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„Das Amtshaus des Kaisers“

Albrecht Dürer: Porträt des Kaisers Maximilian I, 1519 (Kunsthistorisches Museum Wien)

Vor über 500 Jahren ließ Kaiser Maximilian I. in Bozen ein Amtshaus bauen. Welche Geschäfte er dort abwickelte, wie sich das Leben der Hausleute abspielte und welche Rolle das Gebäude in der damals aufsteigenden Handels- und Messestadt Bozen spielte, davon erzählt die neue Sonderausstellung im Naturmuseum, „Das Amtshaus des Kaisers“.

Ums Jahr 1500: Der Buchdruck ist erfunden, Christoph Columbus gelangte bereits nach Mittelamerika, die von Martin Luther auf den Weg gebrachte Reformation und die kopernikanische Wende folgen in wenigen Jahren. In Bozen: Wagen fahren täglich in die Stadt hinein, beladen mit lokalem Wein, Zitrusfrüchten vom Gardasee oder vom Mittelmeer, Wein, Olivenöl und Gewürzen aus den italienischen Fürstentümern, Pfeffer, Muskat und Safran aus dem Orient. Die Stadt entwickelt sich dank ihrer Messen zum bedeutendsten Handelszentrum Tirols, Kaufleute aus halb Europa bezahlen hier das „Marktrecht“. Diese Gelder fließen in die Kassen des Landesherrn. Es regiert Maximilian I., der 1490 die Regentschaft über Tirol übernommen hatte und 29 Jahre lang Landesfürst sein wird. In Bozen vertritt ihn in seinen Geschäften der Amtmann: Er zieht Gelder und Naturalien ein, verwaltet Straßen- und Brückenzölle sowie die landesfürstlichen Güter, kontrolliert zusammen mit den Zöllnern die Gebühren an den vier Bozner Zollstellen (eine davon war beim Amtshaus) und leitet alles an die Hofkammer in Innsbruck weiter. Das Leben des Amtmannes und das seines Rechnungsprüfers mit ihren Familien spielt sich im Amtshaus ab, das Maximilian zwischen 1486 und 1510 erbauen hat lassen und in dem der Renaissance-Fürst während seiner acht Bozen-Besuchen vermutlich wohnt (1508 und 1510 über einen längeren Zeitraum).

Das Amtshaus Maximilians ist heute Sitz des Naturmuseums (Foto: Benno Baumgarten)

Wozu dieses Amtshaus – seit 1999 Sitz des Naturmuseum Südtirol – diente, wer darin lebte und wie der Alltag hier konkret aussah, erzählt die neue Sonderausstellung des Naturmuseums „Das Amtshaus des Kaisers“. Sie malt ein Bild des Lebens der großbürgerlichen und adeligen Hausleute, erzählt, was sie aßen und wie sie sich kleideten, und präsentiert das Gebäude. Details des Alltags sind durch die archäologischen Grabungen nachgewiesen oder durch historische Quellen belegt: wie die Latrine (wer im Amtshaus wohnte, musste also nicht wie alle anderen das Gebäude verlassen und die Notdurft im Hof oder Stall verrichten), die Hauskapelle, der Brunnen (dies ersparte den Hausleuten den Gang zum Stadtbrunnen), die Stallungen für Pferde, Kühe und Schweine, die Fischbecken, die heizbare Badestube, das Arsenal (dieses diente Maximilian für seinen Krieg gegen Venedig), der große Garten und das Fruchthaus, in dem Obst und Wein aus den landesherrlichen Besitzungen gelagert wurden.

Die Leihgeber der Ausstellung sind das Südtiroler Landesarchiv und das Landesamt für Bodendenkmäler, das Stadtmuseum Bozen und der Museumsverein Bozen, das Museum Eccel Kreuzer in Bozen, die Burg Taufers in Sand in Taufers sowie das Museum Castello del Buonconsiglio in Trient.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 16. Juni 2019, täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Informationen: Naturmuseum Südtirol, Bindergasse,1, Bozen, www.naturmuseum.it, Telefon 0471 412964

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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