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Ausgebauter Schutz

Rund 60 Millionen Euro fließen in den kommenden zwei Jahren in die Instandhaltung und den Neubau von Schutzbauten zur Sicherung des Lebensraums in Südtirol.

von Lisi Lang

In Südtirol sind im Laufe der letzten Jahrzehnte tausende Schutzbauten zur Sicherung des Lebensraums errichtet worden. „Während uns für unsere Arbeit sehr viel Verständnis zukommt, können vielen Menschen die Gefahren nicht abschätzen – es fehlt ein bisschen das Bewusstsein für Naturgefahren“, beobachtet Rudolf Pollinger, Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz.

Eine der wesentlichen Aufgaben der Agentur für Bevölkerungsschutz ist die Instandhaltung und Ertüchtigung der bestehenden Schutzbauten auf dem gesamten Landesgebiet. „Dafür werden in den nächsten zwei Jahren zirka 20 Millionen Euro aufgewendet“, erklärt Rudolf Pollinger.

Zusätzliche neue Schutzbauten werden auf Grundlage der Ergebnisse der Gefahrenzonenpläne in den einzelnen Gemeinden und auf Grundlage der letzten Unwetterereignisse notwendig. „Dabei geht es nicht um einzelne Großprojekte, sondern um eine flächenhafte Verbesserung der Gefahrensituation auf dem gesamten Landesgebiet durch eine Vielzahl von Maßnahmen“, erläutert Pollinger.

„Neuralgische Punkte“, so Pollinger, „sind sicher die Städte Brixen, Sterzing, Klausen und teilweise Bruneck. Es gibt aber auch Gefahrenbereiche in Innichen, wo wir gerade Maßnahmen umsetzten oder längs der Rienz, wo wir neue Überflutungsbereiche ausgewiesen haben.“ Natürlich werde auch die Etsch immer mit einem wachsamen Auge beobachtet und in die Instandhaltung der lebensrettenden Dämme investiert. Für diese neuen Verbauungen werden in den nächsten zwei Jahren ca. 32 Million Euro aufgewendet.

„Als wichtig sind auch die ökologischen Maßnahmen anzusehen, welche für die Aufwertung der Gewässerlebensräume ausgeführt werden. Diese Maßnahmen werden rund acht Million Euro kosten und zum Großteil über Umweltgelder der Wasserkraftwerke realisiert“, so Pollinger.

Die Forscher gehen davon aus, dass Unwetterereignisse wie jene Ende Oktober in Zukunft zunehmen werden. Was bedeutet das für den Zivilschutz? „Diese Entwicklungen machen und natürlich hellhörig. Die Beunruhigung liegt aber nicht in der Vorbeugung sondern in der Intensität der Ereignisse und dass sie so plötzlich auftreten“, so Pollinger. Man erstelle aber immer Berechnungen und Modelle, auch mit Hochwasserereignissen, die nur einmal alle paar hundert Jahre auftreten. „Das Unwetter im Oktober hat uns Wassermengen gebracht, die immer noch niedriger gewesen sind als die Extreme, mit denen wir rechnen müssen. Eine umgehende Änderung der Schutzvorkehrungen braucht es nicht, weil wir derartige Einzelfälle mit einrechnen“, betont der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz.

In den einzelnen Bezirken Südtirols werden in den nächste zwei Jahren folgende Schutzmaßnahmen in Angriff genommen.

Vinschgau

In Schnals, Martell und Langstaufers werden in den kommenden zwei Jahren die Lawinenverbauungen fortgeführt. Auch stehen die Verbauung des Rosimbachs zum Schutz von Sulden, die Verbauung des Pedrossbachs in Langtaufers und die Verbauung des Tartscherbachs in der Gemeinde Mals auf dem Programm. Ebenfalls soll im Vinschgau der Lawinenauffangdamm Reschen fertig gebaut werden.

Burggrafenamt

Im Burggrafenamt steht die Sicherung der Etschdämme ganz oben auf der Prioritätenliste der Agentur für Bevölkerungsschutz. Auch sollen der Naifbach und der Mutbach in Meran, der Zielbach in Partschins und die Passer in Moos im Passeiertal verbaut werden. Ebenfalls auf dem Programm stehen die Errichtung von Lawinenschutzbauten in der Gemeinde Ulten und die Fortführung von Lawinenverbauungen in Pfelders. In St. Gertraud in der Gemeinde Ulten soll eine Steinschlagverbauung errichtet werden.

Wipptal

Im Wipptal werden in den kommenden zwei Jahren die Verbauungen zum Schutz der Stadt Sterzing fortgeführt. Zudem sollen der Trenserbach in Freienfeld, der Jaufentalerbach in der Gemeinde Ratschings und der Sennerbergbach in Ratschings verbaut werden. Laut Agentur für Bevölkerungsschutz stehen auch die Instandhaltungen von Lawinenverbauungen in Kematen Pfitsch und die Fortführung von Verbauungsmaßnahmen im Pfitscherbach in Wiesen sowie die Fortführung von Verbauungsmaßnahmen im Großbergbach in Pfitsch an.

Eisacktal

Im Eisacktal steht in den kommenden zwei Jahren die Fortführung der Verbauung zum Schutz der Städte Brixen und Klausen an. Auch sollen der Bodenbühlerbach und der Platschbach in Brixen sowie der Förstergraben in Klausen und der Albionserbach in Lajen verbaut werden.

Pustertal

Auf Grund der Hochwasserereignisse sind Schutzmaßnahmen an der Drau in Innichen, an der Drau, im Gossegraben in Toblach und am Sextnerbach in Sexten notwendig. Zudem braucht es Maßnahmen am Colz und Wengenerbach in Abtei. In den nächsten zwei Jahren stehen aber auch die Uferschutzbauten in Pfunders, an der Rienz in Welsberg, am Reinerbach in Sand in Taufers und an der Rienz in St. Lorenzen auf dem Programm. In der Gemeinde Mühlbach soll ein Rückhaltebecken und im Wiesenbach in Prettau sollen Schutzbauten errichtet werden. In der Gemeinde Mühlbach stehen ebenfalls Lawinenverbauungen an und in Prettau soll zudem auch die Ahr verbaut werden. In Rasen-Antholz ist ein Ablenkdamm am Mandelbach geplant.

Bozen Stadt und Land

In Bozen haben die Instandhaltung und Sicherung der Etschdämme wie im Unterland und Burggrafenamt Priorität. Zudem stehen die Verbauung des Lettenbachs in Bozen, des Hütterbachs in der Gemeinde Sarntal, der Talfer in Bozen, des Eisacks in Bozen, des Fagenbachs in Bozen, des Bodnertalbachs in Welschnofen und des Eschenbachs in der Gemeinde Ritten an.

Unterland

Im Unterland haben die Instandhaltung und Sicherung der Etschdämme Priorität. Auch sollen der Höllentalbach in Tramin, der Brandentalbach in Leifers und der Trudnerbach in Montan verbaut werden.

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