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„Weiß wofür ich kämpfe“

Magdalena Gschnitzer aus Sterzing setzt sich seit Jahren gegen das Walschlachten ein. Die 34-Jährige kämpft unermüdlich für die Rechte von Tieren. Was sie dabei erlebt. Und: warum sie einen Tag lang sogar inhaftiert war. 

Tageszeitung: Frau Gschnitzer, wollten Sie immer schon die Welt verbessern?

Magdalena Gschnitzer: Wenn jemand sagt, er möchte die Welt verbessern, hat dies meist einen negativen Beigeschmack. Deshalb mag ich diese Zuschreibung nicht. Aber ich weiß, ich werde alles Erdenkliche tun, dass es weniger Ungerechtigkeiten gibt. Tiere haben oft keine Stimme, diese möchte ich ihnen geben. Mir wurde bereits eine Waffe ins Gesicht gehalten, was natürlich schlimm war, aber ich weiß wofür ich kämpfe.

Was war dann der ausschlaggebende Grund, als sie gesagt haben, so kann es nicht mehr weitergehen, ich muss etwas ändern?

Ich wusste schon früh, dass ich keinen gewöhnlichen Job machen möchte. Ein einschneidendes Erlebnis vor fünf Jahren hat dann alles verändert. Ich war in Thailand und beim Tauchen habe ich einen Zackenbarsch gesehen, der sich in ein Geisternetz, das Fischer verloren haben, verheddert hat. Der Fisch war sehr verletzt. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich unter Wasser geweint habe. Wir haben ihn dann befreit und er ist eine Zeit lang neben uns hergeschwommen. Das war der Augenblick, wo ich begriffen habe, das will ich mein Leben lang machen.

Und so sind Sie dann zur Meeresschutzorganisation “Sea Shepherd” gekommen?

Ja genau. Ich habe zuerst eine Tauchlehrer-Ausbildung gemacht. Dann habe ich mich 2014 bei “Sea Shepherd” beworben, da mich vor allem der Meeresschutz interessiert und die Unterwasserwelt einfach „meins“ ist. Ich konnte dann einen der 500 Plätze für eine große Kampagne auf den Färöer-Inseln ergattern. Das war eine sehr prägende Zeit für mich.

Warum? Was haben Sie dann vor Ort erlebt?

Auf den Färöer-Inseln hat der Walfang eine sehr alte Tradition und sie ist nach wie vor erlaubt. Denn die Färöer gehören nicht zur EU und sie haben somit eigene Gesetze. Früher war dies durchaus legitim, da die Einwohner dieses Fleisch zum Überleben brauchten. Heute ist das aber nicht mehr der Fall. Sie schlachten mehr Wale als sie essen können. Das heißt: Viel Fleisch wird einfach weggeschmissen. Zudem ist es auch noch schadstoffbelastet. Das ist ihnen aber egal, sie schlachten trotzdem weiter. Um das aber zu verhindern stellen wir uns als Aktivisten zwischen Wale und Walfänger. Wir versuchen die Tiere mit lauten Geräuschen zu vertreiben, damit sie nicht in deren Hände geraten. Einmal wurde ich sogar verhaftet und saß eine Nacht im Gefängnis, weil ich mich zwischen 12 oder 13 Walfänger gestellt habe. Ich wurde verurteilt und von der Insel für eine Zeit lang verwiesen. Das hält mich aber nicht ab, im Gegenteil, ich kämpfe seitdem noch stärker weiter. Für mich gibt es kein Weg zurück.

Warum ist es so wichtig, was in unseren Weltmeeren passiert?

Die Meere geben uns Nahrung, Energie und Rohstoffe. Das heißt: Sie sind für die Sauerstoffversorgung zuständig und zugleich gelten sie als Nahrungsgrundlage. Was viele auch nicht wissen ist, dass die Ausscheidungen der Wale sehr wichtig sind, da diese als Dünger für die Meere dienen. Viele Organismen ernähren sich auch davon. Wenn diese aber getötet werden, wohin soll das dann führen? Aber auch das Plastik ist ein großes Problem. Vergiften wir die Fische, etwa durch Plastik, nehmen auch wir schädliche Substanzen auf. Die Tendenz geht aber dahingehend, dass nicht weniger Plastik in die Meere gelangt, sondern immer mehr. Auch die Überfischung ist ein sehr aktuelles Thema. Viele Fischarten sind in Gefahr. Wir können den Meeren nicht alles wegnehmen und sie verschmutzen. Das Problem ist aber, dass den meisten die vielen negativen Auswirkungen gar nicht bewusst sind.

Deshalb leisten Sie auch Aufklärungsarbeit und setzen sich nicht nur für Wale auf den Färöer-Inseln ein…

Ja genau. In Schottland habe ich mich für Robben eingesetzt, in Mittelamerika für Haie, in Afrika für Schildkröten. Dann habe ich auch Projekte gemacht, wo ich nur Müll aus den Meeren gesammelt habe. Drei Kampagnen habe ich selbst ins Leben gerufen: Ich bin Korallenpflanztrainerin. Ich weiß, wie man Korallen pflanzen kann und habe das dann den Touristen beigebracht. Dann habe ich eine Radtour von Vancouver bis nach Mexiko gemacht, um die Menschen aufzuklären und Vorträge zu halten. Das aktuellste Projekt ist ein Dokumentarfilm, den ich selbst drehe, bei dem ich Menschen weltweit porträtiere, die sich selbst für eine bessere Welt einsetzen.

Was hat Sie bislang am meisten berührt?

Da gibt es leider viele Erlebnisse. Fest verankert in meinem Kopf haben sich sicherlich die Bilder von den Delfinen in Japan, wo nach wie vor das Fangen und Schlachten dieser Tiere ein Thema ist. Das Schlimmste ist aber, wie die Delfine reagieren, wenn ihre Familienmitglieder getötet werden. Viele springen dann aus dem Wasser und schlagen ihre Körper an die Wand, weil sie es nicht ertragen können.

Machen Sie diese ganzen Kampagnen dann freiwillig oder werden Sie dafür bezahlt?

Der Großteil meiner Arbeit ist ehrenamtlich. Für diese Kampagnen gibt es kein Geld. Da ich aber viele Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet habe, konnte ich mir Einiges zurücklegen. Bald reicht es aber nicht mehr aus. Deshalb mache ich mich ab Jänner 2019 als Filmemacherin selbständig. Zudem schreibe ich gerade an einem Kochbuch.

Vor kurzem hat die UN-Klimakonferenz in Polen stattgefunden. Was würden Sie als Erstes verändern wollen?

Ich würde auf alle Fälle mit Plastik und dem unnötigen Töten von Meerestieren anfangen. Es bräuchte hier viel strengere Regeln, die auch umgesetzt werden und nicht nur in der Theorie bestehen. Denn zum Beispiel auf den Färöer-Inseln ist das Verkaufen von Walfleisch verboten, trotzdem wird es auf dem Schwarzmarkt verkauft. Die Behörden greifen zu wenig ein. Hier müsste mehr passieren. Und beim Thema Plastik wäre ich auch sehr hart. Ich würde Einwegplastik komplett verbieten.

Interview: Eva Maria Gapp

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (1)

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  • leser

    Liebe frau magdalena gschnitzer
    Ich habe grossen respekt für das was du machst und die entbehrumgen due du für diese sache in kauf nehmen musst ich hoffe du bleibst heil auf deinem weg
    Mein beitrag zum umweltschutz ist bei weitem nucht in dem masse wie deiner du bist ein vorbild

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