Du befindest dich hier: Home » Südtirol » Gierige Badante

Gierige Badante

Eine russische Pflegerin, die einer betagten Frau 48.000 Euro abknöpfte, ist am Landesgericht in Bozen verurteilt worden.

Die beiden Frauen, eine betagte Frau mit Alzheimer und eine 61-jährige russische Pflegerin, lebten gemeinsam in einer Wohnung in St. Vigil in Enneberg. Es gab Probleme, sodass die Tochter der Betreuten die „badante“, die monatlich tausend Euro verdiente, entließ.

Im dazugehörigen Streitfall vor dem Arbeitsrichter wurde deutlich: Es fehlte Geld, insgesamt 54.000 Euro. Die Überprüfung durch die Finanzwache Bruneck im Rahmen eines Strafverfahrens ergab, dass der Betrag auf dem Konto der russischen Pflegerin gelandet war.

Gierige „badante“.

Die Frau hatte, ohne dass der Vormundschaftsrichter und der Sachwalter etwas merken, während des Zeitraums 2009 bis 2013 zumeist kleinere Beträge (bis höchstens 1.200 Euro) vom Konto der an Alzheimer leidenden Frau auf ihr eigenes transferiert. Letztere ist inzwischen verstorben.

Und die „badante“ wurde nun am Landesgericht im Rahmen eines verkürzten Verfahrens von Vorverhandlungsrichter Emilio Schönsberg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen Übervorteilung einer wehrlosen Person verurteilt. Zunächst hatte die gebürtige Russin die Geldtransfers damit gerechtfertigt, dass sie Einkäufe für die Betreute habe tätigen müssen.

Doch dafür fand sich auf ihrem Konto keinerlei Nachweis.

Die 61-Jährige wurde außerdem verurteilt, den Erben der Verstorbenen 48.000 Euro Schadenersatz zu zahlen. Die Schadenssumme hat sich wegen Verjährung inzwischen auf diesen Betrag reduziert.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentare (7)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • andreas

    Es ist nicht gerade sinnvoll der Badante eine Vollmacht über das Konto zu geben und auch sollte es nicht so schwierig sein, die Kontobewegungen zu kontrollieren, online geht es von jedem Ort der Welt.
    Geld für allfällige Ausgaben kann man monatlich überweisen oder vorbeibringen.
    Dafür müsste man sich aber wohl oder übel ab und zu um die Eltern kümmern.
    1.000 Euro ist auch nicht die Welt, die derzeitigen Tarife für 24h sind jedenfalls bei ca. 1.400 Euro.

    Aber schön, wenn die Erben sich jetzt Zeit nehmen.

  • ollaweilleiselber

    Der Sachwalter legt dem Vormundschaftsgericht einmal jährlich einen Rechenschaftsbericht vor. Darin werden neben dem allgemeinen Wohlbefinden der Begünstigten auch die ökonomischen Aspekte dargestellt. Dazu sollte der Sachwalter natürlich auch die Kontobewegungen und deren Übereinstimmung mir den Spesenbelegen kontrolliert haben. Also müsste aufgefallen sein, dass Beträge ohne entsprechenden Beleg vom Konto abgehoben worden sind, an und für sich keine schwierige Aufgabe.
    Bleibt zu hoffen, dass die Begünstigte gut betreut wurde, denn deren Wohlergehen ist das Hauptanliegen der Sachwalterschaft. (Art. 404 ZGB).
    „Consilio et opera curatoris tueri debet non solum patrimonium, sed et corpus ac salus ….“

  • robby

    wenn der Vormundschaftsrichter und der Sachwalter das Fehlen von 54.000 Euro nicht auffielen dass stellt sich die Frage nach deren Daseinsberechtigung.

    • yannis

      @robhby,
      In der Tat, sollte es bemerkt worden sein, aber so mancher von diesen ominösen Betreuern scheint von dem zuständigen Vormundschaftsgericht Narrenfreiheit eingeräumt bekommen, oder wie sonst geht sowas unbemerkt über die Bühne.
      Hier sollten die Aufsichtsbehörden als erstes belangt werden, aber wer kontrolliert den Kontrolleur ?
      Des weiteren werden Wohnheime für Behinderte und Alte kaum kontrolliert und wenn, dann mit vorheriger Anmeldung, wenn man nichts finden will, findet man eben nichts, basta.

      • ollaweilleiselber

        @yannis
        das Gericht kontrolliert den vom Sachwalter vorgelegten Bericht, hat dazu aber sehr wenig Zeit und somit werden vermutlich nur Stichproben gemacht.
        Zudem gibt es noch gut gemachte aber auch sehr schlampig gemachte Berichte, denen man ihre mangelnde Qualität aber nicht sofort ansieht.
        DESHALB: der Rechenschaftsbericht muss von fachkundigen Personen kontrolliert werden und das müssen nicht unbedingt die Richter sein. Damit würden die Richter entlastet und die Kontrollen verbessert.

    • pushtrabui

      Sachwalter kann auch ein Familienmitglied sein. Das macht vieles einfacher und die Frage ob man dem Sachwalter vertrauen kann ist damit auch (meist) geklärt.

    • ollaweilleiselber

      nicht Daseinsberechtigung, sondern Kompetenz

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2018 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen