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Allein auf dem Joch

Die Straße auf das Penser Joch wird für einen Monat gesperrt. Zum großen Leidwesen von Hubert Leitner, Wirt des Gasthauses Alpenrosenhof. Das Durchfahrtsverbot ärgert aber nicht nur ihn allein. 

von Erna Egger 

 Hubert Leitner ist immer noch perplex: „Am Freitag, um 14.00 Uhr, kehrte bei uns ein Mitarbeiter des zuständigen Amts ein und teilte uns mit, dass die Straße zum Joch für einen Monat gesperrt wird. Niemand wusste davon.“ 

Leitner ist der Wirt des Gasthofes Alpenrosenhof am Penser Joch auf 2.211 Metern Meereshöhe. Der Beherbergungsbetrieb ist Ausgangspunkt für Tageswanderungen, außerdem befindet sich das Gasthaus auf der Route der mehrtägigen Hufeisentour. Der Alpenrosenhof ist von Sterzing bzw. über das Sarntal von Autofahrern, Motorradfahrern sowie Radfahrern und Busunternehmen erreichbar. 

Normalerweise wird das Haus bis Ende Oktober bewirtschaftet. 

Leitner fiel aus allen Wolken, als man ihm Ende vergangener Woche mitteilte, dass die Straße aufs Penser Joch vom 3. bis 28. September, von Montag bis Freitag, wegen Arbeiten gesperrt wird – und zwar täglich von 7.30 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr. 

Das Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung führt auf der Staatsstraße im Abschnitt Egg – Penser Joch Felssicherungsarbeiten durch, um die Fahrbahn vor Steinschlag und Lawinen besser zu sichern. Dabei werden die bergseitigen Böschungen gesäubert und loses Material wird abgetragen. 

Besonders schwierig ist das Befestigen des Rutschhanges kurz vor dem Penser Joch, wo man das Gelände abflachen muss. Diese Arbeiten sind mit dem Abtrag von erheblichen Materialmengen verbunden, die während der Baggerarbeiten unkontrolliert auf die Fahrbahn fallen und folglich die Verkehrsteilnehmer gefährden.

Aus Sicherheitsgründen wird deshalb in der Zeit vom 3. bis zum 28. September die Straße von Montag bis Freitag gesperrt.

Das Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung teilt mit, dass man alles daran setzen werde, um die Böschungsprofilierung zügig und sicher durchzuführen, damit man die Straßensperre so schnell wie möglich aufheben kann.

Dieser Hinweis kann den Wirt des Gasthofes Alpenrosenhof auch nicht über sein Dilemma hinwegtrösten. „Wir sind nur sechs Monate auf dem Pass. Dann kann man doch nicht für einen ganzen Monat die Straße sperren“, poltert Leitner. „Ich kann den Betrieb in dieser Zeit doch schließen! Busse haben vorbestellt, ich kann diesen doch nicht absagen. Was soll ich mit dem Personal tun, wenn die Straße gesperrt ist? Dann brauche ich keine Angestellten mehr.“

Die Sperre sorgt nicht nur bei ihm für Ärger: „Ich rede nicht nur für mich allein, diese Schließung ist auch für das gesamte Sarntal, und jene, die regelmäßig von Sterzing über das Joch fahren müssen, ein Problem.“

Er ist sich sicher, dass es andere Lösungen gibt: „Ich hoffe, dass eine Änderung vorgenommen wird. Man könnte die Straße zum Beispiel jede Stunde für zehn Minuten öffnen. Ich muss ja auch ins Tal zum Einkaufen“, poltert Leitner. 

Er hat sich beim Bürgermeister von Freienfeld, Peter Faistnauer, beschwert: „Auch ich habe erst am Freitag von der Verkehrssperre erfahren“, ärgert sich Letzterer. Seinem Amtskollegen im Sarntal, Franz Locher, erging es ähnlich. 

Faistnauer kann die Sorgen des Wirtes nachvollziehen: „Ich sorge mich um die Existenz des Betriebes“, so der Bürgermeister, der sich noch gestern bemüht hat, beim zuständigen Amt ein Entgegenkommen zu erwirken. „Man kann doch nicht die Betroffenen so kurzfristig über die Sperre informieren.“ Er ist der Meinung, dass eine zwischenzeitliche Öffnung der Straße für den Verkehr oder eine Verschiebung der Hangsicherungsarbeiten auf Oktober möglich sein müsste. 

Volkmar Mair, Amtsdirektor im Amt für Geologie und Baustoffprüfung, lehnt diese Forderungen kategorisch ab: „An Wochenenden, in den Abend- und Nachtstunden sowie zu Mittag, also zu den Stoßzeiten, ist die Straße offen“, verweist Mair.

Eine stündliche Öffnung der Fahrbahn sei kontraproduktiv. „Solange wir Material abbrechen, kann die Straße nicht geöffnet werden. Dies wäre zu gefährlich und die jeweiligen Aufräumarbeiten würden viel zu viel Zeit beanspruchen.“

Auch eine Verschiebung der Arbeiten auf Oktober sei nicht sinnvoll: „Niemand kann mir versichern, dass es im Oktober nicht schneit. Diese Stelle ist wirklich gefährlich. Und ich will sichergehen, dass wir heuer noch die Felssicherungsarbeiten beenden können.“

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Hubert Leitner aber doch:

„Wir haben alle Vorbereitungen getroffen. Ich gehe davon aus, dass der Materialabbruch innerhalb einer Woche getätigt ist und die Fahrbahn zumindest einspurig mit Ampelverkehr wieder geöffnet werden kann. Wir tun, was wir können“, verspricht Mair.

 

 

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