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Verzockte Millionen

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In Trentino-Südtirol wurden im Vorjahr über 1,2 Milliarden Euro in „traditionelle“ Glücksspiele gesteckt – 260 Millionen davon wurden verzockt. Hinzu kommen steigende Verluste bei Online-Glücksspielen.

von Heinrich Schwarz

Zwischen 4.000 und 7.000 Südtiroler sind laut einer Erhebung des Landes spielsüchtig. Weitere 12.000 Menschen zeigen einen problematischen Zugang zum Glücksspiel. Viele Familien geraten in finanzielle Notlagen.

Welche Dimensionen das Glücksspiel in Südtirol hat, zeigen auch die Statistiken der staatlichen Agentur für Zoll und Monopole. Jetzt wurde veröffentlicht, wie viel Geld im Jahr 2017 in (legale) Glücksspiele gesteckt wurde und wie viel Geld dabei verzockt wurde.

Zuerst der Blick auf ganz Italien:

Im Stiefelstaat wurden im 
Vorjahr insgesamt 74,7 Milliarden Euro in „traditionelle/physische“ Glücksspiele (alles außer online – siehe letzten Absatz) gesteckt. Das
 ist derselbe Betrag wie im vorhergehenden Jahr, aber es sind 3,5 Milliarden Euro
 mehr als 2015.

Von diesen 74,7 Milliarden
 Euro flossen nur 
57,2 Milliarden Euro als Gewinne zurück. Das ist ein Prozentsatz von gerade
 einmal 76,5 Prozent.

Das heißt also: In Italien wurden in einem einzigen Jahr 17,5 Milliarden Euro verzockt. Pro Einwohner sind das im Schnitt rund 290 Euro. Im Jahr 2015 lagen die Netto-Ausgaben für Glücksspiele noch bei 16 Milliarden Euro, also rund 265 Euro pro Kopf.

In Trentino-Südtirol (es werden keine Daten auf Provinzebene veröffentlicht) wurden im Vorjahr 1.206 Millionen Euro in traditionelle/physische Glücksspiele investiert – neun Millionen weniger als 2016 und 26 Millionen mehr als 2015.

Die Gewinne beliefen sich 2017 auf 946 Millionen Euro. Damit wurden 260 Millionen Euro verzockt.

Pro Einwohner beträgt der Verlust über 240 Euro. Im Jahr 2016 gingen fünf Millionen Euro mehr flöten, noch ein Jahr zuvor 14 Millionen weniger.

Die Gewinnquote in der Region: gerade einmal 78 Prozent. Ein alarmierender Wert, der die Zocker aber anscheinend nicht vom Glücksspiel abschreckt.

LESEN SIE IN DER DONNERSTAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG:

  • Bei welchen Glücksspielen wie viel verloren wurde: Slot-Maschinen, Lotterien, Gratta e vinci, Lotto, Sportwetten, Bingo, Pferdewetten, …
  • Der rasante Anstieg bei Online-Glücksspielen

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • ollaweilleiselber

    Der Durchschnitt von 240 verzockten Euro mag zwar stimmen, interessant aber ist, dass die Anzahl der Spielsüchtigen im Steigen ist und ein jeder dieser Abhängigen verliert im Laufe eines Jahres ein vielfaches von den 240 Euro.
    Da der Staat aber am Glücksspiel kräftig mitverdient werden wir wie bei den Tabakwaren (Nikotinsucht) und bei den Superalkoholika auch beim Glücksspiel nicht auf eine vernünftige Regelung durch den Staat hoffen dürfen.
    Nicht zu vergessen, dass die Spiel- und Wettlokale sich hervorragend zur Geldwäsche eignen.

  • franz

    Abgesehen davon, dass sich viele Menschen mit dieser Zockerei sich und ihrer Familie das Leben ruinieren.
    Ein weiterer Skandal ist, dass der Staat
    ( die letzen Regierungen des PD ) den Glücksspielbetreibern Steuernachlass von hunderten von Millionen € erlassen hat, während italienische Staatsbürger Lohnabhängige Rentner und kleine – mittlere -Unternehmer mit horrenden Steuern massakriert und ruiniert werden.
    Und Erdbebenopfer von 2016 immer noch auf Hilfe bzw. auf ihr Häuschen warten was ihnen Renzi & Gentiloni versprochen hat.
    Slot: una pagina vergognosa per Letta e il Pd
    https://www.huffingtonpost.it/riccardo-bonacina/slot-una-pagina-vergognosa-per-letta-e-il-pd_b_4113177.html

    • franz

      Der absolute Skandal, den Glückspiel Betreibern wird ein Steuerskonto in Millionenhöhe gemacht zur Bankenrettung von Mps- hat die Regierung Letta 2014 des PD das IMU-Geld verwendet.
      Monte Paschi Siena: per salvataggio stessi soldi Imu
      C’è da salvare Monte Paschi Siena: dal Governo gli stessi soldi dell’Imu
      Banca d’Italia ‚apre‘ al salvataggio. Caso vuole che l’importo – 3,9 miliardi di euro – da destinare al ‚Monte‘ è lo stesso di quanto entrato nelle casse statali con l’Imu. Monti precisa: „Ma la tassa sugli immobili non c’entra“
      http://www.today.it/politica/monte-paschi-siena-salvataggio-soldi-imu.html

  • checker

    260 Millionen für die Region Trent./AA, nehmen wir an es teilt sich 50/50 auf, macht 130 mill. für Südtirol, geteilt durch die ANzahl der SÜchtigen (7000) gibt. ca 18.000 Euro pro Süchtigem pro Jahr, gibt wiederum 1500 Euro pro MOnat. Also: jeder Süchtige verzockt im Prinzip sein ganzes Monatsgehalt.
    Toll.
    Sollte man verbieten. Es gibt genug Länder wo es KEIN Glücksspiel gibt. Siehe z.b. Australien.
    Die Leute sollten sich endlich gegen einen Staat als Dealer aussprechen. Denn wenn der Staat der Dealer ist, heisst das im Umkehrschluss, dass ich damit einverstanden bin, dass Leute in diesem Land ausgenutzt werden.
    Eine moderne Gesellschaft sollte sich nicht so definieren.

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