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Die Kuh-Anklage

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlung zu den 18 Kühen abgeschlossen, die im Mai auf einem Bauernhof in Schmuders kläglich verendet sind. Sie will gegen den Bauer Anklage wegen Tötung von Tieren nach Strafrechtsartikel 544 erheben.

Von Thomas Vikoler

Tiere hatten in der italienischen Strafgesetzgebung bis zum Jahre 2004 einen sehr beschränkten Schutzstatus. Mit dem neuen Tierschutzgesetz, 2012 zusätzlich verschärft, hat sich das geändert.

Neu eingeführt wurde, unter dem Abschnitt der „Delikte gegen die Gefühle von Tieren“, Artikel 544, der das Töten von Tieren unter Strafe stellt. Darauf stehen Haftstrafen von vier Monaten bis zwei Jahre Haft.

Eine Haftstrafe in diesem Rahmen droht nun einem 57-jährigen Landwirt aus Schmuders in der Gemeinde Pfitsch. Es ist jener Mann, der es zuließ, dass Anfang Mai dieses Jahres in seinem Stall 18 seiner eigenen Kühe verendeten.

Amtstierarzt Alberto Covi bot sich beim Lokalaugenschein ein schreckliches Bild: 18 Kühe lagen tot in einem Stall, in dem Kuhmist und Jauche bis auf eine Höhe von 80 Zentimetern angestiegen waren. Die Kühe waren entweder verhungert oder in ihren eigenen Exkrementen ertrunken.

Der Bauer musste sich seit mehreren Wochen nicht um sie gekümmert haben. Der Mann litt, das ist aktenkundig, an einem Alkoholproblem und war deshalb nicht in der Lage, sich um die Tiere im Stall zu kümmern.

Das Alkoholproblem ist im Strafverfahren gegen ihn, das nun formell abgeschlossen wird, freilich kein mildernder Umstand oder gar Rechtfertigungsgrund.

Die Staatsanwaltschaft will gegen den 57-jährigen Bauer aus Schmuders Anklage wegen Tötung von Tieren (in 18 Fällen) nach Strafrechtsartikel 544 zu erheben. Dazu wegen einiger Verwaltungsvergehen wegen Verletzung von Hygiene-Bestimmungen.

Der Tatverdacht der Tiermisshandlung wurde überraschend – wegen fehlenden Vorsatzes – fallengelassen. Neun Kühe hatten die Wochen im Horror-Stall überlebt und wurden später versteigert.

Der Bauernhof in Schmuders müsste weiterhin beschlagnahmt sein, denn laut Gesetz gilt eine Beschlagnahmeverfügung, wie sie Anfang Mai erlassen wurde, für ein gesamtes Jahr.

Bemerkenswert ist, dass der Bauer sich bisher nicht für die gegen ihn laufende Ermittlung (und nun vorprogrammierte Angeklagte) interessiert hat. Er wurde bisher von einem Pflichtverteidiger vertreten.

Kommt es zu einem Hauptverfahren, dürften sich mehrere Tierschutzorganisationen um eine Teilnahme als Zivilpartei bemühen. Der Fall auf Schmuders/Pfitsch sorgte italienweit für Schlagzeilen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (12)

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  • pingoballino1955

    Sperrt ihn ein,dann hat er Zeit über seine Sauereien nachzudenken .

  • huwe

    pingoballino1955
    Genau, und daß so lange bis er selber verräckt, solche Bauern sind keine Menschen, sondern Monster.

    • einereiner

      Solche Bauern sind keine Monster, sondern arme Schweine.
      Hier haben die Nachbarn und die Familienangehörigen versagt. Sie hätten erkennen müssen, dass dieser Mensch sein Leben nicht mehr meistern kann. Sie hätten ab und zu nach dem rechten sehen müssen.
      Pincopalle und huwe: schweigen ist gold

      • pat

        Und hier isser wieder der erste Möchtegerngutmensch der alle anderen beschuldigt außer den Schuldigen selbst. Ein Alkoholproblem ist keine geistige Behinderung. Wenn er das Saufen vorzieht hätte er die Tiere verkaufen sollen und dann hätte er weitersaufen können bis zum Abwinken.
        Der Typ gehört ein paar Jahre ohne wenn und aber in den Knast. Aber bestimmt erwischt er auch wieder einen von den Gutmenschrichtern der die Strafe auf Bewährung aussetzen und alles ist wie wenn es nie geschehen wäre. Europas Witzjustiz halt…

  • politikverdrossener

    Und die Gastwirte zu denen er saufen geht sind mitschuldig,auch Nachbarn die Augen zudrücken a la Auschwitz.

  • richard

    Der Mensch ist das schrecklichste Wesen dieser Welt. Jede Art von Versklavung gehört definitiv unter Strafe gestellte. Tiere werden, so wie der Mensch, frei geboren und gehören niemandem. Es ist ein Verbrechen mit Tieren so umzugehen, jeder mildernde Umstand ist nur Scheinheiligkeit.

  • yannis

    @einereiner&politikverdrossener,

    Ich sehe es genauso !

  • susi

    Armer Mann und arme Tiere. Schade, dass da nicht vorher geholfen wurde, bevor es zu all dem gekommen ist.

  • richard

    Armer Mann? das lasse ich dahingestellt! Arme Tiere? ja, waren ja auch angehängt und somit versklavt! Grundsätzlich gilt eine kollektive Verantwortung für das, was mit den Tieren in der heutigen Zeit passiert! Die Mehrheit der Gesellschaft, so wie mit dem Menschen zu Nazizeit, hat dies heute mit den Tieren zu verantworten! Fühlende, empfindende, nach Freiheit rufende Geschöpfe, vom Menschen in miserabelster Weise vernichtet! Einfach beschämend, dass sowas in unserer Gesellschaft überhaupt noch vorkommen kann.

  • bergsteiger

    Kein Nachbar in der Nähe? Kein Verwandter der sich um den Mann gekümmert hat? Armer Mensch!

  • franz

    @richard
    Was mit Tieren wie in diesen Fall oder beim Transport oder in Schlachthäusern mit Tieren passiert, usw. ist wirklich grauenhaft und eine Schweinerei.
    Die Mehrheit der Gesellschaft, so wie mit dem Menschen zu Nazizeit, hat dies heute mit den Tieren zu verantworten.
    Was zu Nazizeit mit Menschen passiert ist passiert heute mit Menschen von IS – Fanatikern.
    Oder wenn Muslime beim Schächten bei lebendigen Leib ohne Betäubung den Kopf abschneiden.
    Was IS Fanatiker übrigens auch bei Christen Kopten und Juden machen..
    Oder mit einen Auto überfahren, in die Luft sprengen oder mit einen Messer niederstechen.
    Dies vorausgeschickt , Tiere sollten gut behandelt werden.
    Nichtsdestotrotz, Tiere dienen den Mensch und nicht umgekehrt.
    In der Bibel steht: “Der, der alles Leben gemacht hat, unser Schöpfer, sagte zu den Menschen: „Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben“ (1. Mose 1:28, Gute Nachricht Bibel [GNB]). Daraus ergibt sich, dass für Gott der Mensch über dem Tier steht. Gott erlaubt, Tiere zu töten, um Leben zu schützen, oder auch zur Herstellung von Kleidung (2. Mose 21:28; Markus 1:6). Er sagte außerdem in 1. Mose 9:3: „Jedes sich regende Tier, das am Leben ist, möge euch zur Speise dienen.“ Man darf Tiere demnach auch töten, um sie zu essen. Selbst Jesus half seinen Jüngern, Fische für eine Mahlzeit zu fangen (Johannes 21:4-13).[..]

  • morgenstern

    Und was sagt der Bauernbund? Doch nur ein ein Einzelfall?

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