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Das Steuer-Glück

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Das Land Südtirol generiert durch Glücksspiele mehr als 46 Millionen Euro an Steuereinnahmen – weitere 4,5 Millionen die Region. Für die Bekämpfung der Spielsucht wird nur ein minimaler Teil davon ausgegeben.

von Heinrich Schwarz

Glücksspiel macht reich, könnte man sagen. Zumindest aus Sicht der Glücksspiel-Konzerne, aber auch der öffentlichen Hand. Es werden jedes Jahr nämlich Milliarden Euro an Steuereinnahmen aus Glücksspielen generiert.

Doch der Reihe nach:

Wie die TAGESZEITUNG berichtete, veröffentlichte die staatliche Agentur für Zoll und Monopole die Glücksspiel-Statistiken des Jahres 2017. Daraus geht hervor, dass im Vorjahr italienweit über 101 Milliarden Euro in Glücksspiele – traditionelle/physische und Online-Glücksspiele – gesteckt wurden. Davon flossen gerade einmal etwas mehr als 82 Milliarden Euro als Gewinne zurück. Das heißt: 19 Milliarden Euro wurden verzockt.

Für Trentino-Südtirol wurden nur die Daten der traditionellen/physischen Glücksspiele veröffentlicht: Über 1,2 Milliarden Euro wurden investiert, 946 Millionen Euro flossen als Gewinne an die Spieler zurück und 260 Millionen Euro wurden verzockt.

Die regionalen Daten zum Online-Glücksspiel kann man nur abschätzen: 430 Millionen Euro investiert, 410 Millionen gewonnen und 20 Millionen verloren.

Was bedeutet das Glücksspiel-Geschäft nun für die Staatskassen?

Die Einnahmen des Staates aus dem Glücksspiel beliefen sich im Vorjahr auf sage und schreibe 9,8 Milliarden Euro.

Die TAGESZEITUNG hat beim Landesamt für Einnahmen recherchiert, wie hoch die Glücksspiel-Einnahmen für Südtirol sind. Laut Amtsdirektor Ludwig Castlunger waren es im Vorjahr 46,08 Millionen Euro. Das sind immerhin rund ein Prozent des Landeshaushaltes.

Die Berechnung der Landeseinnahmen ist etwas komplex. Grundsätzlich stehen dem Land 90 Prozent der Steuereinnahmen aus den innerhalb des Landesgebietes getätigten Wetten und Spiele zu – unabhängig vom Steuersitz des Spielebetreibers oder Konzessionärs. Die Lotto-Einnahmen gehen allerdings an die Region. Und die Einnahmen durch Lotterien (Rubbellose), Bingo und Superenalotto fließen ebenfalls nicht in den Landeshaushalt, weil sie nicht als Steuereinnahmen, sondern als vermögensrechtliche Einnahmen deklariert werden.

Den allergrößten Teil der Steuereinnahmen generierte das Land im Vorjahr durch sogenannte „New Slot“ mit über 24 Millionen Euro und durch „Videolottery“ mit fast 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es noch 18 bzw. 16 Millionen Euro, also deutlich weniger.

Die Region Trentino-Südtirol kassierte im Vorjahr dank Lotto rund 4,5 Millionen Euro an Steuereinnahmen.

Stellt man die Glücksspiel-Steuereinnahmen des Landes von mehr als 46 Millionen Euro den Ausgaben des Landes für die Bekämpfung der Spielsucht gegenüber, wirken Letztere äußerst mickrig: Im Vorjahr wurden dem Netzwerk Spielsucht (Prävention und Therapie) 383.000 Euro zur Verfügung gestellt. Dieses Geld reiche für eine angemessene Tätigkeit aber aus, sagt Manuel Oberkalmsteiner vom Forum Prävention.

In Südtirol gibt es laut einer ASTAT-Studie aus dem Jahr 2016 zwischen 4.000 und 7.000 Spielsüchtige und weitere 12.000 Menschen mit einem problematischen Zugang zum Glücksspiel.

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Kommentare (5)

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  • rota

    Diese Darstellungen beinhalten nur die halbe Wahrheit. Warum werden nicht die Zusammenhänge Parteispenden, Steuererlassung, Auslandbeteiligungen, Kirche usw mit ausgeleuchtet?

  • ahaa

    Das Schwarzgeld wird auch vom Land gerne genommen!Wenn sich die Leute in den Ruin treiben,verschulden ist es denen Recht!

  • franz

    Das Steuerglück einiger Politiker.
    Dafür wird der kleine Mann Lohnabhängige . Rentner und Kleinunternehmer mit horrenden Steuern massakriert.
    Wie schon zum Thema “ verzockte Millionen “ geschrieben.
    https://www.tageszeitung.it/2018/12/06/verzockte-millionen/#comment-393745Der
    & z. B
    PD – Enrico Letta und die 15.000 die Letta über der Stiftung “Verdo“ bekommen hat.
    Im Gegenzug von hunderten Millionen € Steuererlass.
    I rapporti fra Letta e le lobby del gioco d’azzardo: intervista a Giovanni Endrizzi, senatore M5s
    „fondazione, la ‚Vedrò‘, che è finanziata da Lottomatica e Sisal“. Ma non è tutto. Perchè „Letta ha ricevuto – chiariva Endrizzi in un intervento al Senato del 22 maggio – 15mila euro di contributi da porsi come titolare di Hbg“, un’altra azienda di giochi.“
    http://www.today.it/politica/letta-lobby-giochi-azzardo.html

  • yannis

    Es ist wie mit dem Alc, Tschigg’s usw. alles Geldquellen für den Staat, wobei der Volkswirtschaftliche Schaden den sie anrichten selten geringer ist als die Steuereinnahmen ausmachen.

  • robert22

    Natürlich verdient der Staat auch durch Glücksspiele. Es gibt auch viele Arbeitsplätze in der Glücksspielbranche, das sollte man auch nicht vergessen. Und der Mensch zockt schon seit über 5000 Jahre. Man kann das nicht einfach so verbieten. Die Regulierung hilft auch, hohe Standards zu behalten und den Spieler zu schützen. Wenn man sowieso zockt, ist es besser, dass man es zumindest in einer legalen Spielbank tut, oder Online bei 888, DrückGlück oder einem anderen bekannten Anbieter, als in der Schwarzzone zu schweifen. Dass man mehr Steuergeld in die Suchtprävention investieren sollte, ist ja Wirklichkeit, und zwar eine unschöne. Anstatt das Unvermeidliche zu bekämpfen, sollte man die Leute einfach lehren, wie damit umzugehen.

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