Du befindest dich hier: Home » News » Neues Bio-Problem

Neues Bio-Problem

Südtirols Bio-Apfelbauern haben ein neues großes Problem: Phosphit-Rückstände, die bei der Vermarktung zum Verhängnis werden könnten.

von Heinrich Schwarz

Laut Arnold Schuler ist das Problem komplett neu. „Wir wurden jetzt überrascht, dass es in Bezug auf die Kontrollen wieder eine Änderung gibt“, so der Landesrat für Landwirtschaft.

Es geht um sogenannte Phosphite, die als Düngemittel im Obstbau eingesetzt und vermehrt in Pflanzenschutzmitteln für eine bessere Wirksamkeit beigemischt werden. „Es handelt sich um ein synthetisches Mittel, das in der Pflanze bleibt und erst nach Jahren ausscheidet. Das wird in der nächsten Zukunft zu einem ganz großen Thema, weil der Markt eine komplett rückstandsfreie Ware will“, sagt Werner Castiglioni, Geschäftsführer der Genossenschaft Bio Südtirol.

Die Bio-Bauern haben die große Sorge, dass sie ihre Äpfel nicht mehr als Bio-Ware verkaufen können und somit finanzielle Einbußen erleiden. Gerade Südtirol, wo es auf engem Raum unterschiedliche Anbauweisen mit entsprechenden Konflikten gibt, ist besonders betroffen.

Wie Werner Castiglioni und Toni Riegler, Obmann des Verbandes Bioland Südtirol, erklären, handle es sich um kein reines Problem der Abdrift aus angrenzenden Flächen. Auch wer seine Fläche auf Bio umstellt oder umgestellt hat, ist mit Phosphit-Rückständen konfrontiert. Die Umstellungszeit von drei Jahren reiche oft nicht für den Abbau des Mittels (siehe auch Interview unten).

Arnold Schuler ist verärgert: „Der vermehrte Einsatz von Phosphit im integrierten Obstbau war eigentlich positiv, weil es kaum toxisch ist. Man wollte in Bezug auf die Wirkung etwas Gutes tun – auch weil Phosphit-Rückstände im Bio-Bereich bisher kein Problem waren. Aber jetzt ändern sich anscheinend wieder die Spielregeln.“

Bio-Vermarktungsexperte Werner Castiglioni verweist auf eine EU-Verordnung, wonach Bio-Äpfel auch mit geringen Rückständen noch als Bio-Äpfel zu deklarieren seien. „Der Markt nimmt das aber nicht hin und will eine rückstandsfreie Ware. Das ist im Anbau heute kaum möglich – außer man ist komplett isoliert und hat auf Grünwiesen angefangen“, meint Castiglioni. Werde Bio-Ware von den Händlern nicht mehr angenommen bzw. mit konventioneller Ware gleichgestellt, entstehe ein riesiger Schaden.

Landesrat Arnold Schuler kritisiert insbesondere die italienische Gesetzgebung in Bezug auf die Kontrollen: „In allen europäischen Staaten außer Italien und Belgien ist für die Bio-Zertifizierung der Bewirtschaftungs-Prozess entscheidend. Ob es minimale Rückstände gibt, ist unwesentlich, solange die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Von diesen Grenzwerten sind wir ohnehin meilenweit entfernt, aber Italien und Belgien haben die Bio-Sonderregelung, dass gar nichts nachgewiesen werden darf.“

In Südtirol habe man innerhalb der Obstproduzenten, aber auch mit der Grünlandwirtschaft bereits Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, dass es Rückstände auf Flächen gibt, wo sie nichts zu suchen haben bzw. Bio-Betrieben Schwierigkeiten bereiten.

„Und jetzt werden wieder die Spielregeln geändert und mit Phosphit entsteht ein neues Problem“, ärgert sich Schuler. Man wolle jetzt abwarten, welche Grenzwerte festgelegt werden und werde sich intern eine entsprechende neue Strategie überlegen müssen, „damit die Bio-Betriebe keine Probleme bekommen.“ Das werde aber immer schwieriger.

Das sagt auch VOG-Obmann Georg Kössler. Dass die EU den Staaten im Bio-Anbau vielfach freie Hand lasse und unterschiedliche Höchstmengen zulässig seien, sei problematisch. „Phosphite spielen heute eine gewisse Rolle und die Frage ist, inwieweit man auf sie verzichten kann. Wir müssen versuchen, Verwehungen zwischen integriertem und Bio-Anbau durch die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten zu vermeiden. In den letzten Jahren haben wir bewiesen, dass wir das ernsthaft angehen“, so Kössler.

Bioland und Bio Südtirol fordern auch gar kein Verbot von Phosphiten, man müsse aber den Einsatz verringern und Abdrift gänzlich vermeiden.

Zwischen Politik, Verbänden, Genossenschaften, Laimburg und Beratungsring wird derzeit intensiv über machbare Lösungen diskutiert.

„Böses Erwachen“ – Toni Riegler über die Phosphit-Problematik

Tageszeitung: Herr Riegler, Phosphite sollen bei den Bio-Bauern für Probleme sorgen, weil es für eine längere Zeit Rückstände gibt…

Toni Riegler: Das kann ich bestätigen. Vor allem im vergangenen Jahr 2018 hat es da vermehrt Probleme gegeben.

Besteht das Problem durch Abdrift oder vor allem bei Umstellungen?

Sowohl als auch. Man muss die beiden Ursachen jedoch klar unterscheiden. Die Abdrift kommt von der angrenzenden Fläche und wird von den Pflanzen aufgenommen. Dies auf der Randreihe, aber auch im Feldinneren. Wird in einer IP-Anlage (integrierte Produktion, Anm. d. Red.) Phosphit ausgebracht und der Bauer möchte diese dann auf die biologische Produktion umstellen, so muss er wissen, dass sich die Phosphite in der Pflanze nur sehr langsam abbauen und die Umstellungszeit von drei Jahren wahrscheinlich nicht ausreicht. Der Umsteller hat in diesem Fall das Mittel aber selbst ausgebracht bzw. bewusst eine konventionelle Anlage gekauft/gepachtet. Da uns die Problematik dieses Mittels aber noch nicht so lange bekannt ist, hat es schon das ein oder andere böse Erwachen gegeben.

Wie lange dauert es, bis die Rückstände abgebaut sind?

Hierzu gibt es sehr unterschiedliche Versuchsergebnisse. Uns sind bereits mehrere Anlagen von Umstellern bekannt, bei denen in den Äpfeln auch noch nach drei bis fünf Jahren Phosphit nachgewiesen wird. In den Abdriftfällen ist die Konzentration geringer. Kommt es in der Vegetationsperiode jedoch zu einer Abdrift auf die Nachbarfläche, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Äpfel belastet und nicht mehr als Bio-Produkt vermarktbar sind. Aufgrund der großen Persistenz reicht dazu auch schon eine einmalige Abdrift.

Was kann man gegen dieses Problem tun?

Es gilt, Abdrift absolut zu vermeiden. Potentiellen Umstellern rate ich, auch schon in den Jahren vor der Umstellung auf Phosphite zu verzichten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentare (13)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • ahaa

    Den Schaden die den Biobauern vom Sprizbauern entsteht soll er begleichen mùssen.
    Leute glaubt nicht hier an Bio.Ich kenne Bauern die verkaufen den Biobauern weil dieser besser Preise erhòlt.Zudem kenn ich Biobauern die trotzdem spritzen.
    Hier ist das mòglich! Durch die Politik!
    Vergesst diese Werbestrategie hier.
    Der Bauer muss Monsantosamen kaufen,ansonsten wùrde er gestraft.Alte Sorten sind jetzt verboten.
    Wir sind ein Teil von Monsantos Firma.Das Gift.die Samen.der Dùnger und anschliessend Medikamente,die kommen dann von seiner Comany-Firma Bayer.Made in Brùssel

    • realist

      Die BIO-Bauern haben s nicht einfach, denn sie tragen die volle Verantwortung für Ihr Produkt alleine.
      Aber das aller-gefährlichste ist, wenn Leute wie “ ahaa “ solche Fakenews verbreiten u. von der ganzen Materie nichts verstehen noch selber Ihnen bewusst ist, was sie da anrichten.
      Der Trent in Richtung BIO ist ein guter u. wichtiger Weg von der Industriellen Landwirtschaft weg zu kommen.
      Wer das unterstützen will, sollte sich solidarisch mit den Bio-Bauern zeigen u. nicht solchen Blödsinn schreiben.
      Dass ein Forum-Schreiber mit seinem Beitrag auch Verantwortung trägt, ist Ihnen wohl unbekannt od. tottal egal, auch ohne Hausverstand.

  • cif

    @ahaa ich bin en Befürworter der biologischen Anbauweisen, weil ich wie viele in mitten dieser Apfelkultur leben darf und muss. Es ist für uns alle ein Segen, wenn es Bauern gibt welche diese Anbauweise bevorzugen. Leute wie sie, sollten wegen Verbreitung von Fakenews verklagt werden!

  • yannis

    @realis&cif,

    Soweit liegt @ahaa nicht daneben, zumindest nicht was Monanto & Co betrifft.
    Und der rasende Anstieg von Bio-Produkten im Angebot des Handels kann nur folgende Rückschlüsse zulassen, entweder geht die Umstellung auf Bioproduktion von jetzt auf gleich, oder es wird so manches einfach „Bio“
    So sehe ich es als Verbraucher !

    • ahaa

      Genau.So wie das Gammelfleisch in die Mensas gelangt.Es funktioniert nicht so wie es uns verkauft wird.Wo wird denn das Bio angebaut?
      Vieles Obst und Gemùse kommt von China nach Italien.Sowie das italienische Olivenol aus Tunesien,der Sùdtiroler Speck aus Holland,usw.Nicht oft stimmt was drauf steht!
      Es gibt sicher viele Biobauern.Ich kenne auch welche.Die verkaufen aber nur privat.
      Weil dem Metzger das Schwein,Kuh,Henne zu wenig fett sind,nicht nach EU.Vorschrift
      Ohne ganz Spritzen geht es nicht in der Monokultur.Biobauern mùssen in der Regel mehr spritzen nur anderes.Kein Vogel wird mehr brùten!Mehr Treibstoffverbrauch,……ich Weiss nicht was da Bio under Umweltschonend ist.
      realist,Faknews?Bist du ein Stattler?Oder habe ich dich jetzt angepisst?Ein Verràter ,das schon. 🙂 Ganz nach dem Motto.“Was sie euch ins Ohr flùstern das schreit von den Dàchern!“Wenn du den Sager kennst.

      • realist

        Diese Kommentare beweisen eindrucksvoll, dass keinerlei Kenntniss über die BIO -Situation in Südtirol vorhanden ist.
        Wenn Ihr sicher sein wollt, dass wo BIO draufsteht auch BIO drinnen ist, dann bleibt bei südtiroler BIO-Produkte, dann braucht Ihr euch über den Rest nicht solche Gedanken zu machen.
        Die meißten wissen das u. wenn man sich seriös informiert, ergeben sich die allermeisten hier zu lesenden Kommentare.

    • cif

      @yannis, natürlich gibt es verschiedene Biosiegel, allein deshalb ist die Pauschalisierung von ahaa völlig daneben. Wäre ungefähr so, wenn ich behaupten würde, alle Autos sind schlecht. So weit mir erklärt wurde, sind Bioproduzenten aus Südtirol meist Mitglieder von Bioland oder Demeter, welche genaue Kontrollen unterliegen. Dass manchmal auch schwarze Schafe darunter sind, ist wohl nicht zu vermeiden, die Sanktonen sind aber ziemlich hoch und lohnen sich nicht.

      • yannis

        @cif,
        ob es an den verschiedenen Biosiegeln liegt, weis ich nicht, aber die „Geschwindigkeit“ des im Handel angebotenen Bio-Zeug’s und die Möglichkeiten dessen Produktion auf Bio umzustellen ist um einiges höher.
        Von daher fehlt mir irgendwie der Glaube daran dass da alles mit rechten Dingen zugeht.
        Und mit der Panscherei bei Olivenöl und dem famosen Südtiroler Speck der mehr mehr EU Autobahnen als Südtirol gesehen hat, liegt @ahaa nicht falsch, nur zwei Beispiele für vieles.

  • goggile

    verbot des spritzens! ueberall!

  • blb

    Dann sterben wir aber aus!

  • checker

    Ach diese Äpfebauern gehen mir echt auf die Nerven, regen sich auf, dass der Markt neue Anforderungen stellt. Tja liebe Bauernm so ist es nun mal in der Marktwirtschaft. Was sollten dann wir, die andere Hälfte tun? Wir zahlen auch noch Steuern und schaffen nebenbei auch Arbeitsplätze…was man von dieser “Grollenagronomie” nicht behaupten kann. Ich bin sowieso für mehr Hightechindustrie in Südtirol, wir sind viel zu viel Landwirtschafts und tourismuslastig. Der Multiplikator für die Gesellschaft ist viel zu niedrig. Dann kann uns diese Diskussion sowieso erspart bleiben.

  • checker

    Weniger Mistgabeln und mehr Laptops in Südtirol!!!!

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2018 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen