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Zahlen mit dem Handy

Bargeldloses Bezahlen mit dem Smartphone: Was können Apps wie ApplePay, Google Pay und Co. eigentlich? Und: Wie sicher ist das Bezahlen mit dem Handy? 

von Lisi Lang

In zehn Jahren wird es keine Bankomat- oder Kreditkarten in der heutigen Form mehr geben. Davon ist Paolo Riva, Ressortleiter von Virtual Banking bei der Volksbank überzeugt. Das Handy, vielmehr das Smartphone, wird die Plastikkarten als gängiges Zahlungsmittel ablösen. Dadurch soll das Bezahlen einfacher, schneller und praktischer werden. Lange Schlangen an den Kassen sollen künftig der Vergangenheit angehören.

Schon jetzt bieten die großen Online-Giganten wie Apple, Google oder Samsung erste Möglichkeiten an, um mit dem eigenen Smartphone Zahlungen im Supermarkt oder beim Bäcker tätigen zu können. Man spricht in diesem Fall vom sog. „mobile payment“. „Die Bankomat- oder Kreditkarten werden in speziellen Apps gespeichert, die es den Kunden ermöglichen, mit dem Handy anstelle der Plastikkarten zu bezahlen“, erklärt Paolo Riva.

Klingt schnell und bequem. Aber wie funktioniert das neue System? Künftig können Bürger, sofern sie die entsprechenden Apps auf ihrem Smartphone installieren können und das Handy demnach mit dem Dienst kompatibel ist, ihre Karten in eine virtuelle Geldbörse speichern. Beim Bezahlen an der Kasse braucht man dann künftig nicht mehr nach der Geldbörse suchen, sondern kann einfach nur sein Handy an das Bankomat-Gerät halten und so bezahlen. Je nach App werden der eigene Fingerabdruck oder ein Passwort zur Bestätigung gefordert. „Es ist einfach und sicher und wird sich im Alltagsgebrauch sicher durchsetzen“, ist Paolo Riva überzeugt.

Die App ApplePay gibt es bereits seit einem Jahr auf dem italienischen Markt und hat bereits Vereinbarungen mit den großen Banken abgeschlossen. Jetzt hat auch Google eine eigene App ausgearbeitet. Selbst der Uhrenhersteller Garmin arbeitet an einer App, um das Bezahlen mit der eigenen Uhr zu ermöglichen. „Das ist sicher die Zukunft: Das eigene Handy ist zu einem sehr persönlichen Gegenstand geworden, welchen man immer bei sich hat“, erklärt Paolo Riva.

Aktuell arbeiten aber noch nicht alle Banken mit allen Anbietern zusammen. Die Kunden müssen sich demnach vorab informieren, mit welchen Unternehmen ihre Hausbank arbeitet und mit welchen Apps die Karten kompatibel sind. Auch müssen die Geschäfte Lesegeräte für das kontaktlose Bezahlen haben, damit die neue Zahlungsmethode funktioniert.

Auch wenn die neue Zahlungsmöglichkeit europaweit immer mehr Zuspruch findet, sind die Nutzungszahlen in Südtirol noch recht bescheiden. Nur einige wenige Kunden nehmen die Dienste in Anspruch. „Für viele Menschen ist diese Zahlungsmethode neu, da sie meist noch mit Bargeld bezahlen. Für sie wird der Sprung daher noch größer sein“, weiß Ressortleiter Paolo Riva.

Verbraucherschützer in ganz Europa zeigen sich aktuell noch nicht ganz begeistert von diesen neuen Möglichkeiten. Vor allem die Sorge um die Sicherheit der Daten schreckt sie ab. Auch Walther Andreaus von der Verbraucherzentrale Südtirol betont, dass derartige Entwicklungen mit einem wachsamen Auge beobachtet werden müssen (siehe Kasten).

Für Paolo Riva sind diese Sorgen unbegründet: „Die Menschen geben viel mehr auf ihr eigenes Handy acht, als auf ihre Geldbörse.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • stubenruss

    Bevor man mit dem Mobiltelefon bezahlen kann muss man zuerst Geld auf dem Konto haben. Unsere Brieftaschen werden so leer und die Banken übermäßig voll Geld und zugleich Besitzer des Geldes. Wir sind dann nur mehr Gläubiger, also nicht nur Bargeldlos sondern Geldlos. Und wenn Banken oder Bankster Besitzers unsere Geldes werden, dann kann auch Einiges schief gehen. Auch der Staat hat dann vollen Zugriff auf unser Geld ohne uns zu fragen.

  • george

    Dieser Herr von der Volksbank täte besser daran den Mitgliedern der Volksbank ihre Volksbankaktien zu einem ordentlichen und würdigen Preis abzukaufen, anstatt hier mit virtuellen und fadenscheinigen Mitteln ihnen noch weiteres Geld herauszulocken.

  • richard

    Die totale Abhängigkeit von den Anderen. Die Unterwerfung und die Bereicherung der Reichen in sich wird immer schneller und offensichtlicher. Das elektronische Zeitalter hat erst begonnen, der Angestellte an den Kassen wird überflüssig und die Elektronik übernimmt sämtliche Arbeitsplätze, so werden nur noch Fachkräfte benötigt, der einfache Mensch ist out.

  • checker

    Sehr problematische Entwicklung, ja es ist bequem und ja man wird uns wieder einreden, dass man die (kleinen) Steuersünder leichter bekämpfen kann. Aber Fakt ist, dass eine bargeldlose Gesellschaft, die man um jeden Preis will einen wichtigen Kontrollmechanismus verliert. Kommt nämlich eine Bank in Schwierigkeiten, bekommt man das Geld nicht mehr heraus, bzw. der viel gefürchtete „Bankrun“ wird unmöglich, in so einem Fall verlieren wir dann unser Geld. Ebenso kann eine Zentralbank unbegrenzt Negativzinsen erheben ohne dass sie fürchten muss, dass die Leute ihr Geld abheben. Auch in Italien hat man damit sehr viele neue Möglichkeiten, man kann die Leute zwingen mit ihrem Vermögen für die Staatsschulden zu haften. Raus bekommt man eh nichts mehr. Die Leute haben von dem all keine Ahnung, sie sind ja totale Geldsystemanalphabeten und rennen ins Verderben.
    Ich kann nur sagen: „Welcome to hell“.

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