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Das neue Campofranco

Anfang 2020 soll das umgebaute Palais Campofranco am Bozner Waltherplatz öffnen. Die Projektträger bewerben es bereits jetzt als architektonisches Highlight.

von Thomas Vikoler

Er gilt als medienscheu und zurückhaltend. Gestern machte er eine Ausnahme: Georg Graf Kuenburg, Eigentümer des historischen Palais Campofranco, war bei der Präsentation von dessen radikaler Umgestaltung anwesend. Sehr viel sagte der Graf, der ansonsten seinen ebenfalls adeligen Projektmanager Franz Ferdinand Graf Huyn sprechen lässt, aber nicht.

Eines wurde bei dem Termin in Bozen, zu dem auch die nationale Architektur-Presse geladen wurde, aber deutlich: Das neue Campofranco hat die Ambition ein architektonisches Highlight zu werden. Zudem bemühen sich die Projektbetreiber mit marketingmäßiger Anstrengung den Eindruck zu vermitteln, mit der Adaptierung des lange Jahr kaum genutzten Palais am Waltherplatz zu einer Geschäfts- und Gastro-Meile den Boznern ein Geschenk zu machen.

Eine öffentliche Vorgabe wurde bei diesem sicherlich kostenintensiven Projekt (Graf Huyn will die Investitionssumme nicht nennen, weil es sich um ein „privates Projekt“ handle) jedenfalls erfüllt: Der Gingko-Baum im Innenhof, angeblich ein Geschenk von Kaiserin Sissi an ihren Onkel Heinrich, musste erhalten werden. Das Projekt-Team macht aus dieser Not (der Baum ist als Naturdenkmal geschützt) eine Tugend: Der Ginkgo Biloba wurde, wie berichtet, in einen monumentalen, zwölf Meter hohen und bis zu fünf Meter breiten Blumentopf eingefasst.

Er ist das zentrale Element, um das der römische Architekt Massimo D’Alessandro sein Projekt gruppiert hat. Die Treppen zu den Geschäften in den Tiefgeschoßen ringen sich um die mit Tapetenstoff bekleidete monumentale Vase. Sie soll, so verkünden die Projektbetreiber, als größter Blumentopf der Welt Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde finden.

Ansonsten ist goldenes Aluminium das dominierende Gestaltungselement: Es findet sich an den Handläufen, um den Gingko und an den geschwungenen Vollglasflächen des Restaurants, das auf der derzeitigen Terrasse zum Waltherplatz entstehen soll. Errichtet vom Bozner Vorzeige-Unternehmen Stahlbau Pichler.

Glücklicherweise wurde D`Alessandros Siegerprojekt aus dem Planungswettbewerb so abgeändert, dass die Glasfronten nicht direkt über dem Waltherplatz errichtet werden.

Im Parterre und in den Tiefgeschoßen entstehen Geschäftsflächen auf einer Größe von 1.800 Quadratmetern, eine stattliche Fläche, die sicherlich in Konkurrenz zum geplanten WaltherPark am Busbahnhofareal steht.

„Wir wollen kein Shopping Center, sondern einen Treffpunkt für die Stadt“, sagt Projektmanager Graf Huyn. Er versichert auf Anfrage der TAGESZEITUNG, dass das Campofranco nach der geplanten Fertigstellung Anfang 2020 bis zum späten Abend, wenn das Restaurant schließt, für die Bevölkerung frei zugänglich sein wird. Auch mit Durchgang zur Pfarrgasse bzw. dem Musterplatz.

Also, jedenfalls der Ankündigung nach, kein reines Business-Ghetto.

 

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