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Der letzte Zeuge

Zum 100. Geburtstag hat LH Arno Kompatscher Bruno Bertoldi gratuliert. Bertoldi hat das Massaker von Kefalonia überlebt.

Vor 75 Jahren erschossen Wehrmachtsoldaten auf der griechischen Insel Kefalonia tausende italienische Kriegsgefangene. Bruno Bertoldi hat dieses Massaker miterlebt und überlebt. Er ist der einzige noch lebende Zeuge dieses Gemetzels.

Der 1918 in Carzano (Trient) im damals österreichischen Tirol geborene Bertoldi wurde 1937 zum Militärdienst einberufen und der Division Acqui zugewiesen. Mit dieser landete er zunächst in Albanien und wurde dann auf der Insel Kefalonia stationiert, wo er das Massaker vom 8. September 1943 dank Südtiroler Hilfe überlebte: Der österreichische Soldat, dem befohlen wurde, Bertoldi zu erschießen, war ein Südtiroler Optant, dem Bertoldi bereits einmal sein Leben zu verdanken hatte und der ihm auch bei dieser Gelegenheit die Flucht ermöglichte. Eine griechische Familie gewährte ihm Unterkunft, bis sich Bertoldi nach Beendigung des Massakers der Wehrmacht auslieferte und per Zug nach Polen mit Endziel Minsk in der Ukraine verfrachtet wurde. Hier arbeitete Bertoldi sechs Monate lang als Mechaniker, bevor er von den Partisanen – denen anzuschließen er sich zuvor geweigert hatte – an die Rote Armee ausgeliefert wurde.

Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als sich das Schicksal des Krieges zugunsten der Russen wandte und sich die Deutschen auf den Rückzug machten. Ein weiteres Mal überlebte Bertoldi: Es gelang ihm die Flucht aus dem Güterzug, in den er verladen worden war.

Zwei Monate lang zog der Soldat durch die gefrorene Steppe, bis er das Tambow-Lager im Südwesten Russlands erreichte, von wo aus er dann nach Türkistan überführt wurde, wo er sechs Monate lang Zwangsarbeit bei der Baumwollernte in einem Gulag leistete. Der Oktober 1945 brachte Bertoldi die Freiheit: Im Zug legte er die 17.000 Kilometer nach Wien und von dort weiter bis in die Valsugana zurück, wo seine Mutter und seine Freunde ihren Augen nicht trauen wollten.

Im Jahr 2013 sagte Bertoldi in Rom im Prozess gegen den ehemaligen Gebirgsjäger Alfred Stork aus. Der damals 90 Jahre alte Unteroffizier der Gebirgsjäger wurde beschuldigt, „mindestens 117 italienische Offiziere“ auf der Insel Kefalonia getötet zu haben. Das Gericht in Rom verurteilte Stork in Abwesenheit zu lebenslanger Haft.

Als beispielhaft und wegweisend, besonders für die jüngere Generation, bezeichnete bei seinem Besuch in der Bozner Dalmatienstraße Landeshauptmann Arno Kompatscher das Leben des Jubilars.

Seine Entschlossenheit und Anpassungsfähigkeit seien Ausdruck des Glaubens an Freiheit und Demokratie als Grundfeste der Gesellschaft. „Auf diese Werte baut unser vereintes Europa auf, das dem gegenseitigen Respekt zwischen Völkern, Traditionen und Kulturen verpflichtet ist“, betonte der Landeshauptmann. Er überbrachte Bertoldi auch im Namen der Landesregierung Glückwünsche. Der Krieg, so der Landeshauptmann, rücke in unserer Vorstellung immer mehr in eine längst vergangene Zeit zurück. Es möge auch in Zukunft so bleiben, dass unsere Gesellschaft und unsere Völker nicht durch Konflikte gespalten werden, sagte Landeshauptmann Kompatscher.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (2)

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  • staatsfeind

    Den letzten Absatz hätte sich der Autor sparen können. Der Krieg ist nach wie vor präsent und die Demokratie ist alles andere als ein Garant für Frieden. Alle politische Macht kommt aus den Gewehrläufen, da macht die Demokratie keine Ausnahme. Die USA hat um die 800 Militiärbasen im Ausland. Bei deren Einmischung in fremde Angelegenheiten spielt Europa gerne mit. Aktuell stellen die Westeuropäischen Länder Europas im blinden Gleichheitswahn die weichen für zukünftige bewaffnete Auseinandersetzungen innerhalb Europas. Staaten sind völlig ungeeignet die Sicherheit der Bürger zu schützen. Im 20. Jh. sind 200 Millionen Menschen weltweit der eigenen Regierung zum Opfer gefallen.

  • criticus

    Ich finde es schön, dass ein Landeshauptmann sich die Zeit nimmt, diesen 100jährigen Zeitzeugen zu besuchen. Bravo Herr Kompatscher!!

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