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„Wie im Mittelalter“

Skigebiet Helm (Foto: Christian Tschurtschenthaler)

Hoteliers und Gastwirte im oberen Pustertal sind unzufrieden: Viele Gästebetten blieben leer, obwohl sehr viel Geld in die Vermarktung gesteckt wird. Wo die Gründe dafür zu suchen sind. Und wo es Verbesserungspotential gäbe.

von Silke Hinterwaldner

Das Unbehagen ist deutlich spürbar: Es ist kurz vor Fasching und in fast jedem Hotel im Hochpustertal sind noch Zimmer frei. Viele Gastwirte maulen – sie schimpfen auf die Reform der Tourismusorganisationen, auf die Tourismusvereine in den Nachbarorten, die Lifte oder auch auf den Hotelier von nebenan, der die Zimmer zu Dumpingpreisen an den Mann zu bringen versucht.

„Unsere Wintersaison tritt auf der Stelle“, sagt ein Hotelier. Er fordert: „Die Vermarktungsstrukturen müssen überdacht werden. Es kann doch nicht sein, dass wir heute zwar sehr viel Geld für die regionale Vermarktung ausgeben, aber gleichzeitig ein touristisches Mittelalter erleben.“

Jede Reform hat zum Ziel, dass es danach besser laufen sollte als vor der Reform. Diese Erwartung hatte man trotz aller Skepsis auch bei der Neueinteilung der Tourismusvereine in die so genannten Destinationsmanagementeinheiten DMEs, die mittlerweile weiter unterteilt sind in kleinere Erlebnisräume. Die Abschaffung der klassischen Tourismusverbände und der Aufbau einer neuen Marketingstrategie hätte ein Plus an Umsatz bringen sollen, manche sprachen von 20 Prozent. Aber obwohl landesweit die Zahlen stimmen und man vielerorts gute Zahlen schreibt, beklagen Beherbergungsbetriebe im oberen Pustertal, dass zu viele Zimmer frei sind.

Dazu kommt: Mit der Neuordnung der Tourismusorganisationen wurde die Situation für Gäste und Tourismustreibende weniger übersichtlich. Es gibt mittlerweile drei Webseiten, auf denen unter anderem die Wanderwege der Region unterschiedlich beschrieben werden – anstatt nur einer einheitlichen Seite als Leitfaden für die Gäste. „Jeder kocht wieder sein eigenes Süppchen anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, sagt ein Kritiker.

Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr wurden die althergebrachten Tourismusverbände aufgelöst und die Vereine wurden der IDM unterstellt. Gleichzeitig aber wurden vor allem im DME Ost vielerorts unabhängig davon Nachfolgeverbände erschaffen. Im Hochpustertal ist es nun so, dass sich darin die Tourismusvereine aus Prags, Niederdorf, Toblach und Innichen finden. Aber Sexten ist nicht mitgezogen. Das macht die Lage noch komplizierter.

In Sexten sieht man das weit weniger dramatisch. „Wir sind recht zufrieden“, sagt Waltraud Watschinger, Präsidentin des Tourismusvereins. Ihr Vorstand hatte sich dazu entschieden, nicht bei der Neugründung eines Nachfolgeverbandes mitzumachen, weshalb die Sextner heute nicht Mitglied beim „Drei Zinnen Marketing“ sind. „Auf diese Weise“, sagt Watschinger, „können wir schnellere und unbürokratischere Entscheidungen treffen. Wir sind überzeugt davon, dass diese Entscheidung richtig war.“ In Sexten wollte man nicht länger warten. Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, erklärt Waltraud Watschinger, funktioniere trotzdem gut. Was die Buchungslage betrifft, liegen noch keine offiziellen Zahlen vor, aber auch in Sexten ist manch ein Hotelier mehr zufrieden als der andere. Tourismusvereins-Präsidentin Watschinger kommt zum Ergebnis: „Nach Weihnachten sind die Gäste in diesem Jahr tendenziell früh abgereist. Diese Übernachtungen fehlen einfach. Außerdem haben wir heuer eine überlange Wintersaison, weil der Termin für Ostern spät ist.“

Apropos Drei Zinnen: Mit großen Erwartungen hatte die Liftgesellschaft die Schaffung der touristischen Marke „Drei Zinnen“ vorangetrieben. Darüber, ob diese Entscheidung eine gute war, gehen mittlerweile die Meinungen auseinander. Dieter Wurmböck, Präsident des Tourismusvereins Innichen, zitiert eine neue Studie des IDM, die zum Schluss kommt, dass sich die Marke sehr wohl langsam durchsetze. Andere Hoteliers wiederum sind der Meinung, dass die Bezeichnung „Drei Zinnen“ als Ziel für einen Urlaub kaum taugt. Schließlich sagt ein Italiener nicht, er fahre zu den Tre Cime, genauso sagt ein deutscher Urlauber immer noch, er fahre in die Dolomiten und kaum zu den Drei Zinnen.

Und noch etwas: Lange hatte sich das Hochpustertal zu Recht damit brüsten können, die beste Langlaufdestination weit und breit zu sein. Auch wenn es wenig geschneit hatte, konnte man im oberen Pustertal Loipen garantieren. Das freute die Urlauber. Im heurigen Winter aber gab es  viele Klagen: zu wenig Loipenkilometer und selbst traditionsreiche Volksläufe wie der Pustertaler Skimarathon mussten abgesagt werden.

Last but not least: Mitten in der Hochsaison machten heuer die italienischen Militärmeisterschaften Casta im Hochpustertal Station. Eine solche Veranstaltung sei zwar durchaus willkommen, aber sollte besser Ende Jänner als Mitte Februar ausgetragen werden. Denn, wenn die Casta kommt, müssen die Zimmer zu moderaten Preisen angeboten werden.

„Was fehlt“, sagt der kritische Hotelier, „ist ein großer Tisch, an dem alles besprochen werden kann. Es braucht Ansprechpersonen und eine klare Struktur. Derzeit schaut jeder nur auf seinen eigenen kurzfristigen Erfolg.“ Die Servicestruktur sei derzeit nicht der Rede Wert, jeder einzelne müsse mehrere Telefonate in Kauf nehmen, um an eine einfache Information zu kommen. Außerdem wisse der Gast in Sexten nicht, welche Veranstaltungen in Innichen oder Toblach angeboten werden. Er fühlt sich zurückversetzt in längst vergangene Zeiten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (23)

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  • goggile

    wer faehrt denn bitte heutzutage noch ins pustertal freiwillig bei solch katastrophalen verkehrsbehinderungen staus…

    luis durnwalder hatte recht als er eine art mebo angedacht hatte fuers pustertal.

    die beste lebensqualitaet verkehrstechnisch in suedtirol gibt es nur von sigmundskron bis meran sued. dank mebo.

    anstatt flickereien suendteuere umfahrungen ins pustertal und vinschgau und anderswo zu konstruieren haette es von salurn bis brenner von salurn bis reschen von salurn bis ostturol eine mebo teiks auf stlzen gebraucht.

    wird alles noch kommen. auch tunnels von wolkenstein corvara stilfserjocjuntertunneling und meran brixen tunnel. dann waeren gkeichzeitig die pesse frei von autos und koennten fuer gehmebschen radltourismus und weiteres geoffnet werden.

    • ahaa

      Ich war dabei als der Lois in Toblach vor 1000enden sagte:Solange er im Amt ist wird die Alemagna nicht gebaut.
      Glaubst du mit einer Schnellstrasse wird die Lebensqualität besser?Wohl nur fùr jene die weit davon entfernt wohnen.Die Frage ist wieviel man bauen will!Wie weit man geht!
      Kein einheimisches Personal,die Hotels gehòren in wenigen ,die Hotels gehòren Italienern oder werden ihnen verpachtet.
      Wer hòrte schon nicht mal den Satz.“Ich dachte ich wàre in Sùdtirol,nicht in…….!“

  • kurt

    Die ewigen Plärrer ,nie den Sack voll genug ,jetzt werden die armen Hoteliere wohl nach Bozen pilgern um mittels Beiträge die „Ausfälle“ zu kompensieren ,ich bin überzeugt dass sie da offene Ohren bekommen bei diesen Lobby – Politikern kein Wunder !!!!.

  • andreas

    Selber Schuld, Sexten wusste wohl, warum sie beim 3 Zinnen Projekt von Engl nicht mitgemachr haben.
    Nebenbei steht es ja jedem frei, sich eine Agentur zu suchen, welche ihnen hilft, das Haus zu füllen. Neukunden zu aquirieren, wird halt immer schwieriger.

    Die Aufteilung des LH in West, Ost, Mitte war aber von Anfang an Unsinn, meines Wisses wurde es aber schon wieder auf mehrere Landesteile aufgeteilt..

  • goggile

    andreas geh ins meraner stadtl einen caffe trinken.

  • huggy

    Mit dem Logo Drei Zinnen für die Sextner Dolomiten kann ich nichts anfangen. Man sieht fast nirgends die drei Zinnen. An manchen Liften arbeiten Leute, denen man im Gehen die Hose flicken kann. Sie (die Liftgesellschaft) wollen groß sein und bieten nicht viel. In der Nebensaison bzw. Vorsaison werden die Skipisten schlecht präpariert.

  • tiroler

    Was gibts hier zu maulen??
    Ein Hotelier ist ein Unternehmer und trägt deshalb ganz alleine die Verantwortung über Erfolg oder Misserfolg. Es kann doch nicht sein, dass #andere dafür zustaendig sind, seine Zimmer zu füllen. Eine zentrale Vermarktung gibt es nur bei den Bauern mit den Genossenschaften.

  • besserwisser

    i tats amol mit a bissl freundlichkeit und moderate preise probieren …
    und losst a schigebiet schigebiet sein und mochts net a disneyland draus…

    • yannis

      @besserwisser,

      Mein Reden
      >>>>>>und wo Verbesserungspotiental bestehe ……………
      als erstes das PreisleistungsVerhältnis so gestalten dass es sich auch NORMAL-Verdiener leisten können.
      Außerdem ständiges Wachstum zieht über kurz oder lang Überkapazitäten nach sich und die scheinen erreicht.

  • brutus

    …der Satz: dann müsse man die Zimmer für moderate Preise anbieten! sagt alles! Anstatt über jede Buchung froh zu sein, will man nur die Rosinen herauspicken!
    …jammern auf Rekordniveau!

    • einereiner

      …der Satz: dann müsse man die Zimmer für moderate Preise anbieten! sagt alles!
      Das Militär soll zahlen wie die anderen Touristen auch, oder zuhause bleiben!
      Wie sind nicht der Billig-Hansl fürs Militär. Genausowenig sollten wir die BilligTouristen der italienischen Fussballclubs hofieren. Wer kein Geld hat, soll zuhause bleiben.

      • yannis

        @einereiner,
        Also im Umkehrschluss es gibt nicht mehr genug Reiche, was Wunder bei dieser Schere, einerseits werden die unteren Einkommen durch die Inflation aufgefressen, andererseits werden die Preise mit allen möglichen Schnickschnak den niemand braucht hochgetrieben,
        >>>>wer kein Geld hat soll zu Hause bleiben…………. .
        Genau dies tun sie notgedrungen schon, oder suchen sich eine Gegend wo man vielleicht keinen Kunstschnee in Masen findet, aber viel Sonne und Ruhe.
        Dazu noch ab Flughafen in DE, AT, IT, ohne mit dem Auto über die Alpen sich durch die Stau’s quälen zu müssen.

  • criticus

    „Jede Reform hat zum Ziel, dass es danach besser laufen sollte als vor der Reform.“
    Ja, aber nur für die selbsternannten, in ihrer Selbstherrlichkeit neuen Manager, oder Menätscher!. Was gut funktionierte, hätte man lassen sollen. Aber die SVP ist immer schlauer. Neue Menätscher müssen eben her!

  • bettina75

    Jo ietz isch holt da Luis nimmer LH, ietz müsst es zum Arno gehen zu maulen. Um 4.30 Uhr genhem ???

  • gernot

    Was hat IDM und dessen Vorgänger außer über bezahlten Stellen auch schon gebracht?

  • yannis

    Außerdem scheinen manche Hoteliers ein Problem damit zu haben dass sich so mancher ihrer Kollegen der Marktwirtschaft (Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis) anpasst und nicht am ungeschriebenen Gesetz des Hotel-Kartell’s festhält.

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