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Emigranten in Brixen

Am 15. Dezember zeigt das Wiener SpielBAR Ensemble das absurde Theaterstück „Emigranten“ von Slawomir Mrozek in der Dekadenz. Der Clou am Stück: die beiden Rollen sind mit jungen Schauspielerinnen statt mittelalten Herren besetzt.

 Worum geht’s?A, die Intellektuelle, und X, die Gastarbeiterin, teilen sich einen Kellerraum als Unterkunft. Zwar sind sie beide Emigrantinnen desselben Landes, doch die Gemeinsamkeiten des politischen Flüchtlings A und der bäuerlichen Gastarbeiterin X sind sehr gering. Es verbindet sie, dass sie beide ihre Heimat zurückgelassen haben, ihre Auffassungen von Glück und Freiheit jedoch könnten nicht unterschiedlicher sein. Mit psychologischen Machtspielen bekriegen sie einander boxkampfartig in ihren unterschiedlichen Auffassungen und Lebensidealen. Es geht um den eigenen Vorteil. Der Überlebenskampf in der neuen Heimat ist hart und man ist sich selbst am nächsten. Bei all dem Unverständnis und der Verachtung füreinander und für die Welt da draußen merken die beiden dennoch, dass sie mehr voneinander abhängig sind als sie es gedacht hatten.

Slawomir Mrozek, geboren 1930 in Borzecin bei Krakau, studierte Architektur, Kunstgeschichte und Orientalistik. In Polen war er zunächst als Karikaturist erfolgreich, bevor er als Schriftsteller in Erscheinung trat. 1957 erschien sein erstes Buch mit satirischen Erzählungen. Sein Stück „Emigranten“, das 1974 für zwei Männer zwischen 30 und 40 geschrieben wurde, wird hier durch die Inszenierung mit zwei jungen Frauen in einen neuen Kontext gesetzt. Unter der Regie von Agnieszka Salamon spielen Denise Teipel und Cristina Maria Ablinger die Figuren A und X und schlüpfen dabei in ihre verschiedenen Persönlichkeitsfacetten: Junge Tussi und Mann mittleren Alters, Intellektueller und Arbeiter, Künstlerin und ambitionierte junge Frau. Jede dieser Persönlichkeiten stellt sich der Frage, was Heimat bedeutet und noch viel dringlicher der Frage, wie das Leben überhaupt funktioniert. „Das Stück besteht aus einem einzigen, boxkampfartigen Gespräch der beiden Streithähne. Das stört nicht weiter, da es einfühlsam und hellsichtig die Problematik der Entwurzelung thematisiert und auch immer wieder Witz beweist…“ (Lukas Wodicka, das Biber)

Das „SpielBAR Ensemble“ wird seit 2015 von Cristina Maria Ablingerund und Denise Teipel geleitet. Die Künstlerinnen mit türkisch-deutschem und kolumbianischem Hintergrund haben sich bei der Produktion „HEROES“ (Uraufführung Januar 2015, Werk X Eldorado) in Wien kennengelernt. Während der Arbeit an der Produktion entstand die Idee, gemeinsam ein Ensemble aufzubauen, das sich mit den Kernthemen Frauen, Migration und gesellschaftsrelevanten Entwicklungen befasst.

Termin: Emigranten von Slawomir Mrozek, am 15.12. um 20:30 in der Dekadenz in Brixen.

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