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„Konstante Konsumszene“

Foto: Carabinieri

Aus dem Vinschgau gehen vermehrt Meldungen über Marihuana-Funde in Wohnungen, Scheunen und Höfen ein. Etabliert sich im Westen der private Anbau von Gras?

von Karin Gamper

Wird bloß strenger kontrolliert als früher oder floriert im Vinschgau tatsächlich der Anbau und Konsum von Marihuana? Diese Frage stellen sich im Tal derzeit mehrere. 

Neben den haarsträubenden Meldungen von Drogenkurieren und Drogenbazaren in den Städten, in die vornehmlich Ausländer verwickelt sind, trudelten zuletzt auch wiederholt Carabinieri-Meldungen über Marihuana- und Haschischfunde im Gebiet zwischen Mals und Partschins ein. Was stutzig macht: Einige Male wurden diese Funde in den Wohnungen unbescholtener Vinschger gemacht. Verschiedentlich waren die Besitzer größerer Mengen auch dem bäuerlichen Milieu zuzuordnen. So berichteten die Carabinieri Mitte Februar von drei Kilo Marihuana bester Qualität, die in einem Malser Stadel versteckt waren. Weitere zwei Kilo wurden vor wenigen Tagen am Hof eines Mannes aus Rabland entdeckt. 

Besonderes Aufsehen erregte die Nachricht des Traktorfahrers aus Taufers im Münstertal, der vor wenigen Tagen gefilzt wurde. Doch dieser hat mittlerweile wissen lassen: das Rauschmittel wurde nicht bei ihm gefunden, sondern bei einem anderen Mann aus dem Dorf, den er mitfahren hatte lassen.

Dennoch stellt sich die Frage: boomt im Vinschgau der Anbau und Konsum von Marihuana? „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte dafür“, sagt dazu Peter Koler, Leiter des Forums Prävention in Bozen. Im Vinschgau gebe es seit 15-20 Jahren eine konstante Konsumszene, auch bedingt durch die Nähe zur Schweiz, wo Cannabis eine Zeitlang legal war. Ein bedeutender Anstieg von Drogenkonsumenten wurde jedoch nicht verzeichnet.

Könnte es deshalb sein, dass die Szene dieselbe geblieben ist, und die vermehrten Funde lediglich auf besonders eifrige Ordnungshüter zurückzuführen sind? „Möglich“, meint Koler, „dafür gab es bereits in der Vergangenheit Beispiele“. Allerdings führt er auch ins Feld: „Die Beschaffung von Cannabis-Samen ist heute relativ einfach und Südtirol hat auch viele sonnige Hänge, wo die Pflanzen gut gedeihen“. Will sagen: der Anreiz zum Selbstanbau und zum illegalen Weiterverkauf des Grases ist durchaus gegeben. „Weil es trotz aller Restriktionen und Verbote den Schwarzmarkt immer geben wird, plädiert das Forum Prävention generell für eine regulierte Form der Cannabis-Abgabe“, erklärt Koler.

Raimund Prugger, Bauernbundobmann im Vinschgau, sagt dagegen: „Ich wundere mich selbst über all diese Meldungen von Marihuana-Funden und wurde deshalb auch schon von einigen Mitbürgern gepflanzt“. Prugger schließt jedoch dezidiert aus, dass  in den Vinschger Obstplantagen, Feldern und Äckern im großen Stil Cannabis statt Obst und Gemüse angebaut wird. „Das wäre uns aufgefallen“, betont er. Allerdings handle es sich hier um eine Grauzone und es könne sein, dass einzelne Stauden an versteckten Orten gepflanzt werden. „Als Bauernbund tappen wir hier im Dunkeln und können auch nicht intervenieren, weil es nicht unsere Aufgabe ist“, so Prugger.  Wer eine solche illegale Plantage entdecke, müsse die Ordnungskräfte informieren. Er findet die strengen Kontrollen gut: „Dieses Phänomen soll nicht überhand nehmen“. Der Obmann will das Thema bei der nächsten Sitzung des Bezirksbauernrats aufgreifen.

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