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Die Rekordernte

Die Apfel-Ernte in Südtirol hat begonnen. Während man in Südtirol von einem mengenmäßig normalen Jahr ausgeht, dürfte es europaweit eine Rekordernte werden.

von Lisi Lang

Während man im Vorjahr von einer historisch kleinen Ernte gesprochen hat, könnte es heuer eine Rekordernte werden. „Wir gehen Schätzungen zufolge davon aus, dass in der Europäischen Union heuer 12,6 Millionen Tonnen Äpfel produziert werden“, erläutert VOG-Obmann Georg Köller. Im Vorjahr kam man aufgrund der zahlreichen Hagelschläge und der weit verbreiteten Frostschäden nur auf 9,3 Millionen Tonnen. In Südtirol wurde die kleinste Ernte seit zehn Jähren verzeichnet.

Auf der Prognosfruit in Warschau wurden gestern die Ernte-Schätzungen der EU-Länder vorgestellt. „Die Schätzungen zeigen, dass wir in der Europäischen Union heuer mit einer sehr hohen Apfelernte rechnen müssen – vor allem auch, weil Polen einen sehr hohen Zuwachs verzeichnet“, erläutert Georg Kössler. Der Apfelanbau in Polen hat in den letzten acht bis zehn Jahren einen enormen Zuwachs verzeichnet und diese zahlreichen neu angepflanzten Anlagen, korrigieren nun auch die Schätzungen weit nach oben. „Polen ist mittlerweile mit einer Ernteschätzung von 4,4 Millionen Tonnen zum größten Apfelproduzenten in der EU geworden“, erklärt der VOG-Obmann.

In Südtirol geht der Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften von einer „Normalernte“ aus. „Derzeit schätzen wir in Südtirol eine Erntemenge von 990.000 Tonnen – wir werden die 1-Millionen-Tonnen-Marke wahrscheinlich nicht überschreiten“, so Kössler.

Der VOG-Obmann zeigt sich aber zuversichtlich und geht davon aus, dass man aufgrund der aktuellen Situation von einem guten Start in die Verkaufssaison ausgehen könne. Preise wie im Vorjahr wird es aber nicht mehr geben. „In Europa sind wir im Vorjahr deutlich unter der 10-Millionen-Tonnen-Marke geblieben und der Markt wäre eigentlich für größere Mengen aufnahmefähig, weshalb der Preis gestiegen ist“, erklärt Kössler, der davon ausgeht, dass sich die Preise heuer nach einem guten Start einpendeln werden. „Wir gehen aktuell aber nicht davon aus, dass die Preise einbrechen werden – für gute Qualität wird man marktgerechte Preise bekommen“, so der Obmann des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften.

Etwas kritischer sieht der Versteigerungsleiter in Vilpian, Markus Tscholl, die Situation. „In Europa wird heuer eine Rekordernte prognostiziert und eine Rekordernte führt notgedrungen zu einem schwierigen Markt“, so Tscholl. Das Verhältnis Angebot-Nachfrage sei heuer sicher nicht ideal. „Wir werden mit relativ normalen, guten Preisen starten, da die Lager leer sind, aber sobald auch die großen Produzenten in den Markt einsteigen, werden wir die Preise sicher nach unten korrigieren müssen“, betont Tscholl.

Was den Bio-Markt angeht, bemerkt man auch europaweit eine Zunahme der Produzenten. „Man geht davon aus, das in den apfelproduzierenden Regionen in den nächsten Jahren ein jährlicher Zuwachs von 6 bis 7 Prozent an Bio zu verzeichnen sein wird und der Markt diese zusätzlichen Mengen auch leicht aufnehmen kann“, so Georg Kössler. Bei diesem Wachstum werden aber natürlich auch die Qualitätsanforderungen steigen, erläutert Kössler, „aber Bio hat sicher enormes Wachstumspotential.“

Bisher kann man sagen, dass die durch Hagelschläge beschädigte Fläche in Südtirol weitaus geringer ist als im Vorjahr, „allerdings hat es im Vorjahr auch im August noch verheerende Hagelschläge gegeben“, unterstreicht Robert Wiedmer, Bereichsleiter Obstbau im Südtiroler Beratungsring.

Auch wenn der Hagel südtirolweit keine vergleichbaren Schäden wie im Vorjahr angerichtet hat, vor allem die Gegend um Terlan, Andrian, Nals und Vilpian wurde schwer getroffen. „Uns hat es als Versteigerung selten so stark getroffen, wie heuer“, erklärt Markus Tscholl, der davon ausgeht, dass man mit Qualitätseinbußen rechnen muss.

Die Frostschäden haben sich landesweit heuer ebenfalls in Grenzen gehalten. „In einigen Gebieten mussten wir leichte Frostschäden verzeichnen, im Vorjahr war gebietsweise aber die komplette Ernte zerstört“, erklärt Robert Wiedmer.
Was die aktuelle Hitze angeht, so beeinflusst diese die Qualität der Äpfel nur bedingt. „In Anlagen ohne Hagelschutznetz gibt es stellenweise kleine Sonnenbrandschäden, aber das ist bei derartigen Temperaturen nicht neu“, so Wiedmer. Die Landwirte hoffen allerdings, dass die Temperatur – vor allem nachts – wieder etwas sinkt. „Wenn es tagsüber heiß ist, nachts aber abkühlt, fördert das die rote Farbbildung der Äpfel und das wäre natürlich wünschenswert“, erläutert der Bereichsleiter.

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Kommentare (3)

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  • leser

    Ja wenn es dieses jahr eine rekordernte geben wird und die polnischen Apfelpflücker nicht kommen können, weil polen dank dem beigebrachten anbautechniken der laimburg, dann muss jaufenthaler gleich unterberger und co beauftragen, dass salvini rechtzeitig die *irregolari* , die zur zeit die tomaten im süden ernten, heraufschickt
    Diese staatenlosen wären eine sensationelle lösung, zumal sie nur 25 euro pro tag kosten
    Wenn die tomatenernte zu ende geht werden die kapazitäten frei
    Irgendwie hat das flüchtlingsdrama doch ein gutes ende

  • yannis

    Flüchtlingsdrama ein gutes Ende………ja. ja Ironie
    ……..mit Sicherheit, für Südtirols Apfel-Barone, für die Flüchtlinge selbst und der Gesellschaft wohl nicht.
    Es macht keinen Unterschied ob sie in Apulien oder Südtirol ausgebeutet werden und für die Geselschaft bleiben die Folgen daraus auch gleich.

  • prof

    Bei einer Rekordernte wird gejammert,daß der Preis nicht stimmt, umgekehrt wird gejammert,daß zu wenig geerntet wird.
    Die Obst und Weinbauern können einem wirklich leid tun,da ist jeder Angestellte und Arbeiter sicherlich zu beneiden, .

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