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In neuem Gewand

Die Truppe probt für den „Weibsteufel“ (Foto: Freilichtspiele Südtiroler Unterland)

Südlich von Bozen geht ein Weibsteufel um. Schuld daran sind die Freilichtspiele Unterland. Die sollen jetzt sogar einen neuen Obmann haben…

Von Adina Guarnieri

Eine Redensart besagt: Lieben heißt loslassen können. Das hat sich auch Zeno Bampi gedacht, als er beschloss, nach 32 Jahren die Obmannschaft der Freilichtspiele Südtiroler Unterland abzulegen. Und weil man ja bekanntlich gehen soll, wenn es am schönsten ist, hat Bambi nach dem großen Jubiläum – die FSU wurden 2018 stolze 50 Jahre alt – das Zepter nun an den Kurtatscher Oswald Schiefer weitergegeben. Dieser wurde vor einigen Wochen im Neumarktner Mesnerhaus einstimmig zum neuen Obmann ernannt.

Erneuert wurde auch der Vorstand, der nun aus jeweils vier Frauen und vier Männern besteht und sich aus bewährten und neu hinzugekommenen Mitgliedern zusammensetzt. Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit charakterisieren diese bunt gemischte Truppe, die nach 50 erfolgreichen Jahren frischen Wind ins Mesnerhaus bringen möchte. Bampis leidenschaftliche Liebe zum Theater bleibt dennoch unvergessen, sodass sein Engagement den FSU sicherlich auch weiterhin erhalten bleiben wird. Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht, denn die Organisation der aktuellen Winter- und der kommenden Sommerproduktion läuft auf Hochtouren, man hat schließlich einen Ruf zu verteidigen.

Die FSU sind das erste und älteste Freilichttheater Südtirols. Gegründet wurden sie 1968 von Luis Walter, der dem Publikum hauptsächlich Tiroler Autoren präsentierte. Dies änderte sich vor nunmehr 30 Jahren mit dem damals neuen Obmann Bampi, der gemeinsam mit Regisseur Roland Selva auch Autoren der klassischen Theaterliteratur ins Repertoire aufnahm. Für die heurige Winterproduktion des Theaters an der Etsch wählte man aber wieder einen Klassiker aus dem alpinen Raum: „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr – ein Drama über Macht und Anziehungskraft zwischen Mann und Frau.

Ein junger Gebirgsjäger will ein Schmugglerpaar überführen. Mit amourösen Avancen möchte er die Frau aus der Reserve locken. Der Mann, skrupellos und despotisch, riecht Lunte und hegt ebenfalls einen Plan: seine gutaussehende Frau soll erstmal so tun, als würde sie auf die Umgarnungen eingehen, währenddessen kann er in Seelenruhe die Schmuggelware verschwinden lassen. Die Frau kriegt aber bald mit, dass sie ins Zentrum hinterhältiger Intrigen geraten ist und will sich nicht für dumm verkaufen lassen. Niemand ahnt zu dem Zeitpunkt etwas von der unvorhersehbar intensiven Anziehungskraft, die sich zwischen der Frau und dem Jäger entwickeln wird. Die Situation kippt, das Unheil scheint unausweichlich, wer behält am Ende die Oberhand?

Karl Schönherrs Dreiecksbeziehung gräbt im Existenziellen, das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau wird auf aktuelle Art und Weise hinterfragt und dekonstruiert. Der in Axams geborene Autor gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Dramatiker des 20. Jahrhunderts, dennoch fand sein Werk lange Zeit wenig Beachtung. „Der Weibsteufel“ wurde 1915 in Wien uraufgeführt. Aufgrund seiner Aktualität erlebt das Stück im deutschsprachigen Raum momentan ein ungeahntes Revival.

Premiere: 27. Jänner im Dachbodentheater im Mesnerhaus in Neumarkt um 18 Uhr. Weitere Aufführungen: 29.01., 30.01., 02.02., 03.02., 10.02., 12.02., 13.02., 17.02., 19.02, 21.02., 22.02., 23.02., 24.02. immer um 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr (!). Vormerkungen unter: 0471 812128 oder [email protected]

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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