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„Das geht zu weit“

Karl Dandler, vor dessen Haus in St. Leonhard in Passeier die neofaschistische Bewegung Casapound erneut mit einem „Südtirol reinigen-Plakat“ provoziert, erwägt eine Anzeige.

von Karin Gamper

Karl Dandler ist ein überaus heimatverbundener Mensch. Das erkennt man nicht zuletzt an der besonderen Aufmachung seines Wohnhauses in der Passeirer Fraktion Gomion. Dandler hat die Fassade im Laufe der Zeit mit dem Tiroler Adler, der Tiroler Fahne und dem Slogan: „Süd-Tirol ist nicht Italien“ dekoriert.

Mehrmals, so erzählt das Mitglied der Süd-Tiroler Freiheit, habe er in der Vergangenheit Besuch von Gemeinde- und Behördenvertretern bekommen. Ihr Anliegen: er möge doch die patriotischen Dekos von seinem Haus entfernen. Das Gebäude liegt nämlich an der Hauptstraße und ist für alle, die nach Pfelders oder über das Timmelsjoch fahren, gut einsehbar. Und so gab es zwischendurch Beschwerden von weniger patriotisch gesinnten Zeitgenossen. „Ich lasse mir jedoch nicht vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe“, sagt Dandler entschieden und kann sich eine Breitseite gegen die politische Mehrheit im Rathaus seiner Heimatgemeinde St. Leonhard nicht verkneifen: „Der SVP sind diese Aufschriften natürlich ein Dorn im Auge“. Die Dekos würden aber, so Dandler, sowohl inhaltlich wie formal gegen kein Gesetz verstoßen. „Alles regulär“, betont der Passeirer Patriot. 

Dass nun jedoch sein Wohnhaus plötzlich zur Zielscheibe der nächsten Provokation von Casapound wurde, will Karl Dandler nicht so ohne weiteres akzeptieren. 

Einige Exponenten der neofaschistischen Bewegung haben sich mit einem „Südtirol reinigen“-Plakat vor Dandlers dekoriertes Haus gestellt. Gegen dieses Plakat bzw. die Wortwahl hat bereits Landeshauptmann Arno Kompatscher vor wenigen Tagen eine Eingabe bei der Staatsanwaltschaft gemacht.  Das Passeirer Foto wird derzeit in den sozialen Medien eifrig geteilt. 

 „Jede Partei hat das Recht für ihre Ziele zu werben“, kommentiert Karl Dandler den Vorfall, „aber das geht zu weit“. Er will nun die Bilder seiner Videoüberwachungsanlage sichten, die er anbringen ließ, nachdem vor Jahren Unbekannte seine Tiroler Dekorationen übermalt hatten. Karl Dandler: „Wenn die Casapound-Exponenten meinen Privatgrund betreten haben, so werde ich Anzeige erstatten“. 

Rückendeckung erhält Dandler auch von seiner Partei:  „Die Junge Süd-Tiroler Freiheit verurteilt das Plakat und die Vorkommnisse im Passeiertal aufs Schärfste”, schreibt in einer Aussendung Landesjugendsprecher Benjamin Pixner. Der “lebendige Faschismus” müsse konsequent und mit vereinten Kräften bekämpft werden. Pixner: “Wenn es etwas in Süd-Tirol zu bereinigen gibt, dann sind es die faschistischen Relikte“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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