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„Phase der Rebellion“

Jetzt redet Nico Vallazza: Der unter Beschuss geratene F-Kandidat über seine rechtsextremen Postings und über seinen Ausraster auf dem Fußballfeld.

TAGESZEITUNG Online: Herr Vallazza, sind Sie rechtsextrem?

Nico Vallazza: Nein, das bin ich nicht. Ich möchte mich zunächst bei allen drei Volksgruppen in Südtirol für mein Verhalten auf Facebook entschuldigen. Ich distanziere mich von jeglichem Extremismus. Ich möchte auch die Aussage unseres Parteiobmannes Andreas Leiter Reber unterstreichen, der gesagt hat, dass für Extremismen in der Partei kein Platz sein dürfe. Ich bin auch dankbar dafür, dass die Partei hinter mir steht und mir eine zweite Chance gibt. Ich werde diese Chance nutzen. 

Sie haben auf Facebook neonazistische Bands geliked und der deren Songs geteilt. Waren Sie rechtsextrem?

Ich hatte in meinen Jugendjahren Ansichten, die ich heute entschieden ablehne. Das hatte in erste Linie mit geistiger Unreife zu tun.

Waren Sie Skin? Waren Sie ein Neonazi?

Aus heutiger Sicht betrachtet waren diese Jugendjahre in erster Linie eine Phase der Rebellion, der Aufmüpfigkeit. Diese Phase ist endgültig abgeschlossen.

Sie sind jetzt 24. Welcher Typ sind Sie?

Ich bin ein geselliger Typ, ich kann mich mit allen möglichen Leuten unterhalten. Ich bin offen. Ehrlich. Und ich bin einer gerader Mensch …

Was meinen Sie damit?

Ich rede nicht lange um den Brei herum. Das Wichtigste für mich ist der gegenseitige Respekt.

Sie waren früher ein Anhänger der Süd-Tiroler Freiheit?

Ich war politisch nicht so informiert. Da ich lange bei den Schützen war, gab es Berührungspunkte mit der STF. Heute mache ich mir Gedanken über die Zukunft unseres Landes. Mit den Freiheitlichen kann ich mich dabei am besten identifizieren.

Früher waren die Italiener Ihr Feindbild. Heute sind es die Einwanderer?

Ich habe keine Feindbilder. Ich habe nichts gegen die Italiener und auch nichts gegen Einwanderer, die ehrlich um Integration bemüht sind. Vielmehr glaube ich, dass man gerade so komplexe Themen wie Zuwanderung differenziert betrachten und sachlich analysieren muss. 

Sie haben sich aber auf Facebook über die „walschen Wixer“ ausgelassen …

Ich habe mich damals ganz viel mit der Feuernacht und dem ganzen Drumherum, also auch mit den Folterungen befasst. Wenn man als Jugendlicher solche Dinge erfährt, kommt in einem Zorn hoch. Das entschuldigt mein früheres Verhalten nicht, kann es aber vielleicht ein stückweit erklären. Ich sehe die Dinge heute deutlich differenzierter und mir ist auch klar, dass die heutigen Italiener nichts dafür können, was damals passiert ist. Und ganz nebenbei: Mein Großvater ist Italiener.

Warum haben Sie dann diese Dinge gepostet?

Aus jugendlichem Übereifer. Ich habe mich damals ziemlich in diese Foltergeschichte hineingesteigert und mich sehr einseitig informiert. 

Sie haben in Ihrem Wahlprogramm geschrieben, die „Neuankömmlinge“ dürften „nicht übergroßzügig beschenkt“ werden und die Südtiroler dürften sich gegenüber Zugewanderten nicht benachteiligt fühlen. Was meinen Sie konkret damit?

Damit meine ich, dass Südtirol keine falschen Anreize setzen soll, die zu noch mehr ungeregelter Einwanderung führen. Und dass hier in den letzten Jahren viel falsch gelaufen ist, sieht ja sogar die Landesregierung ein, die nun kurz vor den Wahlen auf einmal umsteuern will…

Wollen Sie selbst in die Politik?

Ich habe über die Politik immer geschimpft, so wie das viele Menschen machen. Aber irgendwann habe ich mir gedacht: Maulen kann jeder. Ich aber will etwas verändern.

Unter den Jugendlichen grassiert die Politikverdrossenheit …

Es ist mein Ziel, das zu ändern! Auch ich hatte kein Vertrauen mehr in die Politik und in die Politiker. Jetzt aber will ich mir selbst ein Bild machen. Gewisse Dinge versteht man vielleicht als Außenstehender nicht.

Sie wurden im Spiel Prettau gegen Welschellen des Feldes verwiesen, weil Sie als Torwart einem gegnerischen Spieler an die Gurgel gegangen sind. Sie wurden sogar bis Saisonende gesperrt. Was ist passiert?

Es hat eine Auseinandersetzung gegeben, allerdings war es nicht so, wie es im Schiedsrichter-Bericht dargestellt wurde …

Sondern …

Ich habe mich direkt nach dem Spiel mit dem gegnerischen Spieler ausgesprochen, wir haben uns gegenseitig entschuldigt. Außerdem habe ich vor der Kabine gestanden und jedem einzelnen Spieler der gegnerischen Mannschaft die Hand gegeben und mich entschuldigt. Wir bereiten jetzt einen Rekurs an das Sportgericht vor, dieser Rekurs wird voraussichtlich auch von der gegnerischen Mannschaft unterschrieben …

Was ist denn konkret passiert?

Ich möchte das endgültige Urteil der Sportrichter abwarten. Die Sache war nicht so, wie sie im Bericht dargestellt wurde. Aber natürlich entschuldige ich mich für mein Verhalten. So etwas darf nicht passieren. Ich werde aus diesem Vorfall meine Lehren ziehen.

Sind Sie ein Heißsporn?

Nein, das würde ich nicht sagen. Ich spiele schon lange Fußball und bin bislang noch nie gesperrt worden. Das war ein einmaliger Ausrutscher.

Zurück zu Ihren Facebook-Postings: Warum haben Sie die krassen Sachen nicht aus Ihrem Profil gelöscht?

Natürlich hätte ich mein Facebook-Profil überprüfen sollen. Aber an diese alten Sachen, die teilweise auf 2010 zurückgehen, habe ich gar nicht mehr gedacht, weil sie in meinem Leben keine Rolle mehr spielen.

Es gibt in Südtirol Jugendliche, die mit 14 oder 16 Jahren ähnlich zach drauf sind wie Sie damals. Was sagen Sie solchen Jugendlichen?

Macht Euch Gedanken darüber, was ihr postet und hinterfragt Informationen immer kritisch, bevor ihr sie verbreitet. Das gilt besonders für politische Inhalte, aber auch für andere Lebensbereiche. 

Sie haben erst vor zwei Jahren das Foto eines Wehrmacht-Soldaten gepostet, der 15mal verwundet wurde. Sind Sie ein glühender Verehrer der Wehrmacht?

Militärische Dinge interessieren mich. Mich beeindrucken große militärische Leistungen. Ich habe ja auch das Foto eines russischen Generals und einen Artikel zu den Leistungen der israelischen Armee im Jom-Kippur-Krieg gepostet.

Welche Musik hören Sie heute?

Heute höre ich von allem etwas, hauptsächlich rockige Sachen. Dies geht von AC/DC über Gotthard bis hin zu System of a Down oder auch die ehemalige Teldra Band r.o.t gefallen mir sehr gut.

Interview: Artur Oberhofer

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