe oder nicht. Lassen sie die Leute arbeiten, wenn sie arbeiten wollen, solche „Schmarozer“ die nur in den Tag hineinleben haben wir genug. Kein Angestellter braucht dadurch mehr arbeiten, im Gegenteil, die freien Tage werden mehr. Wo kämen wir hin, wenn sie alle so denken würden wie sie?

  • josef.t

    Die „Maden“ im Speck, werden wohl nie verstehen,
    dass andere arbeiten müssen um zu überleben und
    können sich auch nicht die „freien Tage“ aussuchen…

  • tff

    Die ewigen Verteidiger der Monopolisten. Damals unter dem Masten haben sie sich vehement gegen die Abschaffung der mittelalterlichen Lizenzen gewehrt, die nur gewissen Freunden das Eröffnen eines Geschäfts ermöglichte oder dem
    neuen Kaufmann einen horrenden Zoll an seinen Vorgänger abverlangte.
    Heute sind sie immer noch mit der gleichen Idee unterwegs. Nur keine Konkurrenz. Dass am Sonntag zehntausende Mitarbeiter beschäftigt werden, und die Arbeit gerne machen,da sie ordentlch entlohnt wird, kümmert diese Leute nicht. Südtirol braucht kein eigenes Gesetz um die Privilegien einer Kaste
    zu retten.

    • andreas

      Dass Problem ist, dass nur die größeren das Personal haben, offen zu halten und der Gesamtumsatz wegen der Sonntagöffnungen nicht steigt, sondern sich nur zu Gunsten der Großen verschiebt.
      Es ist nicht Sinn der Sache, dass die Lebensmittelläden in den Dörfern schließen und es nur noch Poli oder Interspar in der Stadt gibt.

  • marcel

    Dann zahlen wir alle mehr, damit einige ineffiziente Geschäfte am Leben erhalten werden. Für was sollen wir noch alles zahlen? Sinkende Kaufkraft, und jetzt sollen wir auch noch Preissteigerungen hinnehmen, nur um eine Lobby zu schützen. Das Märchen vom „Wilden Westen“ ist eine billige Ausrede.
    Der Konsument hat in Südtirol keine Lobby.

  • soistes

    DAS wäre ein Thema für ein Referendum. Ich bin überzeugt, 90% der Bevölkerung würde sich für das Offenhalten der Geschäfte aussprechen. Die Interessen des Verbrauchers zählen hier aber überhaupt nicht. Und er wird leider völlig bevormundet. Letztlich wird auch die Wirtschaft in Südtirol darunter leiden. Die Sonntagsschließung führt zu einem weiteren Stellenabbau, es kommt zu weiterer Teuerung, es fließt Kaufkraft ab und die Einkaufstouristen aus dem benachbarten Ausland bleiben weg. Aber Hauptsache ein paar überteuerte Kleinläden werden mit dem Geld der Konsumenten am Leben erhalten. Der Großteil der Verbraucher nimmt das passiv hin und die starke Unterstützung der gut organisierten Kleinstläden ist für die Politik nicht uninteressant. Die Zeche zahlen wir, die Konsumenten.

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