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Ist Geld das Motiv?

Das Bozner Freiheitsgericht hat den zweiten Haftbefehl gegen Lorys Daniel Caciula bestätigt. Die Ermittler sind einem möglichen Tatmotiv auf der Spur: Ein Streit um Geld. 

Von Thomas Vikoler

Er hat die Tat gestanden und von Details berichtet, die nur er kennen konnte. Wie die Coca Cola, die er in der Tatnacht in der Wohnung seiner Tante Nicoleta Caciula getrunken hatte. Dennoch wurde Lorys Daniel Caciula, 22, vor zwei Wochen wegen Begründungsmängeln vom Freiheitsgericht auf freien Fuß gesetzt. 

Am Tag darauf wurde der junge Brunecker wieder von den Carabinieri festgenommen. Gestern hat das Freiheitsgericht einen Einspruch der Verteidigung gegen den zweiten, umfangreicheren Haftbefehl abgewiesen. Lorys Daniel Caciula wird nun wohl für längere Zeit im Gefängnis bleiben müssen. Und dort bald Besuch von einem Psychiater erhalten, der im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens die Zurechnungsfähigkeit des Geständigen klären muss. 

Die Verteidiger Angelo Polo und Andreas Stacul haben indes Defensiv-Ermittlungen angestellt, um eine von Caciula im Verhör getätigte Behauptung zu stützen: Er sei von seiner 46-jährigen Tante sexuell belästigt worden, bereits von seiner Kindheit an. Deshalb habe er sie in der Nacht auf den 17. Juli in ihrer Wohnung mit einem Stromkabel erdrosselt. Um anschließend mit einem von ihm gelegten Brand die Spuren zu verwischen. 

Obwohl es aus dem Familienumfeld heißt, Lorys Daniel Caciula sei der „Lieblingsneffe“ seiner Tante gewesen, halten die Ermittler das genannte Tatmotiv für wenig glaubwürdig. 

Sie vermuten, dass es ein weit banaleres ist: Ein Streit um Geld. Der Neffe könnte die Tante in jener Nacht wegen einer Geldforderungen aufgesucht haben. Weil Nicoleta Caciula sich weigerte, diese zu erfüllen, könnte es zu einer tätlichen Eskalation gekommen sein. 

Das ist, wie gesagt, derzeit eine Vermutung der Ermittler. Sicher ist, dass die 46-jährige Tante sehr fleißig und sparsam war und sich eine eigene Wohnung kaufen wollte. Etwas Würdigeres als die Einzimmer-Wohnung in der St.-Lorenzner-Straße, in der sie ermordet wurde. Hat der Neffe Nicoleta Caciula hier unter Druck gesetzt?

Lorys Daniel Caciula, der als Security-Kraft arbeitete, hatte ausgesagt, er habe zuweilen Blackouts gehabt, an die er sich nur schemenhaft erinnern könne. So wie nach einem Schlag auf den Kopf, den ihm Unbekannte zwei Tage nach dem Brand in der Wohnung der Tante (von Mord war da noch nicht die Rede) versetzt hätten. Es stellte sich allerdings heraus, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. 

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