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Die Unvollendete

Winterlandschaft in Sexten (Foto: Christian Tschurtschenthaler)

Sexten und Comelico hätten zu einem Skigebiet zusammenwachsen sollen. Aber die Landesregierung hat den Plänen einen Dämpfer verpasst. Wie die Lücke gestopft werden soll.

von Silke Hinterwaldner

„Diese Lösung ist sicher nicht ideal“, sagt Fritz Egarter, „aber so bleibt vorerst einfach alles wie es bisher schon war. Zumindest auf der Südtiroler Seite.“

Der Bürgermeister von Sexten kommentiert mit diesen Worten die Entscheidung der Landesregierung den neuen Skilift mitsamt Piste am Kreuzbergpass nicht bauen zu lassen. Der Hintergrund: Die Liftgesellschaft Drei Zinnen AG hatte dem Land eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, in der von großen  Ausbauplänen die Rede ist. Zum einen geht es dabei um eine Skiverbindung in Richtung Osttirol. Diese Pläne wurden genehmigt. Zum anderen aber plant die Drei Zinnen AG schon lange einen echten Zusammenschluss mit den kleinen Skigebieten im benachbarten Cadore in der Provinz Belluno. Padola und Comelico Superiore wurden der Liftgesellschaft aus Südtirol zwar längst einverleibt, aber noch immer sind diese Anlagen nur über Umwege zu erreichen. Wer im Winter den „Giro delle Cime“ angeht, muss über einen Skiweg fahren, um nach Padola zu kommen. Aber vor allem der Rückweg auf Skiern ist derzeit unmöglich. Das sollte sich ändern, so der Plan der Liftgesellschaft. Geplant sind und waren mehrere Lifte und Pisten rund um den Kreuzbergpass. Aber diesen Plänen hat die Landesregierung einen Dämpfer versetzt. Indem sie den Lift und die Piste auf Südtiroler Seite ablehnte, bleibt die Rückfahrt auf Skiern unmöglich.

Bei der Liftgesellschaft trägt man diesen  Rückschlag trotzdem mit Fassung. „Dann“, sagt Christian Tschurtschenthaler, „müssen wir eben mit Elektrobussen arbeiten, die im Zehn-Minuten-Takt die Skifahrer am Kreuzbergpass abholen und bis zur Signaue bringen.“ Wenn man dies gut und effizient macht, dann sei dies durchaus attraktiv für ein Skigebiet.

Damit, dass alle neu geplanten Anlagen im Hochpustertal genehmigt werden, hatte man in Sexten ohnehin nicht gerechnet. Anders im Veneto: Dort wartet die Liftgesellschaft schon lange auf eine Genehmigung der Projekte. Obwohl man sich im Comelico darüber relativ einig scheint, dass eine Investition in die Skigebiete unerlässlich ist, mahlen die Mühlen der Bürokratie langsam. Gerade aus dem Bellunesischen wandern viele Menschen ab, weil sie keine wirtschaftliche Perspektive haben. Das Unwetter der vergangenen Tage und die Folgeschäden haben die Situation weiter verschärft.

Aber im Alto Val Comelico, dort wo die Skilifte der Südtiroler stehen, hat der Sturm weniger gewütet als in anderen Gebieten.  Die Liftanlagen sind intakt, es kann weitergeplant werden. Zwar stehen 26 Millionen aus dem Fonds für Grenzgemeinden lägst zur Verfügung, aber solange es keine Genehmigung gibt, darf freilich nicht gebaut werden. Aber: Obwohl nun auf Südtiroler ein Puzzlestück fehlt, wird an den Plänen in der Nachbarprovinz  festgehalten.

„Vielleicht in einem zweiten Moment“, sagt der Bürgermeister, „wird man einen neuen Anlauf wagen, mit abgeänderten Projekt oder neuer Trasse.“ Aber im Moment begnügt man sich hier mit dem Bus. Und wartet auf Entscheidungen sowohl aus Osttirol als auch aus dem Veneto.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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