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„Er erinnert mich an Eva“

Carles Puigdemont und Cristian Kollmann

Cristian Kollmann, Landtagskandidat der Süd-Tiroler Freiheit, hat den Separatistenführer Carles Puigdemont im belgischen Exil besucht, um mit ihm Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Südtirol und Katalonien zu erörtern.

Tageszeitung: Herr Kollmann, wie verlief Ihr Gespräch mit dem katalanischen Ex-Präsidenten Carles Puigdemont?

Cristian Kollmann: Ich schicke voraus, dass es sich bei unserer einstündigen Unterredung im House of the Republic in Waterloo um einen Privattermin unter vier Augen gehandelt hat. Ich war überrascht, wie gut Puidgemont über die Situation bei uns in Südtirol informiert ist. Er war auch schon zwei Mal selber dort. Wir haben Parallelen zwischen der Situation in Katalonien und jener in Südtirol erörtert: So sehen die Verfassungen von Italien und Spanien vor, dass sich die Gesetze an die internationalen Normen des Völkerrechts anzupassen haben. Dennoch wird in beiden Ländern das Hauptaugenmerk auf einen anderen Verfassungsartikel gelegt, nämlich auf den, der den Staat für unteilbar erklärt.

Wie würden Sie Carles Puigdemont beschreiben?

Ich war sehr positiv von seiner natürlichen, herzlichen und ausgeglichenen Art angetan. Er ist überhaupt nicht arrogant. Sein Auftreten hat mich an Eva Klotz erinnert.

Kann Puigdemont zeitnah sein Exil in Belgien verlassen und nach Katalonien zurückkehren?

Über seine persönliche Situation haben wir nicht gesprochen. Er hat aber angekündigt, dass Katalonien zum zweiten Mal die Republik ausrufen wird, falls die katalanischen Häftlinge wegen Rebellion verurteilt werden sollten. Ihnen drohen bis zu 35 Jahren Haft. Puigdemont ist fest davon überzeugt, dass Katalonien ernst machen wird. Allerdings ginge das Ganze nicht so schnell, wie man anfangs geglaubt habe. Es handelt sich um einen sehr langsamen Weg, doch es gibt mittlerweile keinen Weg zurück mehr. Katalonien wird sich mit dem Autonomiegeplänkel nicht abspeisen lassen. Puigdemont stellte weiters klar, dass man auf keinen Fall Gewalt anwenden werde, sondern auf einen Dialog mit der neuen spanischen Regierung setzen wolle. Da aber absehbar ist, dass auch die Sozialisten nicht zu Zugeständnissen bereit sein werden, wird Katalonien zum zweiten Mal einseitig die Republik ausrufen. Katalonien befindet sich zurzeit in einer Zwischenposition: Es ist kein Teil Spaniens mehr, aber auch noch kein unabhängiges Land.

Carles Puigdemont

Wie äußerte sich Puigdemont zur Süd-Tiroler Freiheit?

Wir sitzen beide im selben Boot und sind die ersten Ansprechpartner der Europa der Völker. Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam auftreten. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als sich Puigdemont nach dem Gespräch bei mir persönlich bedankt hat.

Soll Südtirol laut Puigdemont es Katalonien gleichtun und ein Referendum durchführen – trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten?

Er hat uns weder gewarnt noch zu einem Schritt ermutigt. Der große Unterschied zwischen Südtirol und Katalonien liegt darin, dass wir in Südtirol noch keine Mehrheiten haben. Erst wenn wir die Mehrheit haben, können wir den Schritt eines Selbstbestimmungsreferendums durchziehen. Über die Warnungen der Selbstbestimmungsgegner und von Teilen der SVP, wonach uns Katalonien ein warnendes Beispiel sein müsse, konnte Puigdemont nur schmunzeln. Katalonien hält unbeirrt an seinem Weg fest, das oberste Ziel bleibt die Unabhängigkeit von Spanien.

Interview: Matthias Kofler

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (10)

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  • yannis

    @mannik,

    Wo bist Du, Dein Thema !

  • tff

    Selbst haben Sie nichts dazu im Hirn ?

  • mannik

    @Yannis, es ist sinnlos ein sinnloses Interview zu kommentieren.

  • george

    Er ist wohl eher ein Adam als die Eva.

  • noando

    … oder noch eher ein georg

    nur weil sie, herr kollmann, uns regelmäßig die katalonische unabhängigkeitserklärung als nachahmenswert, politisch und rechtlich korrekt verkaufen wollen, wird sie das nicht. ihre strategie „steter tropfen höhlt den stein“ (regelmäßige betröpfelung durch verdrehte halbwahrheiten höhlt den holzkopf) ist – na sagen wir mal – kindisch.

    „… ein warnendes beispiel für südtirol sei, konnte puigdemont nur schmunzeln“ … also widersprochen hat er auch nicht? zugeben kann er es natürlich nicht.

    „katalonien befindet sich zurzeit in einer zwischenposition: es ist kein teil spaniens mehr“ … fakenews

  • andreas

    Puigdemont hat seine Kumpanen ans Messer geliefert und entzieht sich selbst der spanischen Justiz.
    Keine Ahnung welche guten Ratschläge so einer haben kann, außer sich aus den Staub zu machen, wenn es brenzlig wird und die Mitstreiter zurück zu lassen.

    • anton76

      Ich bin weitestgehend deiner Meinung, aber ein Aspekt fehlt! Und zwar die Verurteilung der Spanischen Regierung, die diese Leute wegen Rebellion verfolgen, dieses Gesetz. Wurde vom Faschisten Franco eingeführt und hat in der EU nichts zu suchen, wir sind ja nicht im Mittelalter… Das muss auch gesagt werden…

  • anton76

    Ich bin ein Selbstbestimmungs Befürworter, habe aber am Beispiel Katalonien erkannt, dass es wahrscheinlich nicht in dieser Zeit realisierbar ist, vielleicht in 50 Jahren. Daher wäre ich mit dem Österreichischen Pass mehr als zufrieden… Ich kann nicht verstehen, dass Deutschsüdtiroler und Ladiner gegen diesen Kompromiss sind, wenn sie ihn nicht wollen, brauchen sie ihn ja nicht zu beantragen, aber dagegen Propaganda machen ist mies!

  • yannis

    @anton76

    unterschreibe Deine beiden Post´s insbesondere
    >>>die Verurteilung der Spanischen Regierung, die diese Leute wegen Rebellion verfolgen, dieses Gesetz. Wurde vom Faschisten Franco eingeführt und hat in der EU nichts zu suchen, wir sind ja nicht im Mittelalter… Das muss auch gesagt werden…<<<

  • thefirestarter

    Am 11.09.2018 gab es in Katalonien wieder friedliche Demonstrationen für die Unabhängigkeit.
    Ein Vergleich mit den Bestrebungen für eine Unabhängigkeit Südtirols zu ziehen ist sinnlos. Die Südtiroler, zumindest ihre politischen Vertreter wie Kollmann wollen ein unabhängiges deutsches Südtirol (wobei die Ladiner eventuell sich als deutschte Erklären dürfen).
    Katalonien ist da „etwas“ anders:
    „Auch eine Delegation der Lega war mit Salvini-Flaggen angereist, um an der Großkundgebung teilzunehmen. Doch wie unter anderen gitanos.cat, das Portal der katalanischen Roma und Sinti, berichtet, wurden die Anhängerinnen der rechtsradikalen italienischen Regierungspartei — aufgrund ihrer fremdenfeindlichen Gesinnung — mehmals mit dem Missmut der anderen Teilnehmerinnen konfrontiert, die versuchten, sie zu isolieren und von der Veranstaltung auszuschließen. Schlussendlich habe die Polizei dafür gesorgt, dass die Delegation die Kundgebung wieder verlässt.“ Quelle: Brennerbasisdemokratie.eu

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