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Fotografien aus dem Kaukasus

Bilder aus dem Kaukasus: Früher war alles besser.

Meanwhile Across the Mountain: Der schwedische Fotograf Jens Olof Lasthein zeigt  Fotografien aus dem Kaukasus

„Früher, in den Zeiten der Sowjetunion, war alles besser“. Der Mann, der in Makhachkala, der Hauptstadt von Dagestan, meine Hand schüttelt, strahlt Energie und Erfahrung aus, die er in seinem langen Leben erworben hat. Seine Augen lächeln, er wartet auf die Reaktion des Fremden aus dem Westen. Auf meinen Reisen durch die ehemalige Sowjetrepublik habe ich diesen Satz immer wieder gehört.

Im Kaukasus trifft Europa auf Asien, das Christentum auf den Islam, es gibt eine Myriade von Nationen, Sprachen und Kulturen. Für die Normalbürger in der Sowjet-Ära bedeutete der Kaukasus Sonne, Strand, Granatäpfel, reine Bergluft, freie Natur. Es war ein wahres Füllhorn, aus dem exotisches Obst und Gemüse über die Märkte im ganzen Sowjetgebiet ausgeschüttet wurden. Für die Parteielite war es der bevorzugte Platz, um ihre Datschas zu bauen – es war ein Ferienparadies für alle.

„Früher war alles besser“, das ist die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“, als jeder eine Arbeit hatte und sich nicht um sein Überleben sorgen musste. Viele vermissen das Gefühl der allgemeinen Ordnung in der sowjetischen Gesellschaft. Aber nur wenige der Menschen, die ich getroffen habe, sehnen sich tatsächlich zurück in die Sowjetzeit. Die sowjetische Überwachungswut und Paranoia werden nicht vermisst. Davon gibt es noch genug im heutigen Kaukasus. Was der Mann aus Makhachkala am meisten vermisst, sind die Freundschaften mit jedem, die Zeiten, wo Nationalität oder Religion der Nachbarn kein Thema war, wo man durch die Sowjetunion reisen konnte, ohne sich um Grenzen und Konfliktzonen zu kümmern. Das ist für ihn der schwerste Verlust.

Der Zerfall der Sowjetunion löste eine große Anzahl von internationalen Konflikten im Kaukasus aus, die meisten sind bis heute ungelöst. Dies schafft eine intensive Atmosphäre von Angst und Verdächtigungen zwischen den Nachbarn, und das spürt man.  Einst ein komplexer aber kohäsiver Teil der Sowjetunion, behindern und verhindern nun die Grenzen im Kaukasus den Übergang zwischen den neuen Staaten. Schon als Kind faszinierte mich im Atlas dieser große dunkelbraune Fleck zwischen zwei Ozeanen. Meine Kindheit in einem vom eisernen Vorhang geteilten Europa weckte meine Neugier für diese Grenzen. Wer sind die Völker, die dort auf der anderen Seite leben? Sind sie anders als wir? Seit den frühen 1990ern reise ich durch Europa, fotografiere und betrachte diesen Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln. Im Kaukasus wird die Idee vom Grenzland ins Extreme getrieben. Ich sehe die großen Abgründe, die sich zwischen Völkern auftun, und das verzweifelte Bedürfnis Brücken zu bauen.

Jens Olof Lasthein, geboren 1964 in Schweden, aufgewachsen in Dänemark. Nach der Oberschule arbeitet er auf Schiffen und als Busfahrer und reist durch Asien und Osteuropa. Das Handwerk lernt er in den Jahren 1989-92 an der Nordic Photo School in Stockholm, Schweden. Seitdem freischaffender Fotograf in Stockholm mit Schwerpunkt Reportagen und Portraits für Zeitschriften und Tageszeitungen sowie eigene Buch- und Ausstellungsprojekte.

Bis 27. November im Kunstraum Café Mitterhofer Innichen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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