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„Ich wäre ja blöd“

Der Bandleader von Frei.Wild Philipp Burger will Bauer werden. Nimmt der Rockstar auch Fördergelder wie alle Südtiroler Bauern oder verzichtet er wegen seines Reichtums darauf? 

Tageszeitung: Herr Burger, man liest in den Medien, dass Sie Bauer werden wollen. Warum tun Sie sich das an? Was motiviert Sie, in den Stall zu gehen?

Philipp Burger: Nun, zum einen ist es die Sympathie für diesen Beruf und natürlich auch die Arbeit dahinter. Aber es ist auch etwas völlig Neues, etwas komplett Losgelöstes von der Musik und der Welt dahinter. Ich glaube, die Landwirtschaft bringt mich wieder etwas mehr dahin zurück, wo ich ursprünglich herkomme: Freier Himmel, freierer Kopf, Bewegung, Handwerk, Natur, Wald und Wiesen…  Ich glaube, es ist wie z.B. auch das Fischen ein sehr guter Ausgleich, aus dem ich auch neue Ressourcen für die Musik schöpfen kann. Vom Mehrwert für die Familie ganz zu schweigen.

Viele fragen sich, wird dieser Hof eher hobbymäßig oder hauptberuflich geführt.

Ich kann jetzt schon sagen, dass die Zeit, die ich für den Hof investieren werde, größer sein wird als die ich im Studio sitzen werde oder fortan für die Bandbelange sehe. Wir haben viele gute Leute, die bei Frei.Wild professionell arbeiten. Ich habe in den letzten Jahren über 600 Lieder für unzählige Künstler/Bands geschrieben und diese im Grunde auch allesamt platzieren können. Ich saß teilweise 14-15 Stunden im Studio und habe nicht vor, das ewig so weiter zu praktizieren wie bisher. Ich glaube, meine Bandkollegen auch nicht. 18 Jahre Frei.Wild bedeutet auch die Stellschrauben immer wieder neu nachzudrehen. Ich freue mich sehr auf die Touren, die Konzerte, auch auf neue Alben, aber ich möchte bewusst etwas mehr Zeit für mich, meine Familie, meine Hobbys haben. Der Bauernhof bedeutet zwar sicher auch viel Arbeit, aber eben eine, die komplett konträr zum ultrahart- und permanent unter Feuer stehenden Musikbusiness steht.

Nimmt ein Rockstar wie Philipp Burger Fördergelder oder verzichtet er wegen seines Reichtums darauf?

Welcher Reichtum? Den an Erfahrung und Verantwortung? (lacht). Nein im Ernst, bis heute habe ich jeden Cent meines Verdienstes, egal ob früher durch meine Zimmerei oder eben auch als Sänger von Frei.Wild in dieses Land in- und- oder reinvestiert. Wohlgemerkt auf Frei.Wild bezogen, Geld, das zum übergrößten Teil in Deutschland erwirtschaftet und verdient wurde. Bis jetzt habe ich noch nicht um Fördergelder angesucht, aber ja, jetzt bei dieser enormen Investition würde ich wie jeder andere Person auch, Fördergeld nehmen. Sofern es mir eben zusteht. Warum auch nicht? Ich habe bis heute noch um keinen Cent Beitrag angesucht.

Frei.Wild hat bis heute noch nie Förderungen des Landes in Anspruch genommen. Warum nicht? 

Nun, weil ich es, oder besser gesagt, weil wir es alle so immer besser fanden. Bei der Erstwohnung passte mir die jahrelange Bindung nicht. Beim damals vom Land angebotenen Band-Starthilfebeitrag fürs  Ausland haben wir nein gesagt, weil wir uns hinterher nicht vorhalten lassen wollten, wir wären irgendjemandem hier für irgendwas etwas schuldig. Beim Alpen Flair das selbe, so ohne Beitrag ging es weitaus einfacher, schneller und ohne „Gebettle“ (lacht). Ja, und als Zimmerer wegen ein paar Euro für die Maschinen anzusuchen war mir schlichtweg auch zu „lästig“. Bei diesem großen Investitionsvolumen von Stall und Futterhaus, das ja ebenso erneut an einheimische Unternehmen zurückfließt, würde ich mich dafür entscheiden. Ich wäre ja wohl blöd, wenn ich es nicht täte. Zudem sagte ein schlauer Mann aus meinem engsten Umfeld neulich: „Philipp, wenn du wirklich ein waschechter Südtiroler Bauer werden willst, musst du auch die Förderungen nehmen, sonst wirst du nie einer :).“

2018 war für Frei.Wild erneut ein extrem erfolgreiches Jahr. Welche Pläne und guten Vorsätze gibt es für heuer? 

Ja, 2018 war der Wahnsinn. Für 2019 heißt unser Motto: Einfach mit Freude, als Freunde, mit Fleiß, mit Liebe, Stolz und Leidenschaft da weiter machen wo wir aufgehört haben und auch vorne gehen! Alles andere kommt von ganz alleine oder liegt schon fest eingetragen in unserem Terminkalender. Wir freuen uns aber schon auf ein super Live-Jahr mit einem noch tolleren Alpen Flair 2019.

Interview: Heinrich Schwazer

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (18)

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  • einereiner

    Ach mei, wieder ein Anfänger, der meint in der Landwirtschaft kann man Geld verdienen. Stall und Stadel….klingt nach Milchviehbauer, so mit jeden Tag zweimal zum Melken in den Stall….viel Spass. In Schweden geben Bauern mit 120 Kühen auf, in Südtirol jede Woche einer oder zwei.
    Ich hab schon einige erfolgreiche Unternehmer in die Landwirtschaft einsteigen sehen, die meinten sie könnten es den Bauern mal zeigen wie man wirtschaftet. Jeder ist gescheitert.

    • itler

      Schon mal dran gedacht dass sein Hof NICHT profitabel sein muss wenn er es nur aus Spaß an der Sache bzw als Ausgleich macht?
      Wenn er bei Plus-Minus Null rauskommt ist es ja ein günstiges Hobby für ihn!

  • billy31

    Ist ja voll zu respektieren find ich. Trotz Ruhm und Reichtum morgens um 5:00 aufstehen und in den Stall gehen. Das sollten alle Kritiker erst mal versuchen…
    Hut ab Philipp

    • yannis

      @billy31,
      Perfekte Ironie ! ( er wird dann sicher an sieben Tagen die Woche und 365 Mal im Jahr dies tun, so wie die kleinen Bergbauern um das tägliche Brot zu verdienen es müssen) ha, ha, ………!

    • einereiner

      habe auf einem anderen newsportal gelesen, dass er Mutterkuhhaltung macht. Somit ist klar, es ist nur ein Hobby.
      Geld verdienen kann man damit nicht.
      Er bearbeitet die Felder und kümmert sich um Tiere….das verdient Respekt. Denn von diesen Leuten geniesst und lebt der Rest der Südtiroler, von denen mancher glaubt, die schöne Landschaft ist gottgemacht.

  • watschi

    fùr die stallarbeiten wird sich schon jemand finden. die bùhne stelle ja auch immer andere auf

  • stanislaus

    Genau das ist es, was die Grossbauern, Hobbybauern und Hotelierbauern so unsympathisch macht: fast genau so hohe Beiträge wie die wirklich bedürftigen Bergbauern, die als Alleineunkommen 8-10 Kühe im Stall haben. Es ist höchst an der Zeit dass auch in der Landwirtschaft zur Beitragsbemessung die Vermögenssituation (ähnlich der EVEE) herangezogen wird und dass für jeden Betrag eine strikte Rechnungslegung erforderlich ist und nicht nur z.T. überhöhte Kostenvoranschläge.

    • leser

      Ja dann würden due beträge für den weinbergweg, due firma duka der furma durst. Fimstral usw wohl anders ausfallen
      Aber dann würde es due arbeitskräfte für euch neidenden kriecher nicht geben

  • goggile

    schafft alle beiträge ab und somit eine Horde von beamten und Ämtern. die Diktatur die durch beitrage entsteht, verstehen einfache leute nicht.

  • politikverdrossener

    Gscheider um 5 Uhr mit die Kühe a Maul voll reden,wie an Scheiß ins Micro zu schreien

  • hubi

    wenn er den Hof selber mit seiner Familie bewirtschaften will ……Respekt!

  • checker

    Ihr seid so naiv! Er tut es ja hauptsächlich wegen der Beiträge…als Bauer kann ich 1. viel einfacher Häuser bauen und noch dazu kann ich auch mit Beiträgen rechnen. Ich darf dann Urlaub auf dem Bauernhof anbieten und noch vieles mehr. Also ökonomisch zahlt es sich aus. Jeder andere in Südtirol kommt ohne Millionen hinzulegen gar nicht erst in den Genuss von Neuimmobilien.
    Bei Bergbauernwirtschaft bin ich sogar für eine Förderung. Bei den Talbauern naja…will ich jetzt nicht weiter drauf eingehen.

  • checker

    Es ist sein legitimes Recht die Gesetze zu seinem Vorteil zu nutzen und ich würde es ihm nicht ankreiden. Er ist super erfolgreich und hat eine Topband von null auf zu einer Megafirma gemacht. Kann man nur den Hut davor ziehen.

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