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Der Handy-Daumen

Das ständige Tippen oder Wischen am Handy kann schmerzhafte Folgen haben. Mediziner sprechen mittlerweile schon von einer neuen Volkskrankheit: der „WhatsAppitis“.

von Lisi Lang

Im Bus oder auf der Couch: Ständig tippen nicht nur junge Leute auf ihren Smartphones herum. Viele verbringen eigenen Angaben zufolge mehrere Stunden pro Tag mit dem Smartphone in der Hand.

Nun kommt aber die schlechte Nachricht: Dieses ständige Tippen und Wischen auf dem Bildschirm kann schmerzhafte Folgen haben. Vor allem für den Daumen. Mediziner sprechen mittlerweile schon von einer neuen Volkskrankheit: dem Handy-Daumen.

„Was früher der Nintendo-Daumen oder die Nintendinitis war, ist heute der Handy-Daumen, wobei der Nintendo natürlich viel weniger stark verbreitet war als heute das Handy“, weiß Wilhelm Berger, Primar der Orthopädie in Meran. Bereits 1990 haben Mediziner den Nintendo-Daumen beschrieben, Jahre später kam die Maus-Hand oder den Maus-Arm, also Entzündungen des Bindegewebes durch den ständigen Gebrauch, dazu. „Jetzt spricht man eben von der ,Whats-Appitis’“, so Wilhelm Berger.

Der Handy-Daumen ist Medizinern zufolge eine typische Junge-Leute-Krankheit. In Deutschland werden vermehrt junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren mit akuten Schmerzen behandelt.

Wilhelm Berger hat bisher noch keine Patienten mit Handy-Daumen behandelt. Er geht allerdings davon aus, dass uns diese Krankheit in den nächsten Jahren noch stärker begleiten wird. „Es kann durchaus sein, dass Personen mit diesen Symptomen erst zum Hausarzt gehen“, so der Primar.

Die Symptome eines Handy-Daumens entsprechen eigentlich einer bekannten orthopädischen Erkrankung: „Diese spezielle Form der Sehnenscheidenentzündung wird auch Tendovaginitis stenosans de Quervain genannt“, erklärt der Primar. „Bisher waren diese Symptome allerdings typisch bei Frauen im mittleren Lebensalter und bei Schwangeren.“

Aber wie macht sich der Handy-Daumen bemerkbar? Eine Sehnenscheidenentzündung am Daumen macht sich durch einen dumpfen Schmerz beim Abspreizen und Strecken oder plötzlichem Beugen bemerkbar. „Der Daumen ist eigentlich nicht dafür gedacht, weit auf- oder wegzugreifen, beim einhändigen Bedienen des Smartphones werden die Sehnen daher überbeansprucht“, erklärt der Mediziner. Das kann zu Schmerzen im daumenseitigen Handgelenk führen.

Wer zu viel mit dem Smartphone hantiert, riskiert chronische Entzündungen. Daher sollte man bei ersten Schmerzen in erster Linie den eigenen Handy-Konsum hinterfragen und einschränken. Auch sollte man bereits präventiv das eigene Smartphone mit beiden Daumen bedienen, um so große Entfernungen für den Daumen zu vermeiden.

Sollten die Schmerzen trotz Handyverzicht und lokalen entzündungshemmenden Maßnahmen nicht abklingen, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen. „Sonst kann die Entzündung chronisch und eine Operation eventuell nötig werden“, erklärt der Meraner Primar.

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Kommentare (4)

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  • checker

    Der Handydaumen ist da wohl nur die geringste aller Nebenwirkungen. Mittlerweile wurde in gar einigen Studien aufgezeigt, wie sich Handykonsum auf die Gehirnentwicklung auswirkt. Bis 13 Jahren sollte man überhaupt kein Handy verwenden, danach auch eingeschränkt. Besonders die Konzentrationsfähigkeit leidet durch das ständige On/Off Handysuchten. Depressionsanfälligkeit steigt. Auch die Gehirnstrukturen verändern sich zum Negativen. Besonders bei den jungen Menschen sieht man einen sehr problematischen Umgang. Die Schulen/auch Oberschulen sollten generell kein Handy zulassen und besser aufklären. Besonders die ständige Abgelenktheit durch die Socialmedia ist ein Riesenproblem meiner Meinung nach.
    Ich für mich selber habe den Smartphonekonsum sehr stark eingeschränkt, da ich bemerkt habe, dass eben das sogenannte „DeepLearning“, also die Tiefenkonzentration stark leidet. Handy ja, aber nicht mehr als 20 min „Screentime“ pro Tag.

  • ahaa

    Gibt es bald schon Tabletten und Terapie?

  • stanislaus

    …ich würde im English Journal of Medicine publizieren

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