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Sylvia Barbolini

„Trojanisches Pferd“: schaut zwar lecker aus, aber bleibt einem wohl eher im Halse stecken. (Foto: Adina Guarnieri)

Mit „Unter dem Strich“ zeigt das Stadtmuseum Klausen eine feinfühlige Ausstellung der Südtiroler Künstlerin Sylvia Barbolini.

Von Adina Guarnieri

Sylvia Barbolini wuchs auf einem Bergbauernhof auf und liebte die Hühner, die sich dort tummelten. Jedes Huhn hatte, laut Barbolini, einen ganz individuellen Charakter und am liebsten hätte sie jedes einzelne porträtiert. Dies zeugt von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe dieser Künstlerin. So sind ihr vom Besuch der Accademia delle Belle Arti in Venedig nicht primär die prächtigen Palazzi in Erinnerung geblieben, sondern die eher wenig beachteten aber allgegenwärtigen Tauben.

Persönliche Erfahrungen sind die Triebfeder in ihrem Schaffen. Dabei sind sie nicht gleich als solche ersichtlich, denn ihre Darstellungen sind Metaphern für Gefühlsmomente, die keine sofortige Übereinstimmung im Visuellen finden. Es vergehen oft Monate, ehe sie ihren Eindrücken eine Form verleiht. Dabei kommen verschiedenste Techniken zum Einsatz: Aquarell, Collage, unterschiedliche Drucktechniken und sogar Sticken. Ihr Repertoire wirkt, als wäre man im Atelier einer Renaissancekünstlerin.

Sie nutzt zwar traditionelle Techniken, der Bildsinn ist aber alles andere als konventionell und meist eröffnen sich dem Betrachter unerwartete Interpretationsebenen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Titel, der den anfänglichen Eindruck oft relativiert. So entpuppt sich die putzige Schnecke mit der Roladeschnitte auf dem Rücken als „Trojanisches Pferd“, sprich als glitschiges Kriechtier, das sich zuerst einschleimt und dann hinterrücks zuschlägt.

Realpolitische Themen und die Frage nach dem sozialen Gleichgewicht zwischen den Menschen, ob nun innerhalb der Gesellschaft oder in Liebesbeziehungen, sind wichtige Grundpfeiler in Sylvia Barbolinis Schaffen. Auch das Thema Zeit kommt zum Tragen. Dem natürlichen Vergehen der Jahreszeiten stellt sie unser künstliches Zeitverständnis und das ständige Streben nach mehr gegenüber. Metaphorisch steht hingegen die Schildkröte in „Zeit heilt die Wunden“ für das Vergehen der seelischen Zeit. Im Panzer des Tieres stecken mehrere Nadeln. Es sind dies die kleinen Stiche, die das Leben in unserer Seele hinterlässt, kleine Wunden, die einen ein Leben lang begleiten.

Im krassen Gegensatz dazu stehen jene Erinnerungen, die man am liebsten immer bei sich behalten möchte. Und so sehen wir in „Entfallen“ einen Raben beim verzweifelten Versuch, geknotete Taschentücher einzufangen. Es gelingt dem Raben aber nicht und so muss er sich für eines entscheiden. Lieben und Leben bedeutet auch, dass man irgendwann lernen muss loszulassen.

So melancholisch ihre Werke auch scheinen, in Sylvia Barbolonis Arbeiten schwingt niemals ein negativer Grundton mit. Sie stimmen einen nachdenklich, dennoch lässt die Künstlerin auch immer Hoffnung durchblicken. Ihre Arbeiten gehen einem nahe und dass obwohl wir den Ausgangsgedanken nicht immer begreifen. Das ist die universelle Sprache der Kunst, die Sylvia Barbolini fließend beherrscht.

Termin: „Unter dem Strich“ von Sylvia Barbolini im Stadtmuseum Klausen bis 6.Oktober Uhrzeiten: Di – Sa von 9:30 – 12, 15:30 – 18 Uhr. Eintritt frei. 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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