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Mord im Affekt

Nicoleta Caciula (+)

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Nicoleta Caciula einem Mord im Affekt zum Opfer gefallen ist. Tatverdächtige gibt es bisher keine, der Schwelbrand in der Wohnung wurde wahrscheinlich von Teelichtern ausgelöst.

Von Thomas Vikoler

Die Ermittler im Mordfall Nicoleta Caculia gehen mit ziemlichem Bedacht vor. Keine voreiligen Schlüsse, keine voreiligen Schuldzuweisungen. Dabei wurden nach dem Tod der 46-jährigen Frau am 17. Juli Personen aus dem persönlichen Umfeld der gebürtigen Rumänin ins Visier genommen: Die Carabinieri haben Zeugen befragt und die Aufnahmen von Überwachungskameras aus der Umgebung gesichtet.

Das Ergebnis: Bisher gibt es keine Beweise für die Anwesenheit Dritter in Caciulas Wohnung zwischen 3.00 und 5.00 Uhr morgens, dem bei der Autopsie ermittelten Ablebens-Zeitraum.

Die Suizid-Hypothese, anfangs von den Ermittlern in Umlauf gebracht, scheint aber gänzlich vom Tisch zu sein. Die Obduktion hat ergeben, dass die Frau mit dem Verlängerungskabel, der neben ihr gefunden worden ist, erdrosselt worden ist. Todesursache: Ersticken.

Seitdem setzen die Ermittler ganz auf die Auswertung von DNA- und digitalen Spuren: Diese Arbeit erledigen die Experten des RIS-Labors in Parma.

Die Untersuchung des Tatorts – die Einzimmer-Wohnung Nicoleta Caciula in der St.-Lorenzner-Straße in Bruneck – ergab einige interessante Neuigkeiten: Der Schwelbrand in der Wohnung wurde aller Voraussicht nach durch eines der zahlreichen verwendeten Teelichter ausgelöst. Auf dem Schreibtisch befanden sich mehrere davon, die Leiche der Frau lag auf drei zerdrückten Teelichtern aus Aluminium. Im Bericht der Berufsfeuerwehr heißt es folglich, dass das Feuer wohl nicht gelegt worden ist.

Dies ist für die Ermittler ein Indiz, dass der (wahrscheinliche) Mord nicht geplant war, sondern im Affekt verübt wurde. Sehr wahrscheinlich als Folge eines Streits – bis der oder die Täter zum Verlängerungskabel griff und zudrückte.

Weil der Schwelbrand die Raumtemperatur in der Wohnung auf höchstens 40 Grad ansteigen ließ, trafen die RIS-Ermittler auf keine zerstörten bzw. versengten Oberflächen, was die Spurensicherung erleichtert. Am Tatort wurden DNA-Spuren und zahlreiche Fingerabdrücke genommen. Potentielle Erkennungsmerkmale, die zum Täter oder den Tätern führen. Denn offenbar hatten diese nicht sehr viel Wert darauf gelegt, Spuren zu verwischen.

Das zweite Element ist die Auswertung des digitalen Verkehrs um das Opfer Nicoleta Caciula. Deren Smartphone, das am Tatort sichergestellt wurde, ist durch einen PIN-Code gesichert. Die Ermittler haben bisher darauf verzichtet, ihn zu knacken. Es bestehe die Gefahr eines Daten-Verlusts, heißt es.

Derweil werden, aufgrund der Daten der Telefongesellschaften, alle Telefonate und SMS-Sendungen zwischen dem Opfern und Dritten in zeitlicher Nähe zum Mord untersucht. Nicoleta Caciula wollte einige Tage nach dem 17. Juli zusammen mit einer Freundin eine Urlaubsreise unternehmen. Am 17. Juli wurde sie von ihrem Arbeitgeber – einer Platten-Firma in Olang – angerufen, weil sie nicht zur Arbeit erschienen war. Da war Nicoleta Caciula bereits tot.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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