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Des Kaisers Bart

In Erwartung, dass der LH die Namen seiner Landesräte bekannt gibt, durften wir auch um des Kaisers Bart diskutieren. Ein Leitartikel von Arnold Tribus.

In Erwartung, dass der Herr Landeshauptmann seine Entscheidung bekannt gab, wen er schlussendlich in die neue Landesregierung berufen wird, durften wir auch um des Kaisers Bart diskutieren, Kompatschers Bart, in diesem Falle. Und die treuen Leser des Tagblattes durften sogar darüber abstimmen: Steht er ihm oder steht er ihm nicht?

Er ließ sich vom Referendum nicht beirren, er trägt ihn weiterhin, seinen Bart, ganz unabhängig davon, ob er ihm steht oder nicht. Ich meine, er steht ihm nicht, aber das ist ja egal, Bärte sind zurzeit Mode, und warum sollten wir nicht auch einen modischen Landeshauptmann haben? Unser Herr Karl, der Fotograf, der das Fotoarchiv verwaltet, muss die Kompatscher-Serie erneuern und mit Bartfotos füllen, in Erwartung, dass er ihn wieder abnimmt, denn auch das wird kommen, er könnte ja auch stuff werden, oder seine Frau. Eigentlich sollte man sich in den persönlichen Geschmack ja nicht einmischen, aber bei Promis ist das erlaubt, sonst könnte man wie die Römer sagen: chi se ne fotte, eleganter: a chi vuoi che importi.

Was nun die Zusammensetzung der Landesregierung betrifft, so gab es eigentlich keine Überraschungen, was die personelle Besetzung betrifft. War ja auch kaum möglich, denn solange in der Partei das Prinzip gilt, dass die Regierungsposten nach dem Vorzugsstimmenergebnis der Kandidaten vergeben werden, stehen die meisten Landesräte eigentlich schon fest. Es gibt dann einige andere Probleme, so den Frauenanteil, der in dieser Runde der tüchtigen Frau Maria Magdalena Hochgruber Kuenzer zugute kam und in der Region der blutjungen Jasmine Ladurner, was die erfahrene Arbeitnehmerin Magdalena Am Hof auf die Palme brachte, die sich von einer „Gitsch“ den Posten wegschnappen sah, auf den sie gehofft hatte.

Aber als Letztgewählte kann sie keine großen Ansprüche stellen, was sollte dann der unerwartet erfolgreiche Sarner Bürgermeister Franz Thomas Locher sagen, der an 6. Stelle gewählt wurde und sich mit dem Posten eines Kommissionsvorsitzenden und Präsidialsekretärs zufriedengeben muss? Dazu muss man aber schon sagen, dass die Volkspartei ihre Mandatare ganz schön verwöhnt hat. Es gibt praktisch keine „normale“ Abgeordnete mehr, die mythischen „Peones“, die Hinterbänkler, die nur einmal im Jahr bei der Haushaltsdebatte das Wort ergreifen dürfen, aber fleißig den Abstimmungsknopf drücken müssen, so wie der Fraktionssprecher es befiehlt, Daumen nach oben heißt Ja, Daumen nach unten Nein.

So können es sich die Damen und Herren Peones auch ersparen, die oft öden Debatten mitzuverfolgen. Das Prinzip ist ja einfach, bei Gesetzen und Dokumenten der Landesregierung hat man immer mit Ja zu stimmen, bei den Beschlussanträgen der Opposition mit Nein, es gibt aber auch Ausnahmen, ab und zu gewährt man der Opposition auch ein Zuckerle, sie sollte ja nicht zornig und grimmig werden, denn ab und zu braucht es auch die Stimmen der Opposition. Und nachdem die SVP-Fraktion ja auf ein historisches Minimum von 15 Abgeordneten zusammengeschrumpft ist, trotz des großen Erfolges, denn immerhin brachte sie es noch auf 41,9 Prozent, das sind 110.109 Stimmen, welche Volkspartei in Europa ist noch so stark, haben praktisch alle einen Posten erhalten, einen mehr oder weniger wichtigen, aber leer ausgegangen ist niemand.

Und weil man sie ja alle bei der Stange halten muss, damit sich nicht wieder Protestfraktionen bilden, die aus Protest gegen die eigene Mehrheit stimmen, ist ja auch schon vorgekommen, werden nun auch alle Posten honoriert, d.h. bezahlt. Das nennt sich Funktionszulage und sieht für Präsidialsekretäre und Kommissionspräsidenten neben dem normalen Abgeordnetengehalt ein Zubrot zwischen 800 und 1.200 Euro vor. Natürlich bekommen auch die Fraktionssprecher eine Zulage, 1.100 die großen, und 600 der Sprecher der Einmannfraktion, der sich selbst vertritt. Wir werden sehen, wer freiwillig darauf verzichtet.

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