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Die Abtrünnigen

Trotz Lockerung der Raiffeisen-Reform schließt sich die Raika Ritten definitiv einer nationalen Bankengruppe an – St. Martin in Passeier wohl auch.

von Heinrich Schwarz

Am Donnerstagabend konnten die SVP-Parlamentarier in Rom die frohe Botschaft übermitteln: Die Abgeordnetenkammer hat das Steuerdekret, das den Raiffeisen-Passus für Südtirol enthält, definitiv genehmigt.

Demnach müssen sich die 39 Südtiroler Raiffeisenkassen nun doch nicht zu einer Landesgruppe zusammenschließen und damit einen guten Teil ihrer Eigenständigkeit abgeben, sondern sie können als Alternative auch nur einen Haftungsverbund nach deutschem Modell bilden. Dabei würden die einzelnen Raikas gegenseitig haften, aber ihre Eigenständigkeit behalten. Ein Garantiefonds soll in schlechten Zeiten Stabilität gewährleisten.

Wie geht es jetzt weiter?

„Die einzelnen Raikas haben in den Beschlüssen der Vollversammlungen zur Gründung einer Landesgruppe eine aufhebende Klausel drinnen. Diese wird am 27. Dezember beim Notar von allen bestätigt. Bis zum 7. Januar muss jede Raika der Banca d’Italia mitteilen, ob sie für den Haftungsverbund ist oder nicht. Danach muss mit der Banca d’Italia der zeitliche Rahmen abgesteckt werden. Die Vorbereitungen werden dann wohl einige Monate bis höchstens ein Jahr dauern“, erklärt Herbert von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes.

In einer Urabstimmung der Raika-Obmänner sei bereits von allen bekräftigt worden, dass man einen Haftungsverbund bilden will.

Zwei Raikas klinkten sich allerdings schon vor zwei Jahren aus: Nachdem die damalige Regierung die Reform der italienischen Genossenschaftsbanken beschloss, wonach sich alle Kassen einem nationalen Konzern anschließen müssen – mit Ausnahme von Südtirol, wo eine Landesgruppe ermöglicht wurde –, entschieden sich die Raikas Ritten und St. Martin in Passeier, sich einer der beiden nationalen Gruppen, „Cassa Centrale Banca“ (CCB) mit Sitz in Trient, anzuschließen.

Beide Kassen standen immer wieder in Konflikt mit Raiffeisenverband und Landesbank und erhofften sich durch den Abschied mehr Freiheiten. Dass sie dafür den Weisungen des Trientner Konzerns Folge leisten müssen, nahmen sie in Kauf.

Jetzt haben sich die Rahmenbedingungen plötzlich geändert: Ritten und St. Martin sind nicht mehr gezwungen, sich einer Bankengruppe anzuschließen, sondern könnten in den Haftungsverbund mit den anderen Raikas einsteigen. Tun sie das nicht, müssen sie Teil eines nationalen Konzerns mit den daraus resultierenden Einschränkungen und anderen Folgen werden.

Also: Lieber der Verbleib beim (ungeliebten) Raiffeisen Südtirol mit Haftungsverbund – oder doch lieber den eingeschlagenen Weg zur nationalen Bankengruppe weitergehen?

WAS DIE BEIDEN RAIKAS SAGEN, LESEN SIE IN DER SAMSTAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG.

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