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Selige Jungfrau?

In der Kalterer Pfarrkircher ist am Samstag der diözesane Prozess für das Seligsprechungsverfahren für Maria von Mörl abgeschlossen worden. 

Der Abschluss des diözesanen Tugendprozesses als Etappe auf dem Weg zur Seligsprechung von Maria von Mörl ist mit einer Eucharistiefeier in der Dekanatspfarrkirche von Kaltern gefeiert worden. Bischof Ivo Muser ist dem Gottesdienst vorgestanden und hat betont, dass zur Seligsprechung von Maria von Mörl kommen werde, „wenn, wann und wie Gott es will“.

Ein Seligsprechungsverfahren ist sehr zeitintensiv und besteht aus zwei Verfahren: Im ersten Verfahren sind der heroische Tugendgrad der Maria von Mörl und ihr Ruf der Heiligkeit nachzuweisen (Stimme der Gläubigen), im zweiten Verfahren ein auf ihre Fürsprache hin von Gott gewirktes Wunder (Stimme Gottes). Jedes Verfahren vollzieht sich in drei Phasen: der erste Schritte sind die Untersuchungen und die Sammlung des Beweismaterials in der Diözese; der zweite Schritte ist die Verarbeitung des Beweismaterials in Rom durch den Postulator zu einem übersichtlichen Buch; der dritte Schritt sind schließlich die Diskussionen in den zuständigen Gremien der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren. Am Ende steht die Entscheidung des Papstes.

In seiner Predigt analysierte Bischof Muser das Leben und Wirken von Maria von Mörl: „Für mich ist der Schlüssel zu ihrer Lebens-, Glaubens- und Berufungsgeschichte ihre Christusverbundenheit. Das Schauen auf Jesus, die intensive Verbundenheit mit ihm in seiner Menschwerdung und in seiner Passion sind für mich die Botschaft, die sie auch an unsere Zeit richtet: Ein auf Christus ausgerichtetes Leben hat Sinn und schenkt Sinn! Ihre Christusbeziehung zeigte sich bei ihr dann auch dadurch, dass sie 34 Jahre lang die Wundmale Jesu an ihrem Leibe trug. Dadurch wurde sie zu einem lebendigen Kruzifix.“

Der Bischof betonte, dass es ihn persönlich beeindrucke, dass Maria von Mörl „selber nie über die Wundmale sprach und dass sie auch in ihren Briefen nie eine Zeile darüber verlor“. Muser sagte allerdings auch, dass wohl nicht alle einen Zugang zu Maria von Mörl und zu ihrer Spiritualität gewinnen können werden: „Sie wird vielen auch fremd bleiben. Ihr Leben, das gekennzeichnet war von Krankheit, Leiden und Opfer, kann aber auch uns heutigen Menschen sagen: Es gibt mehr, als wir verstehen! Es gibt viel mehr als die Devise: Alles jetzt, alles gleich, alles leicht, alles angenehm, alles ohne zu leiden. Ihre Gestalt kann uns im Schauen auf Jesus herausfordern und wieder neu öffnen für die Herzmitte des christlichen Glaubens: ‚Durch seine Wunden sind wir geheilt.‘“

Maria von Mörl kann die Menschen der heutigen Zeit auf Gott verweisen, ist der Bischof überzeugt: „Maria von Mörl kann auf das Geheimnis Gottes, auf seinen Heilsplan mit uns, auf sein ganz Anders-sein, auf seine Weisheit, auf die Torheit des Kreuzes Jesu und seiner Verkündigung verweisen. Und das ist immer größer, aber auch befreiender und erlösender als alles, was wir verstehen.“

Seine Predigt schloss der Bischof mit einigen Auszügen aus einem Gebet von Maria von Mörl: „Mein Gott, lass mein Herz immer, in den Freuden und Leiden, auf das heilige Kreuz gerichtet sein, damit ich im Schatten des Baumes meiner Erlösung immer im Frieden rasten kann. Bewahre mir doch in meinem Herzen immer einen Platz, wo die Welt nicht eindringen und ich bei dir verweilen kann.“​ Anwesend waren auch der Postulator der Causa, Andrea Ambrosi, Dekan Alexander Raich, der Delegierte des Bischofs, P. Gottfried Egger, der Justitiar P. Heinz-Meinolf Stamm, der Notar Günter Morandell und Leo Haas, Kanzler am Bischöflichen Ordinariat.

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