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Chaotische Fakturierung

 

E-Fakturierung: Chaos bei den Betrieben (Foto: 123RF.com)

Sämtliche Unternehmen müssen ab 2019 ihre Rechnungen elektronisch ausstellen, aber nur wenige wissen Bescheid, wie das genau funktionieren soll. Südtirols Wirtschaftsverbände versuchen zu sensibilisieren.

von Markus Rufin

Die elektronische Fakturierung sorgt weiter für Verwirrung und  teilweise auch für Verzweiflung. Ab 01.01.2019 müssen in Italien sämtliche Unternehmen ihre Rechnungen elektronisch ausstellen.

In der Theorie hört sich die E-Fakturierung ganz einfach an: Rechnungen müssen künftig in eine eigene Software eingetragen werden, von wo aus sie an die Agentur für Einnahmen geschickt werden. Die Rechnung wird anschließend an den Empfänger weitergeleitet. Sämtliche Daten bleiben erhalten.

In der Praxis sind aber viele Betriebe unsicher, was die E-Fakturierung betrifft. Das bestätigt auch Philipp Moser, Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes Südtirol: „Viele Betriebe wissen nicht genau, was sie tun müssen. Es ist schwierig, die Betriebe zu erreichen.“

Der hds veranstaltet deshalb mehrere Informationsveranstaltungen, Schulungen und bietet auch Einzelgespräche an. Zudem gibt es verschiedene Lösungspakete, die der hds ausgearbeitet hat.

Vor allem kleine Betriebe könnten Probleme mit der E-Fakturierung bekommen. „Wir bieten  für Betriebe Lösungen an, die mit Computern wenig anfangen können. Genauso bieten wir unseren Mitgliedern an, die Rechnungen über das Handy anzuschauen. Von dem, der gar nichts hat, bis zu dem, der alles kann – für jeden bieten wir Hilfe an“, sagt Moser.

„Es bleibt allerdings Tatsache, dass wir nur sehr schwer die Betriebe erreichen. Dabei wäre es dringend notwendig, weil wenn ich die Rechnung nicht elektronisch ausstellen kann, bekomme ich kein Geld“, erklärt Moser.

Noch chaotischer scheint der Informationsstand bei den Bauern zu sein, denn auch sie sind Betriebe. Nur wenige Bauern wissen aber, was sich für sie ab 2019 alles ändern wird. Dabei informiert der Bauernbund laufend über seine Kanäle (Südtiroler Landwirt und Webseitewww.sbb.it) die Bauern über die bevorstehenden Änderungen.

Auch der Bauernbund ist dabei, den Mitgliedern, die über den Bund die Steuerberatung abwickeln, Hilfe anzubieten. „Wir sind dabei, intern  ein Rechnungsportal zu entwickeln,  das den Mitgliedern bei  der elektronischen Fakturierung hilft. Zudem werden wir verschiedene Lösungen anbieten“, sagt Christian Mair, von der Steuerberatung im SBB. Ab  Ende Oktober kann das Rechnungsportal über die Online- Dienste des SBB  von den Mitgliedern getestet werden.

Aber was ändert sich überhaupt konkret für die Bauern: „Bei Genossenschaftslieferungen ändert sich fast nichts“, erklärt Mair. Bisher stellten die Genossenschaften den Mitgliedern die Rechnung aus. „Das wird auch 2019 so sein“, sagt Mair. „Die Genossenschaft verschickt die elektronischen Rechnungen für das Mitglied an die Agentur der Einnahmen (SDI- Kanal) und stellt dem Mitglied eine Rechnung zur Verfügung. Mitglieder mit Registerführung beim SBB können die Genossenschaftsrechnungen über das genannte Rechnungsportal einsehen so wie auch sämtliche Eingangsrechnungen, sofern der Empfängerkodex des SBB bei der Agentur der Einnahmen hinterlegt wird. Der SBB versucht also ein möglichst umfassendes und gleichzeitig einfaches Instrument anzubieten.“

Hingegen muss der  Verkauf eines Produktes, eines Tieres oder einer Maschine, welche nicht an eine Genossenschaft geliefert werden, auch von Landwirtschaftsbetrieben mit einer elektronischen Rechnung ausgestellt werden. Auch hier gilt wieder: Einfache Computerkenntnisse und Zugang zum Internet gehören zu den Grundvoraussetzungen. „Wenn jemand keine Grundvoraussetzungen hat und keinen Zugang zum Internet, wird die elektronische Fakturierung sehr schwierig und somit wird diesen Mitglieder der Südtiroler Bauernbund behilflich sein“, so Mair.

Allerdings betont Mair auch, dass der Bauernbund ein sehr einfaches Portal anbiete, das es ermöglicht, mit wenigen Mausklicken die Rechnung auszustellen: „Als Bauernbund haben wir beispielsweise ein eigenes Rechnungsportal erstellt, wo die Kunden, die das Mitglied bereits in Vergangenheit beliefert hat, aufscheinen und nur mehr ausgewählt werden müssen. Auch sämtliche Produkte sind vorkodifiziert und auswählbar, weshalb beispielsweise der MwSt.- Satz nicht mehr eigens eingegeben werden muss. Vereinfacht gesagt ist mit Auswahl des Kunden und des Produktes sowie mit Eingabe des Preises die Rechnung erstellt. Selbstverständlich sind Zusatzangaben möglich.“

Die elektronische Fakturierung an sich scheint also weit weniger problematisch zu sein – auch weil die verschiedenen Verbände Lösungspakete anbieten. Dennoch stockt es in der Information, bestätigt Luca Filippi Vizegeneralsekretär der Handelskammer Bozen: „Es ist wichtig, dass sich die Betriebe darüber informieren, welche Programme es gibt. Sie müssen sich innerhalb von drei Monaten für ein Programm entscheiden. Das ist wirklich dringend.“

Auch die Handelskammer hat eine Software entwickelt, die Hilfe anbietet. Trotzdem weist Filippi auf die Schwierigkeiten hin: „Es ist eine große Herausforderung für Unternehmen, ich muss die Rechnungen digital ausstellen, digital unterschreiben, über die SID verschicken und die Rechnungen archivieren. Das Ganze ist gesetzlich geregelt, das heißt, man muss die Systeme der Agentur für Einnahmen verwenden.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (8)

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  • kira2000

    Bei so viel Hilfe dürfte wirklich nichts mehr schief gehen, also aufhören zu jammern!

    • leo

      War bis jetzt imstande ohne fremde Hilfe eine Rechnung zu erstellen.
      Bin am überlegen am 01.01.2019 den Betrieb zu schließen.

      • leo

        Lei mehr eklhoft. A Rechnung mochn isch mittlerweile mit mehr Aufwond varbundn wia die Herstellung van an Produkt. Wenn de Idiotn die Firmen schian longsum ruiniern, kennen sie va mir aus in dar gallign die eigenen Zettl fressn, schaugn wia long sie nor no sott werrn. Die Verbände (LVH, HDS, Hondlskommar u.s.w.) und sämtlicha Partein sein in dear Beziehung scheints taubstumm.

        Und redmar net van SPID digitale Unterschrift usw.. Holbegs a schnells Internet isch a no in weiter Ferne.

        Ein „normaler“ Mensch ist nicht mehr imstande seine von den Bürokraten verlangten Dokumente zu besorgen.
        Wenn am 01.01.2019 wirklich die digitale Rechnung für alle kommt, wird es ein Firmensterben geben.

        Wenn es schon sein muss, macht es bitte einfacher.

  • hansi

    Und auf Vereine kommt es auch zu – Don Bürokratius lässt grüßen

  • stubenruss

    Die Frage ist, ob die Kosten für den Steuerberater sinken oder steigen.

  • drago

    Vareinfachung auf italienisch = mehr Aufwand, mehr Papier, mehr Kosten, mehr Beamte, eben Vereinfachung

  • nochasupergscheiter

    Digitalisierung ist das Schlagwort.. Leider bringt diese aber nur Mehraufwand, Mehrausgaben und unzählige weitere Probleme… Geld wird aber Richtung Wirtschaftsberater und Verbände fließen, die nicht meckern aber sich schon die Hände reiben.
    Hier wird Verantwortung vom Wirtschaftsberater richtung Kunde verschoben, für ihn wird es wirklich eine Erleichterung sein und den Knopfdruck werden die Verbände und Berater uns wieder teuer bezahlen lassen…

    Jede Firma kann kann nicht nur um einen sondern um bis zu 100 qr Codes absuchen, es wird dann unsere Aufgabe sein je nach eingekauftem gut sorge zu tragen dass der richtige qr code verwendet wird… Also einer für Maschinen, einer für Treibstoff einer für Werbung usw… Wem wird das wohl zugute kommen und wer wird hier wohl verrückt werden dass alles richtig ist…
    Wir stellen viele digitale rgen aus wegen öffentlicher Auftraggeber und jede rg kostet uns ca 25 bis 30 Euro an Aufwand wer wird das wohl wieder alles bezahlen

  • einereiner

    Ich kaufe Maschinen vorwiegend im Ausland. Dabei zahle ich keine MwSt. und muss sie folglich nicht langwierig vom ital. Staat zurückbetteln. Und es bleiben in Zukunft Papierrechnungen erlaubt.

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