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„Alles andere als grün“

Heidy Kessler

Rai Südtirol-Chefredakteurin über die „Zahlenspiele“ der Süd-Tiroler Freiheit und über die angeblich grüne Schlagseite ihres Senders.

TAGESZEITUNG Online: Frau Kessler, wie grün ist Rai Südtirol?

Heidy Kessler: Der Vorwurf, wir wären zu grün, ist alt und kommt immer wieder. Aber gerade die Moderatoren von Pro & Contra und Am Runden Tisch sind über jeden Verdacht erhaben, grüne Parteigänger zu sein. Ein Siegfried Kollmann ist alles andere als grün! Und mich kann man auch keiner Partei zuordnen, und wenn ja, bin ich gespannt welcher.

Was sagen Sie zu den Zahlenspielen der STF, laut denen die Grünen überrepräsentiert seien?

Öffentlich-rechtlich heißt nicht, dass die Besetzung von Diskussionsrunden nach der Stärke einer Fraktion im Landtag zu erfolgen hat. Nichts wäre langweiliger, als eine Besetzung nach rein arithmetischen Kriterien so wie wir sie aus den Par Conditio-Sendungen im Wahlkampf kennen. Das würde niemandem gefallen.

Bei der Besetzung geht es als darum …

… zu schauen, wie pointiert, wie gut und wie emotional jemand formuliert. Deswegen sind eine Ulli Mair oder eine Brigitte Foppa sehr beliebte Gäste, gerade auch weil sie durchaus bereit sind, sich zu befetzen. Es müsste der Opposition eigentlich gelegen kommen, dass wir die Sendungen nicht nach arithmetischen Kriterien besetzen. Andererseits klagt auch die SVP immer wieder …

Warum?

Weil sie sagt, sie stelle im Landtag die meisten Vertreter, also möchte sie immer vertreten sein. Ich kann mit diesen Klagen gut leben. Es ist nun einmal so, dass die Grünen und Paul Köllensperger die einzigen Kräfte sind, die das liberale Gedankengut vertreten. Wir brauchen immer eine Gegenposition zu den Rechten, sonst erübrigt sich eine Diskussion. Nehmen wir das Kruzifix: Wer, außer Brigitte Foppa, sagt mir, dass ein Kruzifix in der Schule nichts zu suchen hat? Wenn es um dieses Thema geht, brauche ich eine Person mit einer laizistischen Position. Dennoch habe ich Sympathien für die Kleinparteien …

Also auch für die STF?

Ja, aber man muss auch sagen: Die STF besetzt wenige Themen. Wir können nicht immer über die Selbstbestimmung und über den Gebrauch der Muttersprache diskutieren. Wir würden in dem Fall am Interesse der Seher vorbeidiskutieren, wie die Wahlen gezeigt haben.

Interview: Artur Oberhofer

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