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Der Bauern-Landtag

Die Bauern-Lobby schickt sich an, bis zu zwölf Vertreter in den Südtiroler Landtag zu entsenden. Damit sichern die Landwirte ihre Vormachtstellung ab und bestimmen in Zukunft deutlich die politische Agenda des Landes.

Von Matthias Kofler

Verkehrte Welt im Landtag: Während der Anteil der Landwirte an der Bevölkerung global, aber auch in Südtirol kontinuierlich abnimmt, schießen im Hohen Haus die Bauern-Vertreter wie Pilze aus dem Boden.

Neun der Landwirtschaft nahestehende Kandidaten auf der SVP-Liste haben bei den Wahlen am 21. Oktober eine mehr als realistische Chance, den Sprung in den neuen Landtag zu schaffen.

Zu den Topfavoriten auf einen Landtagssitz gehören Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler, Vize-Parteiobmann Daniel Alfreider, Regionalratspräsident Thomas Widmann, Fraktionssprecher Oswald Schiefer (der zwar keinen eigenen Bauernhof besitzt, aber seinen Bruder beim Klauben und Wimmen unterstützt) und die beiden offiziellen Bauernbund-Kandidaten Maria Hochgruber Kuenzer und Sepp Noggler. Erstmals ins Landesparlament einziehen könnten durchaus auch die beiden weiteren Bauernbund-Kandidaten Franz Locher und Joachim Reinalter sowie der wackere Ladiner Manfred Vallazza.

Innerhalb der SVP wird die neunköpfige Truppe schon scherzhaft als „unsere Kandidaten mit einem Hof“ bezeichnet.

Auch die Opposition strebt ein neues Naheverhältnis zum Bauernstand an: Der Obmann der Freiheitlichen, Andreas Leiter Reber, hat nur knapp die Vorwahlen des Bauernbundes verloren – obwohl der Bauernbund gemeinhin als Hochburg des Edelweißes gilt. Der Landwirt aus Marling wollte mit seiner Kandidatur ein Zeichen setzen, damit sich der Bauernbund weiter für Nicht-SVP-Mitglieder öffnet. Auch Christoph Mitterhofer, Jungkandidat der Süd-Tiroler Freiheit, nahm an den SBB-Basiswahlen teil. Zudem hofft der Freiheitliche Obst- und Weinbauer Sigmar Stocker auf eine Wiederwahl.

Sollten die Prognosen stimmen, dann besteht der neue Landtag zu einem guten Drittel aus Landwirten. Damit sichert die Bauern-Lobby nicht nur ihre bestehende Vormachtstellung ab, sondern erhöht gleichzeitig auch die Chancen, die politische Agenda des Landes zu bestimmen und „Einfälle“ wie „Camping am Bauernhof“ und „Urlaub auf der Alm“ durch den Landtag zu boxen.

Den Grünen, die sich als Kämpfer gegen den Bauern-Lobbyismus sehen, schwant Übles. Brigitte Foppa scheiterte im Regionalrat mit ihrem Versuch, die Wahlwerbung von Vereinen und Verbänden gesetzlich zu verbieten – auch deshalb, weil die Freiheitlichen nicht (mehr) mitspielten.

Dass die Bauernvertreter ihre numerische Stärke geschickt zur Wahrung von Eigeninteressen ausnutzen, zeigten sie bei den Arbeiten zum neuen Raumordnungsgesetz. „Die Lobby hat den Bürger verdrängt“, stellten die Grünen konsterniert fest.

Auch die SVP-Arbeitnehmer laufen angesichts der Übermacht der Bauern Gefahr, unter die Räder zu kommen. Deren Chef Helmuth Renzler gibt sich aber gelassen: „Ich muss erst einmal schauen, überhaupt in den Landtag reinzukommen. Bis auf den LH, den Obmann, Waltraud Deeg und Maria Kuenzer müssen alle zittern. Ich glaube aber, dass die Wähler eine vernünftige Entscheidung treffen und darauf achten, dass der Landtag die Gesellschaft widerspiegelt.“ 17 Prozent der Südtiroler seien Bauern, über 70 Prozent seien Arbeitnehmer. Deshalb sollten die Arbeitnehmer auch die stärkste Fraktion im Landtag stellen, hofft Renzler. Die Entscheidung treffe aber allein der Wähler: „Sonst machen wir einen Watter und schnapsen uns aus, wer in den Landtag kommt.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (34)

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  • kurt

    Da ist die größte Lobby im Land und genau die Arbeitnehmer haben durch nichts tun dazu beigetragen das es soweit gekommen ist ,die Bauern lassen sich nicht zweimal bitten!!!.
    Der Renzler soll einmal seinen Hintern bewegen und etwas bewegen für das Geld was er bekommt ,nur Ketten rauchen bringt nichts.

  • wisoiundnetderfranz

    Vielleicht gibt es eine ganz einfach Erklärung…
    Die Bauernprivilegien für die große Mehrheit der Arbeitnehmer wären nicht finanzierbar.

  • stanislaus

    Leider hört man von den Arbeitnehmern immer nur vor den Wahlen etwas. Einmal im Landtag ist dann absolute Ruhe…

  • andreas

    Arbeitnehmer wählen keine Arbeitnehmer und Frauen keine Frauen.

    Warum sich diese Gruppen darüber aufregen, dass sie sich nicht standesgemäß vertreten fühlen, erschließt sich mir nicht wirklich.

    • thefirestarter

      Frauen brauchen keine Frauen wählen…. sie sind ja doch drin. Quoten

      Bei den Arbeitnehmern ist aber effektiv ein Problem.
      Es ist politisch gewollt keinen Vertreter zu haben
      und es gibt keine vernünftige (kämpferische?) Vertreter .
      Der Grund ist im Prinzip recht einfach…. es fehlt die Zeit, der Arbeiter schuftet damit er sich und seine Familie über die Runden bringt, da bleibt wenig Zeit für Politik, Kampf und Aufstand.

      Bauern haben da viel mehr Zeit, die sie auch Gewinn bringend einsetzen, z.B. für das Erfinden und finden von neuen Beiträgen, Nebenjobs, EU-Gelder schröpfen, Alm-Pachtkonstruktionen u.v.m.

      • ahaa

        Ganz genau so.Bravo!Die Politiker sind damit beschàftigt uns arbeiten zu machen, damit sie und ihre Pràviligierten dem Herrgott den Tag stehlen kònnen.Es funktionier schon ewig.Brot und Spiele!Und der andreas ist so ein Schònredner davon. 🙂

    • kurt

      @andreas
      Weil du wieder einmal nicht willst oder verstehen was los ,dir sind eben die Lobbys wichtig weil da etwas zu holen ist von Pensionisten oder Arbeitnehmer da sein hast du keine Ahnung ,vom Schmarotzertum sicher!!!.

    • silverdarkline

      Wie viele sog. „Arbeitnehmervertreter“ sind zur Zeit im Landtag vertreten? 5 glaube ich..also haben Arbeitnehmer doch Arbeitnehmervertreter gewählt. Das Problem allerdings ist, dass sich die sog. Arbeitnehmervertreter für die Anliegen derselben einen Dreck scheren, warum? Weil sie sich den Prioritäten der Partei unterordnen müssen, wo liegen die Prioritäten der Partei? Landwirtschaft, Tourismus und Wirtschaft.
      Die SVP ist schon längst keine „Volkspartei“ mehr, sondern lediglich eine Lobby-Partei. Wenn Verbände wie der Bauernbund, HGV usw. schreien, dann kuscht die liebe „Volkspartei“.

    • asterix

      Dann will ich versuchen es dir zu erklären, Andreas, Die Arbeitnehmer werden immer nur vor den Wahlen mit billigen Versprechen vor den SVP – Karren gespannt. Kaum sind die Wahlen geschlagen, werden sie wieder aufs politische Abstellgeleis geschoben, oder mit unwichtigen Kommissionen betraut. So geschehen mit, zB. Wurzer und Amhof. Und wie den ein solches? Ganz einfach: weil in der SVP nur mehr Wirtschaft, Tourismus und Bauern das Sagen haben. Und deshalb am 21.10.18: Arbeitnehmer, lasst die Finger vom Edlelweiß. Kreuzt an was ihr wollt, nur nicht das Edelweiß, Dann braucht ihr euch hinterher wenigstens nicht zu ärgern.

  • ostern

    Bald werden die Bauern auch mehr Steuern zahlen müssen!!!
    Neue Regierung in Südtirol und neue Steuern für Bauern.
    Die Bauern sollen ihren Beitrag für eine sozialere Gerechtigkeit
    in Südtirol leisten und nicht immer mit vorgehaltener Hand sich
    sehen lassen.

  • andreas

    @alle die mir erklären möchten, warum Arbeitnehmer keine Arbeitnehmer wählen

    Ihr liegt falsch.
    Der Grund ist der, dass heutzutage das Wort Arbeitnehmer als negativ empfunden wird und sich deshalb viele nicht dazu bekennen wollen und jemanden anders wählen.

    „Proletarierer aller Länder vereinigt euch“ gilt nicht mehr, wenn man sich manche Meinungen hier im Forum ansieht gilt jetzt eher „Proleten aller Länder, wählt rechts“

    .

    • einereiner

      100% Zustimmung für den Andreas.
      Im Landtag sollen ja Unternehmer sitzen und nicht Unterlasser. Es reicht, wenn die Gewerkschaft voll davon ist.

    • silverdarkline

      Die Lösung wäre im Prinzip ganz einfach, jeder Arbeitnehmer sollte sich hüten die SVP zu wählen, einfach jemand anderen, egal wen. Vielleicht würde dann endlich einer gewissen Partei auffallen, wen sie die letzten Jahrzehnte vernachlässigt haben, und die Bauernvertreter, die schon in den Startlöchern scharren, könnten sich weiter um ihre Kühe zu Hause kümmern.

  • einereiner

    Matthias Kofler schreibt sehr gut: die Grünen sehen sich als Kämpfer gegen die Bauern……! Sind die Grünen nicht mal angetreten, um für die Umwelt zu kämpfen?
    Und jetzt kämpfen sie für Strassen, Wölfe, afrikanische Wirtschaftsschmarotzer und gegen die wahren Umweltschützer, die Bauern. Ausserdem noch gegen österreichische Pässe …… im Grunde aber am meisten gegen sich selbst. Sie gehören nicht in den Landtag sondern in eine Sozialanstalt.

  • kartoffelbrot

    Normalerweise sollte man eine fairere Aufteilung der Mandate hinsichtlich der Gesellschaftsstruktur anstreben…

    • rota

      @kartoffelbrot
      Das ist wieder mal so eine hingeworfene Aussage ohne tiefgründige Vorabüberlegung:

      Rentner gehören schon zur Vergangenheit der Gesellschaft.
      Die Beschäftigten sind die Gegenwart und die Jugendlichen sind die Zukunft, also bestimmt bei den Wahlen Vergangenheit und Gegenwart über die Zukunft.

      Warum darf ein kinderloser aus der Vergangenheit und Gegenwart über die Zukunft anderer Kinder abstimmen? Wieso haben Eltern nicht ein höherwertiges Stimmrecht angepasst an die Zahl ihrer minderjährigen Kinder?

      Warum sollen Gesellschaftsbilder wie in Kastenstrukturen gegeneinander aufgeschaukelt werden. Glauben, Religion Geschlecht usw usw

      Wir leben in dieser Art von Struktur. Versuchen wir kurzfristig daraus das Beste in Ehrlichkeit zu holen. Langfristig schauts wieder anders aus.

  • andreas

    Für eine tiefgründige Vorabüberlegung halte ich den Satz „Versuchen wir kurzfristig daraus das Beste in Ehrlichkeit zu holen“ auch nicht.

  • morgenstern

    …, „Einfälle“ wie „Camping am Bauernhof“ und „Urlaub auf der Alm“ ,

    Da hat der TZ Schreiber tatsächlich das „Alten- u. Pflegeheim am Hang“ vergessen zu erwähnen.
    Da kann man nur hoffe das Frau Kuenzer ihm das nicht übel nimmt.

  • ahaa

    Wenn die Arbeiter nicht mehr zu Arbeit gehen,verhungert auch der deutsche andreas.

    • leser

      Dann sollten sie auch mit frei mahlzeiten am tag zufrieden sein und das denken übernehmen ihre von ihnen gewählten aristokraten im landtag
      Das muss reichen und mehr verdienen sich kriecher nicht

  • sepp

    sbeste isch das sich do einige bauernvertreter nennen do oane kalub a poor äpfel van bruder van bamm der ondere hot an Stoll wo nie koan Viech drin woren ausser volle gäste und sowas nennt sich bauernvertreter und ba die Arbeitnehmer Vertreter iscg vor die wahlen viel blabla und nix dahinter sbeschte Beispiel der ehemalige Gewerkschafter in den Fabriken grosse reden geschwungen und giton nix wie er gewählt war und no an saftigen renten vorschuss kasssiert so sein die herren des wegen liebe südtiroler überlegts euch gut wen as die stimme gebt

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