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Der übermächtige Bezirk

Drei Landesräte, einige weitere Posten und wichtige Ressorts: Der SVP-Bezirk Pustertal hat seine alte Stärke wiedererlangt. Über die geballte Macht im Osten. Und über einen Zwischenruf aus Naturns.

von Silke Hinterwaldner

Meinhard Durnwalder klingt hochzufrieden. Aus gutem Grund.

Sein SVP-Bezirk Pustertal stellt mit den beiden Damen Waltraud Deeg und Maria Hochgruber Kuenzer zwei Landesrätinnen. Dem Bezirk zugeschlagen wird auch Landesrat Daniel Alfreider, der als Gadertaler eine stärkere Nähe zum Pustertal hat als es bei seinem Vorgänger Florian Mussner der Fall war. Zu den in Summe drei Plätzen in der Landesregierung kommen weitere wichtige Posten, die das Pustertal für sich beansprucht: Gert Lanz hat den Job als Fraktionssprecher im Landtag bekommen. Und Manfred Vallazza, der zweite Gadertaler Ladiner im Landtag, darf in die Regionalregierung.

„Dazu kommt“, sagt Meinhard Durnwalder, „dass wir auch mit den zugeteilten Ressorts sehr zufrieden sein können.“ Waltraud Deeg hat die klassischen Arbeitnehmer-Agenden wie Soziales und Wohnbau dazubekommen. Bauernvertreterin Kuenzer darf die strategisch wichtige Raumordnung betreuen. Und Alfreider hat – bis auf den Bereich Hochbau – alles von seinem Vorgänger Mussner übernommen.

Ist das Pusteral damit übermächtig? Müssen sich die anderen Bezirke, allen voran der Vinschgau, aber auch kleine Bezirke ohne eigenen Abgeordneten im Landtag wie das Überetsch/Unterland oder das Wipptal, jetzt fürchten vor der geballten Macht aus dem Osten?

Der Bezirksobmann gibt sich diplomatisch auf derlei Fragen und winkt gleich ab. „Grundsätzlich“, sagt Durnwalder, „ist Südtirol ein kleines Land. Und die Vertreter wurden gewählt, um alle Südtiroler zu vertreten. Wir werden sicherlich versuchen, einen guten Ausgleich zu finden.“

Dabei zeigt man sich im Pustertal sogar noch großherzig. Gert Lanz, ursprünglich angetreten, um Landesrat für Wirtschaft zu werden, hat den Sprung in die Landesregierung nicht geschafft. Aber ihm sei der Job als Landtagspräsident angeboten worden. Um die Vinschger und ihren Vertreter Sepp Noggler aber nicht noch mehr zu brüskieren, habe Lanz schließlich auf dieses Amt verzichtet und sich mit der wenig begehrten Aufgabe des Fraktionssprechers im Landtag zufrieden gegeben.

Auch diese Rechnung scheint aufgegangen zu sein. Bei der Abstimmung im Parteiausschuss am Montag wurde das Kabinett Kompatscher 2 mit bulgarischer Mehrheit von 97 Prozent abgesegnet. Es gab nur zwei Enthaltungen und eine ungültige Stimme. „Das beweist“, sagt Meinhard Durnwalder, „dass es innerhalb der Partei eine enorme Zustimmung gibt.“ Wäre dem nicht so, dann hätte der eine oder andere in der geheimen Abstimmung auch Nein sagen können.

Aber ganz reibungslos verlief die Parteiausschusssitzung am Montag dann doch nicht. Robert Kaserer, Arbeitnehmervertreter aus Naturns, wagte einen Zwischenruf. Man solle doch erst die Affäre um die den Hüttenbau im Gadertal klären, bevor man Daniel Alfreider zum Landesrat macht. Das ließ Dieter Schramm nicht unwidersprochen. Der gewichtige SVP-Anwalt aus Bruneck erklärt am Tag nach der Sitzung: „Ich habe dezidiert die Meinung vertreten, dass wir die Landesregierung bestimmen und uns nicht von der ff oder der Tageszeitung dreinreden lassen. Es gilt immer die Unschuldsvermutung.“

Auf diesen Einwand von Schramm erlaubte sich auch Landeshauptmann Arno Kompatscher eine spitze Bemerkung. Wohl in Anspielung auf die Schwimmbad-Affäre meinte er sinngemäß: Wenn man sich damals von den Zeitungen hätte leiten lassen, dann hätte es die Ära Durnwalder nie gegeben.

Aber Dieter Schramm gibt sich durchaus staatsmännisch, wenn er sagt: „Es hat gut getan, dass jemand das Thema angesprochen hat. Damit war der Druck weg.“ Für ihn persönlich ist die Besetzung der neuen Landesregierung ganz besonders erfreulich: „Jetzt ist der Bezirk Pustertal wieder zu alter Stärke aufgefahren.“

 

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Kommentare (6)

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  • gr

    ollm is gleiche giplärre,wenns schun a semmile-partei isch noa weard woll wurscht sein wo oano herkimp. war südtirol aso groass wia, boh, ruslond noa kannt i vostiahn wenn do baur in do kamtschatka an votreta in moskau hobn will

  • george

    Sind sie nicht dazu gewählt worden, dass sie sich für alle Südtiroler einsetzen und nicht nur für ihren Bezirk? Das Kirchturm denken und -tun sollte längst schon überwunden sein. Schreibt euch das hinter eure Ohren ihr Pusterer Landesräte-innen. Und das sage ich euch als „Puschtra“.

  • einereiner

    Wenn jemand 4 Almhütten/Heuschupfen neben den Hof stellt und Fenster mit Geranien anbringt, dann gilt nicht die Unschuldsvermutung sondern die Schuldvermutung. Hoffentlich zerlegt ihn die Staatsanwaltschaft.
    Die EsseVuPi biegt und bricht sich den Weg, wie es ihr gefällt.
    Wie lange dauert es, bis die Südtiroler die gelben Westen rausholen?

    • kurt

      @einereiner
      Falsch ,das ist ja die direkte Demokratie wo die Herren Kompatscher und Achammer so darauf pochen.

    • rota

      Ja wirklich, statt der Almhütten mit SPA sollten nur mehr landwirtschaftliche Wohnmobile oder Caravan zugelassen und gefördert werden, welche als Traktoranhänger oder mit SUV und nur für den Zeitbedarf der Almbewirtschaftung zur Bergwiese gebracht werden. Außerhalb dieser Zeit dürften sie in Hofnähe als Campingquartier für Urlaub am Bauernhof oder Bienenwanderwägen verwendet werden.
      Frau Kuenzer Maria Hochgruber wird diesen Vorschlag sicher vervollständigen und im Landtag einbringen.

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