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Neue Töne

Musikalische Hochkaräter hat der Club Alpbach Südtirol Alto Adige (Casa) vergangene Woche nach Alpbach geladen.

Der Südtiroler Komponist Hannes Kerschbaumer wurde in seiner jungen Karriere bereits auf den wichtigsten Veranstaltungen für zeitgenössische Musik aufgeführt. Im Rahmen des Forum Alpbach stand er den Casa-Stipendiat_innen Rede und Antwort – begleitet von zwei renommierten Flötistinnen.

Nachdem Elena Gabbrielli auf der Querflöte ein abstraktes Stück von Hector Parra zum Besten gegeben, eröffnete Antonius Widmann, selbst Komponist und Stipendiat am diesjährigen Forum Alpbach, das Gespräch mit Kerschbaumer. „Ist das Kunst“, wollte Widmann von seinem Diskussionspartner wissen: „und wenn ja, weshalb?“  Die Frage werde ihm immer wieder gestellt, erwiderte Kerschbaumer, aber natürlich sei das Kunst.

Auch wenn es für klassisch geschulte Ohren gewöhnungsbedürftig klingen mag, hinter jedem Stück stehen Arrangements, viel Arbeit, ein roter Faden, ein ausgedachtes Konzept. Es sei nicht Aufgabe des Komponisten, bloß zu gefallen. Kerschbaumer versteht sich eher in der Rolle eines Ton-Forschers: „Jedes Mal, wenn ich ein Stück für ein bestimmtes Instrument schreibe, leihe ich es mir vorher aus, um zu verstehen, was ich alles aus diesem Instrument herausholen kann.“

Diesen Ansatz verdeutlichten Gabbrielli an der Querflöte und Caroline Mayrhofer an der selten zu sehenden Pätzoldflöte an einer Komposition von Kerschbaumer. Der Komponist schloss Mikrophone an den Instrumenten an, um die Klickgeräusche der Klappen aufzunehmen. Die Musikerinnen spielten ihre Instrumente, ohne hineinzublasen – der Laptop partionierte die Klickgeräusche und unterlegte sie mit abstrakten Hintergrundtönen. „Laptop und iPhone zählen als ganz normale Musikinstrumente“, erklärte Kerschbaumer dem Publikum.

Viele der jungen Menschen im Publikum waren zuvor nie mit zeitgenössischer Kunstmusik in Berührung gekommen. Die Reaktionen reichten von Staunen, über Überforderung bis Skepsis. Auf die Frage, ob Musik dem breiten Publikum nicht gefallen müsse, antwortete Kerschbaumer verneinend: „In der Metalmusik gibt es auch bestimmte Nischen, die nur ganz wenige Menschen ansprechen. Solange es ein paar Leute anspricht, reicht das.“ Außerdem sei zeitgenössische Musik eben da, Neues auszuprobieren und auszuloten – längerfristig würden so oft neue Standards gesetzt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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