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„scheiss wallischa wixxa“

Auf der Freiheitlichen-Liste kandidiert ein junger Mann aus dem Ahrntal, der sich sehr weit aus dem rechten Fenster lehnt. Der Fall Nico Vallazza.

Von Artur Oberhofer

Da wurde es selbst dem Onkel zu viel!

Im August 2010 postete Nico Vallazza auf Facebook einen wüsten Text:

„ … gestern wurde ein wallischer überfahren aber so richtig doll mit nem fiat uno turbo. Als ich ihn da liegen sah wusste ich nicht was ich machen sollte. Soo Man kann ihm helfen, muss aber nicht … Ich entschied mich dann halt füas nicht helfen und so giong der typ mal eben drauf. Dass war aber auch echt blöd von dem …“

Der entsetzte Onkel postete zurück:

„Das ist einfach nur Menschenverachtend. Eben nur ERBÄRMLICH. Und das im 21. Jahrhundert (…). Traurig sag ich da nur lieber Neffe. Dein Onkel.“

Nico Vallazza ist jetzt acht Jahre älter. Er ist 24. Und der Kandidat Nr. 28 auf der Liste der Freiheitlichen für die Landtagswahlen.

F-Obmann Andreas Leiter Reber sagt von Nico Vallazza: „Er ist ein junger Ahrntaler, der eine Ortsgruppe aufbauen möchte, ich habe zwei Mal mit ihm länger gesprochen und dabei nicht den Eindruck gewonnen, dass er ein extremer Rechter wäre.“ Der Mühlener sei über Ulli Mair zu den Blauen gekommen.

Parteiintern ist die Kandidatur des jungen Pusterers höchst umstritten. Es gibt Funktionäre, die behaupten, die F-Spitze würde mit Kandidaten wie Nico Vallazza ganz bewusst auf Wähler aus dem rechtsextremen Spektrum spekulieren. „Niemals“, hält der Obmann dagegen.

Fakt ist: Zuerst hatten die Freiheitlichen ein Problem namens Gudrun Ceolan. Die Lehrerin aus Salurn zog im August dieses Jahres ihre Kandidatur auf der F-Liste zurück, nachdem sie von ihrer Vergangenheit eingeholt worden war.

Die TAGESZEITUNG hatte 2005 im Zuge des Skandals um die Neonazis des „Südtiroler Kameradschaftsrings“ unter anderem enthüllt, dass die Salurner Lehrerin auf den Führer-Geburtstag mit Sekt angestoßen hatte. Und bei einer polizeilichen Durchsuchung war eine Büste des Führer-Stellvertreters Rudolf Hess in der Wohnung der Geschichtelehrerin entdeckt worden.

Gerade vor dem Hintergrund der Ceolan-Geschichte wundern sich freiheitliche Spitzenleute, dass die Parteispitze mit Nico Vallazza einen Mann auf die Liste geholt hat, der eine sehr diskutable Gesinnung zu haben scheint.

Obwohl er sein Facebook-Profil – angeblich auf Anraten von F-Führungsleuten – inzwischen gesäubert hat, finden sich darin noch immer zahlreiche brisante Einträge.

So hat Nico Vallazza zahlreiche Nazi-Bands geliked und deren Songs geteilt. Die Palette reicht von der Gelsenkirchener Gruppe „Sturmwehr“, die als „nationalistisch und nationalsozialistisch“ eingestuft wird, über die Formation „Stahlgewitter“, gegen die vor über zehn Jahren in Deutschland sogar wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt wurde, bis hin zur Gruppe „Division Germania“ des berüchtigten Hammerskins und Neonazis Andreas Koroschetz.

Auch Titel der später verbotenen Gruppe „Landser“ oder der Nazi-Band „Macht & Ehre“ („bearig des rockt!!“) hat Nico Vallazza auf Facebook geliked („gewaltig“).

Andreas Leiter Reber erklärt auf Anfrage der TAGESZEITUNG, er kenne die Facebook-Einträge nicht, weil er „erst seit kurzem mit Nico Vallazza auf Facebook befreundet“ sei. Da viele Einträge zwischen 2010 („scheiss wallischa wixxa!!“) und 2011 („Wir sind und bleiben Deutsch!! Für immer!!) ins Netz gestellt wurden, bittet der Parteiobmann um Nachsicht: „Im Alter von 16 Jahren macht schon öfters jemand Sachen, die er später bereut oder die er heute nicht mehr machen würde.“

Bei Nico Vallazza scheint es allerdings so zu sein, dass er seine Ansichten nicht radikal gewechselt hat.

Erst im vergangenen Jahr postete er auf Facebook ein Bild mit dem Titel „Germanenvolk“ – und darunter: „Traue den fremden Heiden nicht und bleib deinen alten Göttern treu!“.

Ein Jahr zuvor, im August 2016, teilte Nico Vallazza im Netz einen Text der „Wehrmacht“-Seite über den „erstaunlichen Soldaten“ Oberstleutnant Hermann-Gustav Jochims, der an der Operation „Barbarossa“ teilnahm, 15-mal verwundet wurde und alle möglichen Auszeichnungen – von den „Nahkampfspangen in Gold, Silber und Bronze über das Ritterkreuz und das Infanteriesturmabzeichen und sechs Panzervernichtungsabzeichen für Einzelkämpfer“ erhielt.

Er selbst, sagt F-Obmann Leiter Reber habe von Nico Vallazza „einen positiven Eindruck“. Er hätte ihn auch auf die Liste genommen, so der Obmann, „wenn er Oberministrant wäre“.

Im Wahlkampf positioniert sich Nico Vallazza auf dem Südtiroler zuers-Feld. Es könne nicht sein, dass sich einheimische Südtiroler gegenüber Zugewanderten benachteiligt fühlten. „Wer in unser schönes Land kommt, hat sich anzupassen, das übergroßzügige Beschenken von Neuankömmlingen muss ein Ende haben.“

Auch auf dem Fußballfeld fackelt Nico Vallazza offenbar nicht lange.

Erst am vergangenen Sonntag, im Spiel Welschellen gegen Prettau, ist Vallazza, der bei Prettau den Kasten hütet, in der 80. Minute vom Platz gestellt worden. Er ist einem Gegner, der ihn gefoult hatte, an die Gurgel gegangen.

 

 

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