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Der betrogene Ex-Chef

Foto: LPA

Ein ehemaliger Autohändler aus dem Pustertal steht im Zentrum eines vermeintlichen Investment-Betrugs, bei dem hunderte Anleger mit unrealistischen Rendite-Versprechen getäuscht wurden. Auch sein früherer Chef.

Von Thomas Vikoler

Er verkaufte zunächst Fahrzeuge in einem Autohaus in Pustertal, kündigte dort und wurde zum Finanzvermittler. Offenbar sehr erfolgreich, denn die Zahl seiner Kunden stieg ständig. Wahrscheinlich deshalb, weil der gebürtige Pusterer Renditen von bis zu 30 Prozent versprach.

Nun ist der Mann der mutmaßliche Hauptakteur einer kriminellen Vereinigung, die laut Anklage der Staatsanwaltschaft vor allem ein Ziel verfolgte: Anleger systematisch zu betrügen.

Gestern fand am Landesgericht die Vorverhandlung gegen insgesamt acht Personen (und drei ausländischen Firmen) statt. Der Vorwurf: Bandenbildung zum Zwecke des Anlegerbetrugs.

Der den Anlegern zugefügte Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro, doch nicht alle geprellten Anleger haben sich bisher bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Wohl deshalb, weil das angelegte Geld zweifelhafter Herkunft war.

Bei der gestrigen Vorverhandlung ließen sich an die 20 Anleger, einige davon aus Südtirol, anwaltschaftlich vertreten. Sie haben vor, sich als Zivilpartei in das Verfahren einzulassen. Zu ihnen gehört auch der frühere Chef des Hauptbeschuldigten, der Inhaber eines Autohauses im Pustertal.

Die Geschädigten haben bei den Beschuldigten Summen zwischen 5.000 und 100.000 angelegt. Stets gelockt von Rendite-Versprechen, die sie bei klarem Verstand als unrealistisch hätten einstufen müssen. Sie gingen dennoch auf das Angebot ein. Es zeigte sich allerdings bald, dass weder die versprochenen Zinsen noch das angelegte Kapital ausgezahlt werden konnten. In einigen Fällen entschuldigten sich die Finanzvermittler damit, dass Immobiliengeschäfte, in die angeblich investiert worden war, schiefgegangen seien.

Zu den acht Tatverdächtigen gehören Personen aus Italien, der Schweiz, Spanien und Deutschland. Zwei der drei in die Strafvermittlung involvierten Firmen sind inzwischen in Konkurs gegangen.

Die Ermittlung gegen die vermeintlichen Finanzbetrüger wurde von der Finanzwache Bruneck geführt, es gab mehrere Rechtshilfeansuchen an ausländische Behörden.

Die Vorverhandlung wurde nach Einlassung der (bisherigen) Zivilparteien vertagt.

 

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Kommentare (2)

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  • kleinlaut

    Recht geschieht ihnen…zuerst das Schwarzgeld unterbringen und sich dann noch eine Rendite von 30% erhoffen!

  • exodus

    Diese Einfaltspinsel haben mit Recht ihr Geld verloren! Wie kann man bei Nullzinsen
    auf 30% Gewinn hoffen. Die Gier war größer als die Intelligenz dieser „Anleger“!!
    Vielleicht wäre es der Moment für die Finanzpolizei sich diese Leute unter die Lupe zu nehmen.

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