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Die Suche nach den Rowdys

Leider wurde mein Wandertag im Schalderer Tal durch ein paar Rowdies getrübt. Dieses Video wird in den nächsten Tagen den Sicherheitskräften und der Forstbehörde übergeben. Die Mistmacher waren vorher mit ihren Motorrädern schon auf das Gaishorn gefahren. Ich habe mir nicht gedacht, dass es das heute noch in unseren Bergen gibt.

Gepostet von Markus Lobis am Samstag, 20. Oktober 2018

Enduro- oder Trialfahrer im alpinen Gelände: Der Brixner Markus Lobis hat eine Gruppe auf dem Wanderweg Richtung Schrotthorn gefilmt. Wie kann diesen illegalen Fahrten Einhalt geboten werden?

von Erna Egger

Eine Hochtour zum Schrotthorn auf 2.590 Metern: Markus Lobis wollte am Samstag noch das schöne Wetter in den Bergen genießen. Der Wanderweg vom Parkplatz Steinwendt in Schalders zum höchsten Berg in der Brixner Umgebung wird nicht viel begangen. Die Route wird jenen Wanderern ans Herz gelegt, die die Ruhe suchen.

Ruhig war es dieses Mal aber nicht: Immer wieder war der Lärm von Motorrädern zu hören. Am Gipfel angelangt konnte der Brixner Blogger die Maschinen dann auch ausmachen: Die Fahrer hatten das Gaishorn auf 2.514 Metern erklommen.

„Ich habe sogar ein Foto gemacht“, sagt Lobis.

Auf dem Rückweg kam es dann zur unliebsamen Begegnung. „Irgendwann hörte man die Enduro-Maschinen immer lauter werden“, berichtet Lobis.

Nach dem Gaishorn hatten Motorrad-Lenker noch einen weiteren Gipfel angepeilt. „Das sind Rowdys“, ärgert sich Lobis.

Er filmte die fünf Fahrer, die schließlich auf dem schmalen Wanderweg unmittelbar bei ihm vorbei Richtung Berg bretterten.

Die Motocrossfahrer waren sich der Illegalität ihrer Fahrt bewusst: Präventiv hatten sie das Fahrzeugkennzeichen abmontiert.

Die Filmaufnahmen stellte Lobis ins Internet. Sein Kommentar dazu: „Leider wurde mein Wandertag im Schalderer Tal durch ein paar Rowdys getrübt. Dieses Video wird in den nächsten Tagen den Sicherheitskräften und der Forstbehörde übergeben. Die Mistmacher waren vorher mit ihren Motorrädern schon auf das Gaishorn gefahren. Ich habe mir nicht gedacht, dass es das heute noch in unseren Bergen gibt.“

Das Video schlägt Wellen. Auf Facebook entfachte eine kontroverse Diskussion: Die einen verurteilen diese illegalen Fahrten. Die Umweltzerstörung, die Beeinträchtigung der Tierwelt und die Ruhestörung werden ins Feld geführt. Andere vertreten eine gegensätzliche Position und verteidigen die Fahrer auf ihren motorisierten Zweirädern: Diese Kommentatoren plädieren dafür, den „Jungs ihren Spaß zu lassen.“ Es gebe wichtigeres, als die Jugend anzuzeigen.

Wieder andere lenkten die Diskussion in eine andere Richtung und beschwerten sich über die „lästigen“ E-Bikes.

Lobis hat sich indes an die Behörden gewandt: „Ich habe den Vorfall den Forstbehörden im Sarntal und in Brixen gemeldet“, erklärt er. Diese haben ihre Ermittlungen aufgenommen.

Dafür bekommt Lobis sein Fett ab: Er wird als „Denunziant“ beschimpft. Ob er nie jung gewesen sei?, wird nachgefragt.

Markus Lobis lassen die Beschimpfungen kalt. „Das macht mir nichts aus“, sagt er.

Verwundert ist er darüber, dass es sich nicht um eine Ausnahmesituation gehandelt hat. „Man hat mir aber mitgeteilt, dass solche Fahrer öfters unterwegs sind.“

Er poltert: „Es wundert mich sehr, dass die Leute nicht akzeptieren, dass diese Fahrten verboten sind. Diese Sportart passt nicht in dieses Gelände. Das hat mit Freiheit nichts zu tun. In Südtirol gibt es nur eine Motocross-Bahn, keine weitere Gemeinde will in Südtirol eine Bahn bauen, weil man den Lärm fürchtet. In Südtirol ist für diesen Sport nun mal kein Platz. Basta.“

Ob Enduro- oder Trial-Maschinen: „Das ist keine Ausnahme. Dieses Phänomen gab es in Südtirol immer schon und das nicht nur im Sarntal, sondern in ganz Südtirol“, bestätigt Giorgio Sparapani, Stationsleiter der Forststation Sarntal.

Das Motorradfahren im alpinen Gelände und in Schutzzonen ist verboten. „Erwischt man die Fahrer im freien Gelände, drohen Strafen bis zu 200 Euro.“

Das Problem ist aber, dass sich diese Fahrer meist nicht erwischen lassen.

„Das Territorium ist groß, überall kann man nicht sein. Es ist schwierig, die Fahrer zu identifizieren, weil sie meist einen Helm tragen und ohne Fahrzeugkennzeichen unterwegs sind. Wenn wir zu Fuß unterwegs sind, rasen sie bei uns vorbei. Bei uns oder auch anderorts ist es schon passiert, dass wir von solchen Lenkern fast überfahren wurden. Mitarbeiter wurden auch schon verletzt“, schildert der Stationsleiter die Situation.

Die Mitarbeiter der Forststationen haben das Recht, die Maschinen zu beschlagnahmen. „Zuerst müssen wir die Fahrer aber erst mal erwischen. Und wer holt dann auf 2.000 Metern das Fahrzeug ab?“, gibt Sparapani zu bedenken.

Die Prozedur ist kompliziert. Das wissen auch die Fahrer. Deswegen gehen sie das Risiko auch ein. „Wenn sie 100 Mal fahren, werden sie vielleicht einmal gestraft“, schätzt der Stationsleiter.

Alljährlich werden im Sarntal zehn bis 15 Strafen wegen derartiger Vergehen ausgestellt.

Der Stationsleiter hat beobachtet, dass es ein Generationsproblem gibt: Ist der Vater schon Enduro gefahren, fährt später auch der Sohn.

In der Forststation Sarntal hat man mittlerweile eine Datenbank mit Fotos angelegt. „Wir vergleichen das Fahrzeug, die Ausrüstung oder den Helm auf den Fotos“, so der Stationsleiter. Dadurch können die Übertäter manchmal ausfindig gemacht werden. „Aber auch diese Auswertungen sind nicht oft von Erfolg gekrönt, da die Bilder meist keine gute Qualität haben.“

Die Filmaufnahmen von Lobis werden zurzeit mit den Fotos in der Datenbank abgeglichen. „Diese Arbeit läuft, aber die Recherche ist nicht so einfach“, so Sparapani.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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